+
Toller Ausblick: Vom Riemerschmidpark zwischen Wolfratshausen und Icking hat man eine atemberaubenden Perspektive auf die Pupplinger Au und auf die Alpenkette. Das Areal liegt im Landschaftsschutzgebiet.

Isarhochufer

Ein Ort für alle und jeden

  • schließen

Der Isartalverein hat den Riemerschmidpark so gestaltet, dass dort sämtliche Interessen berücksichtigt sind.

Icking – Was ist der schönste Ort im Nordlandkreis? Gäbe es einen solchen Wettbewerb, wäre der Riemerschmidpark unterhalb von Schlederloh sicher ein heißer Kandidat. Hier, mitten im Wald am Isarhochufer, hat man einen atemberaubenden Blick auf den Zusammenfluss von Isar und Loisach. Die Wildflüsse schlingen sich ineinander, die Wälder rauschen sacht, und die Berge setzen all dem die Krone auf. Man muss vom Wolfratshauser Ortsteil Weidach nur 20 Minuten zu Fuß gehen, schon ist man da.

Doch hier geht es nicht um Flüsse oder Berge. Es geht um den Wald. Der Isartalverein, dem das knapp fünf Hektar große Areal gehört, will mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) musterhaft zeigen, wie man mit dem Thema umgeht. „Wir arbeiten der Natur zu, das ist unsere Aufgabe“, sagt Erich Rühmer, Vorsitzender des Vereins. Zwei Jahre lang ist das Areal, in das zuletzt vor 16 Jahren eingegriffen wurde, bewirtschaftet worden. Jetzt ist die Maßnahme zu einem Ende gekommen, jedenfalls zu einem vorläufigen. „Das Schöne am Wald ist ja, dass nie etwas fertig wird“, so Förster Robert Nörr.

Es gibt nämlich nicht nur die Erholungssuchenden, die einen kleinen Spaziergang machen und den Blick in die Tiefe und die Ferne schweifen lassen wollen. Es gibt Naturschützer, die sich um bedrohte Arten sorgen. Es gibt Jäger, die am liebsten ein Betretungsverbot verhängen würden. Und die Besitzer wollen natürlich ihr Hab und Gut bewirtschaften. Kurz: Am Riemerschmidpark ist es wie überall im Wald – es kollidieren die verschiedensten Interessen. „Wir haben gemeinsam versucht, das auszutarieren“, so Nörr.

Gelungen ist dies mit einer Einteilung in Zonen. Zone eins dient der Erholung. Sie liegt unmittelbar an einem gut mannshohen Stein, den der Architekt Richard Riemerschmid (1868 bis 1957) gestiftet hat. Er hatte in den beiden Weltkriegen je einen Sohn verloren Diesen Aussichtsplatz hat der Isartalverein ausgeschnitten. Das Ergebnis: Freie Sicht für alle. Außerdem wurde der Steilhang abgesichert, und zwar mit entrindeten Fichten, die nun quer im Hang liegen. Doch auch die Erholung hat ihre Grenzen, und zwar, wenn es um das Thema Sicherheit geht: Eine Buche musste weichen, sie war nicht mehr standfest und drohte in Richtung Weg zu fallen. „So schön er war, der Baum musste weg“, sagt Nörr.

Zone zwei dient dem Naturschutz. Hier finden sich massenweise alte und dicke Bäume mit besonderem Wert für Flora und Fauna. Vögel, Pilze, Würmer und Insekten aller Art sind hier zuhause und bevölkern den artenreichsten Lebensraum in unseren Breitengraden. Sein Name: Wald. „Hier wird die Natur weitgehend sich selbst überlassen, es kreucht und fleucht nur so“, erklärt Nörr. Die Biotopbäume sind sämtlich mit einem symbolischen roten Specht gekennzeichnet, der sie als ökologisch besonders wertvoll auszeichnet. Für den Erhalt solcher Bäume gibt es Geld vom Staat. Das tut der Kasse des Isartalvereins, der nur von Spenden und Zinsen lebt, gut.

Bleibt Zone drei: die Forstwirtschaft. Dem Isartalverein steht es wie jedem Waldbesitzer zu, mit seinen Bäumen Gewinn zu erzielen. „Das haben wir nicht unbedingt vor, die Bewirtschaftung hier ist schwierig“, so Rühmer. Aber eine Option ist es doch. Deshalb wurden in einem kleinen Areal alte und kranke Fichten entnommen, um den nachwachsenden Laubbäumen wie Esche und Ahorn mehr Licht und damit eine Zukunft zu geben. Schön ist der Anblick derzeit nicht. „Aber hier steht die Ästhetik nicht im Vordergrund“, so Nörr. Außerdem liegt es im Wesen des Walds, dass sich der karge Anblick bald ändern wird. „In fünf Jahren haben wir hier eine grüne Hölle.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wer seine Blumen liebt, der gießt
Die Temperaturen klettern auf über 30 Grad, Regen fällt nur selten. Gartenfreund müssen also zur Gießkanne greifen. Doch wer in der Sommerhitze nicht aufpasst, kann …
Wer seine Blumen liebt, der gießt
Geh ma obi ins Kino
Das Wolfratshauser Kino öffnet seine Pforten wieder: Mit dem Dokumentarfilm „Fahr ma obi am Wasser“, der das uralte Handwerk der Flößerei auf Isar und Loisach zum Thema …
Geh ma obi ins Kino
Geretsrieder bei Arbeitsunfall schwer verletzt
Bei einem Arbeitsunfall hat sich ein 42-jähriger Geretsrieder schwer verletzt. Er musste mit einem Rettungshubschrauber in eine Münchner Klinik gebracht werden.
Geretsrieder bei Arbeitsunfall schwer verletzt
Vermisster Rentner ist zurück
Ein glückliches Ende hat am Donnerstag eine Vermisstensuche in der Gegend um Waldram gefunden. Ein verwirrter Rentner (87) wurde gegen 2.15 Uhr zu Hause von einem …
Vermisster Rentner ist zurück

Kommentare