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Erste Themen, ernste Geschichten: 150 Ickinger kamen zur Bürgerversammlung ins Rathaus.

Wird an Ickings Seele herumgedoktert?

Emotionale Bürgerversammlung zum Streitthema Huberwiese

Icking – Hitzige Wortgefechte und immer wieder hoch kochende Emotionen prägten die Bürgerversammlung in Icking. Das Interesse der Bürger war groß: Rund 150 Personen fanden sich am Donnerstag im Rathaussaal ein.

Nicht alle fanden einen Sitzplatz, einige harrten die vier Stunden stehend aus. Beherrschende Themen waren die Huberwiese und die Unterbringung der Asylbewerber. Endlose Plädoyers und emotionale Redebeiträge sorgten für eine aufgeladene Atmosphäre. Laut krachende Mikrofone (durch die vielen Handys verursacht) heizten die gereizte Stimmung zusätzlich an. Landrat Josef Niedermaier eilte Bürgermeisterin Margit Menrad immer wieder unterstützend zur Seite. Die Gräben zwischen den Verfechtern der verschiedenen Positionen wurden an dem Abend jedoch nicht kleiner. In ihrem Bericht ging die Rathauschefin ausführlich auf die Huberwiese ein.

Den Vortritt bekam aber Philipp von Braunschweig. Der Vertreter des Bürgerbegehrens für den Erhalt der Wiese sparte nicht an Kritik. Am Anfang des Vorhabens sei nicht ein festgestellter Bedarf gestanden, sondern ein privates Geldgeschäft, betonte er. „Bauspekulation in Reinkultur“, sagte Braunschweig. Es gehe hier nicht nur um die Wiese, sondern auch um Ortsentwicklung, Flächenfraß und Baulandspekulation. Wer die Befürchtungen der Bürgerinitiative für Übertreibung hält, brauche bloß nach Baierbrunn fahren. „Da kann man das Icking 2020 heute schon besichtigen.“

Menrad hielt dagegen, dass die Huberwiese nicht die letzte freie Wiese in Icking sei. „In der Ulrichstraße finden Sie nach acht Häusern eine weit größere Wiese.“ Es sei sehr interessant für die Gemeinde, dort 4200 Quadratmeter Grund günstig zu erwerben. „Wichtig wäre es, Grund zu haben, um gewappnet zu sein für die Zukunft, wenn man Kindergarten oder Schule erweitern muss.“

In der Diskussion zur Huberwiese wurde es richtig emotional. „Ich habe das Gefühl, dass an einem Teil der Seele des Ortes herumlaboriert wird“, meinte ein Ickinger. Er zog Vergleiche zum Englischen Garten in München, der auch nicht bebaut würde. Die Huberwiese sei zwar nicht der Englische Garten von Icking, aber ortsprägend. Das Fleckchen oberhalb der Wiese mit dem Kreisverkehr sei „faktischer Ortsmittelpunkt“.

Eine Bürgerin stellte klar, dass es sich bei den Familien Huber und Ortner um eine Familie handle. Die Wiese sei also nicht gekauft worden. „Und diese alteingesessene Familie bezichtigen Sie der Grundstücksspekulation“, empörte sich die Frau in Richtung Philipp von Braunschweig. Man müsse sich an Fakten halten und nicht auf Annahmen stützen. Braunschweig ruderte zurück und meinte, dass es dann wohl keine Grundstücksspekulation sei. „Aber an den anderen Argumenten ändert das nichts“, sagte er.

Ein Zuhörer kritisierte, dass man über das Eigentum anderer bestimme. „Wenn ich der Landwirt wäre, würde ich auf der Wiese einen Schweinestall für 1000 Schweine bauen.“ Ein anderer fand es verwunderlich, dass der Eindruck vermittelt werde, dass die Huberwiese „das letzte existierende Stückchen Grün“ sei. „Alle, die hier ein Haus gebaut haben, haben es auf der grünen Wiese gebaut.“

Beim Thema Asyl ging es um die geplanten Unterkünfte in Dorfen und Irschenhausen. Vera Seemann aus Irschenhausen und weitere Anwohner konfrontierten Menrad und Niedermaier mit Nachfragen und Vorhaltungen – und sie beharrten auf ihren Alternativen. Ihr Hauptargument: Der Druck durch die Asylbewerberzahlen vom Herbst bestehe nicht mehr. Man könne nun durchschnaufen und über nachhaltigere Lösungen nachdenken. In den nächsten Monaten sei mit einer grundlegenden Revision der Prognosen zu rechnen. Niedermaier erklärte, dass Icking, wenn die Turnhalle des Gymnasiums im Mai geräumt werde, mit der Quote 13 Plätze im Minus sei. „Ich empfehle deshalb einen Vorrat, um gewappnet zu sein“, so der Landrat. Icking sei in der komfortablen Situation, einen Investor zu haben und habe kein Risiko, falls die Unterkünfte doch leerstehen würden. Die Gemeinde handle mit den geplanten Unterkünften vorausschauend und würde damit ihre Turnhalle freihalten. Drei Anträge der Irschenhauser Anwohner zu den geplanten Flüchtlingsunterkünften werden demnächst im Gemeinderat behandelt – genau wie ein Antrag von Dr. Michael Prosinger für eine Klausurtagung zur Ortsplanung.

Interessant dürfte für den Gemeinderat das Ergebnis einer Abstimmung in der Bürgerversammlung zur Fassade des geplanten Supermarktes sein: Die Mehrheit der Anwesenden votierte für die ursprüngliche Version „im oberbayerischen Bauernhofstil“.

von Yvonne Zuber

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