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Wichtl und Burzel heißen die Zwerge, von denen Hans Pischeltsrieder seinem Enkel Jakob immer wieder erzählt hat. Jetzt gibt es die Geschichten als Hörbuch.

Die Streiche von Wichtl und Burzl

Enkel hält Opas Einschlafmärchen auf Hörbuch fest

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Wichtl und Burzel spielten den anderen Bewohnern im Isarwald viele Streiche. Davon erzählte der Großvater von Jakob Pischeltsrieder immer. Jetzt gibt es die Märchen als Hörbuch.

Icking– Jakob Pischeltsrieder (31) kann sich an seinen Großvater sehr genau erinnern. Als er ein Kind war, vielleicht vier, fünf oder sechs Jahre alt, setzte sich Opa Hans Pischeltsrieder mittags und abends ans Bett. Dann erzählte er Jakob und seinen Brüdern Hans und Georg zum Einschlafen Märchen, die er spontan erfunden hatte.

Die Hauptfiguren dieser Geschichten waren Wichtl und Burzel, die unter einer Buche irgendwo tief im Wald an der Isar lebten. Sie waren ziemliche Lausbuben und spielten anderen Waldbewohnern gerne Streiche – etwa dem Fuchs, den sie am Schwanz zogen, wenn er schlief. Ihr Übermut bekam Wichtl und Burzel nicht immer gut. „Mein Opa hatte eine richtige Großvaterstimme, ruhig und gütig“, erzählt Jakob Pischeltsrieder. Jedenfalls hat er die Abenteuer der kleinen Helden nie vergessen.

Gerd Anthoff liest zehn Abenteuer

Hans Pischeltsrieder hat sich für seine Enkel Märchen ausgedacht.

Jetzt kann diese Geschichten aus Kindertagen jeder hören und genießen. Jedenfalls jeder, der des bairischen Dialekts mächtig ist. Denn: Jakob Pischeltsrieder hat sie aufgeschrieben, und der Münchner Volkverlag, der auf Bavarica spezialisiert ist, hat die „Zwergerlgschichten“ als Hörbuch herausgegeben. Der aus Film und Fernsehen bekannte Gerd Anthoff liest zehn Abenteuer. „Ich glaube schon, dass mein Opa sich freuen würde, wenn er das wüsste“, sagt sein Enkel.

Es mussten einige Jahre ins Land gehen, bevor Jakob Pischeltsrieder seine Erinnerungen schriftlich festhielt. „Es hat immer irgendwie in meinem Kopf herumgespukt“, sagt er. Erst als der Großvater an Krebs erkrankte, fasste er sich ein Herz und bat ihn, ihm die Geschichten noch einmal vorzusagen. Als der Enkel Block und Stift herausholte, um mitzuschreiben, wehrte der Opa energisch ab. „Nein, das möchte ich nicht“, sagte er. Also musste Jakob ihn überlisten, fast nach Art von Wichtl und Burzl. Er schrieb heimlich mit, einen klitzekleinen Block unter dem Tisch auf einem Knie.

Freundin sagte: „Voll schön“

Diese Notizen blieben erst einmal eine Zeitlang liegen, auch über den Tod des Großvaters im Jahr 2009 hinaus. Irgendwann, in einem Kroatien-Urlaub, nahm sie sich der junge Mann wieder vor, schrieb sie auf und las sie seiner Freundin vor. Die sagte: „Voll schön.“ Das ermunterte ihn dazu, die Manuskripte bei drei Verlagen anzubieten, einer in Köln, einer in Regensburg, und eben der Volkverlag in München. Letzterer war so angetan, dass er ein Hörbuch produzierte – obwohl er eigentlich gar keine Hörbücher herstellt.

An die Einspielung in einem Tonstudio in Berg, als ihm die Geschichten nach 25 Jahren wieder einmal vorgelesen wurden, kann sich der junge Autor sehr genau erinnern. In diesem Moment war ihm sein Großvater wieder ganz nah. „Ich habe mir gedacht: Wenn er das sehen könnte, wäre er bestimmt stolz.“

Wichtl und Burzel spielten im Isarwald

Für die Veröffentlichung, musste ein paar Dinge geglättet werden. So hatte Pischeltsrieder stets vom Isarwald geschrieben. Klar: Der Wald der Familie Pischeltsrieder, die seit vielen Generationen den Hof neben der Tankstelle betreibt, liegt an der Isarleiten. Doch das war den Produzenten des Hörbuchs etwas zu speziell, aus dem „Isarwald“ wurde ganz allgemein „der Wald“. Auch fiel der Redaktion jener Satz zum Opfer, mit dem Hans Pischeltsrieder seine Märchenstunde stets beendete. Er lautet: „Und da läuft eine Maus, und die Geschichte ist aus.“

Übrigens hat der Wahl-Eglinger vor, demnächst selbst Kinder in die Welt zu setzen. „Das steht absolut auf dem Plan“, erzählt er. Nach einer Banklehre bei der Münchner Stadtsparkasse hat er seinen Master in Forst und Holzwissenschaften in Weihenstephan gemacht. Sobald er einen festen Job hat, will er Kinder – und zwar mit der Frau, die sich einst die ersten Entwürfe in Kroatien angehört und für schön befunden hat. Und wenn er seine Kinder irgendwann selbst ins Bett bringt? „Dann werde ich ihnen natürlich Märchen erzählen.“ Ein paar vom Großvater. Aber auch ein paar erfundene. Einfach so, mit viel Fantasie. Wie es ihm einst der Opa vorgemacht hat.

Das Hörbuch

Jakob Pischeltsrieder: Zwergerlgschichten. Abenteuer aus dem Wald in bairischer Mundart. Sprecher Gerd Anthoff, Musik von Anika Staltmeier und Rainer Gruber, Preis 13,90 Euro, ISBN 978-3-86222-235-3.

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