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„Es ging ratzfatz“

Wegen Körperverletzung: Reiterinnen vor Gericht

Ein nicht alltäglicher Fall von Körperverletzung beschäftigt derzeit das Wolfratshauser Amtsgericht. Weil sie mit ihren Pferden einen Unfall verursacht haben, wird zwei jungen Frauen der Prozess gemacht. 

Icking - Beim Überqueren der Landstraße zwischen Dorfen und Höhenrain gehen zwei Pferde durch. Ein entgegenkommender Mopedfahrer will den galoppierenden Rössern ausweichen, steuert seinen Roller in die Wiese. Beim Sturz bricht sich der Mann das Schlüsselbein. Nun müssen sich zwei Reiterinnen, eine 25-jährige Geretsriederin und eine junge Frau (20) aus Neuried, wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Das Gericht sucht eine Antwort auf die Frage, ob das Verhalten der Pferde für die Reiterinnen vorhersehbar war.

Reiterin: „Es war völlig unkontrollierbar“

Der 2. September vergangenen Jahres war ein schöner Spätsommertag. Um kurz nach 18 Uhr waren die Angeklagten zu einem Ausritt aufgebrochen – durch den Wald Richtung Münsing. Dafür mussten die Pferde ein kurzes Stück entlang der Starnberger Straße gehen, bevor sie auf einen Forstweg auf der anderen Straßenseite wechseln konnten. Dabei passierte es. „Mein Pferd ist plötzlich durchgegangen. Es war völlig unkontrollierbar“, berichtete die ältere Reiterin vor Gericht. „Ich weiß nicht, was es hatte, es ist einfach losgerannt – wie in Panik.“ Das vor ihr gehende Pferd der 20-Jährigen sei förmlich mitgerissen worden. „Das liegt in der Natur der Pferde. Wenn eins rennt, rennt das andere mit“, erläuterte die erfahrene Reiterin. Ihr Pferd sei zwar beim Passieren eines Stapels Baumstämme am Straßenrand „guckig“ gewesen, habe leicht unruhig geschaut, was da liegt. „Das ist ein Lernprozess für das Pferd, den wollte ich zu Ende bringen“, erläuterte sie, warum sie in diesem Moment weitergeritten sei. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass er gleich losprescht.“ Der Geschädigte hatte kaum Zeit zu reagieren. „Es ging ratzfatz“, erklärte der Hausmeister (63) aus Berg im Gerichtssaal. „Ich musste ausweichen, sonst wäre ich in die Rösser gefahren.“ Ein weiterer Zeuge erschien nicht zur Verhandlung.

Richter Wäckerlin regte an, das Verfahren einzustellen

Richter Urs Wäckerlin regte an, das Verfahren einzustellen: Im Fall der 20-Jährigen Neuriederin ohne Auflagen, bei der älteren Reiterin aus Geretsried gegen Zahlung einer Geldauflage. Damit wären alle Beteiligten einverstanden gewesen. Weil die Vorstellungen über die Höhe der Geldstrafe bei Staatsanwaltschaft (600 Euro) und Gericht (100 Euro) zu weit auseinander lagen, wird das Verfahren fortgeführt und der nicht erschienene Zeuge noch einmal vorgeladen.

Von Rudi Stallein

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