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Bräunlich verfärbt sind die Kastanien entlang der Allee in Holzen. Schuld ist die Miniermotte, ein äußerst gefräßiger kleiner Schmetterling. 

Larvenfraß verursacht welke und braune Blätter

Gefräßiger Schmetterling macht Kastanien zu schaffen

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Ist der Herbst denn schon so weit? Nein, hinter den welken und braunen Blättern an Ickinger Kastanien steckt ein Schädlingsbefall.

Icking Fährt man von Ebenhausen die B 11 in Richtung Wolfratshausen ist es unschwer zu erkennen: Die Miniermotte („Cameraria ohridella“) hat sich an der Kastanienallee bei Icking mächtig zu schaffen gemacht. Obwohl der Herbst offiziell noch gar nicht begonnen hat, ist das Laub der Kastanien welk und braun. Ein trostloser Anblick.

Alles unter Kontrolle

Ist der Befall schlimmer als sonst? „Nein“, beruhigt Forstbetriebsleiter Raphael Kern. Er betreut das Gebiet zwischen Ebenhausen und Icking seit vier Jahren und erklärt im Gespräch mit unserer Zeitung: „Meiner Meinung nach haben wir ein eher durchschnittliches Jahr mit den Miniermotten, die je nach Witterung mal früher oder später ihre Eier auf den Kastanienblättern ablegen und damit das frühe durch den Larvenfraß verursachte Braun- und Trockenwerden der Blätter auslösen.“

Kein Todesurteil

Betroffen von dem kleinen Schädling seien nur die weißblühenden Rosskastanien. Obwohl der Blattfraß die Bäume schwäche, sei die Miniermotte nicht gleich das Todesurteil der an sich prächtigen Laubbäume. Welche Behandlungsmethoden gibt es? „Bei vereinzelten Kastanien, beispielsweise in einem Biergarten, macht es Sinn das herab fallende Laub komplett zu entsorgen,“ rät der Fachmann. Das sei aber bei großen Flächen wie bei der Allee in Holzen nicht durchführbar. „Hier setzen wir darauf, die Vitalität der Bäume zu stärken, etwa durch gezielten Rückschnitt der Bäume, damit sie nicht zu viel Laub oder Früchte tragen und Totholz rechtzeitig entfernt wird“, erklärt Kern. Dazu habe bereits sein Vorgänger die Bäume durchnummeriert, damit man genau nachverfolgen könne, wann welcher Baum wie behandelt wurde. Bei Neupflanzungen ersetze man darüber hinaus die weiße durch die rosarot blühende Rosskastanie, die von den verfressenen Mini-Schmetterlingen nicht angeknabbert werde.

Die Frage, ob die Motten speziell auf dem Speiseplan heimischer Singvögel stehen und mit deren Hilfe ebenfalls bekämpft werden könnten, verneint der Fachmann: „Die an den Kastanien angebrachten und ebenfalls durchnummerierten Vogelkästen gab es ebenfalls vor meiner Zeit. Es gibt aber keinen Zusammenhang mit den Motten. Die Kästen dienen lediglich zum Schutz der Singvögel.“

Stichwort: Miniermotte

Das Landesamt für Wald- und Forstwirtschaft informiert über die Hintergründe und Bekämpfungsmöglichkeiten der lästigen Schädlinge. Die Miniermotte, ein nur etwa fünf Millimeter kleiner Schmetterling mit braun-weiß-schwarzgetreiften Flügeln, wurde erstmals 1984 in Mazedonien entdeckt und kam über Österreich (ab 1989) im Jahr 2002 in Deutschland an. Befallen sind bundesweit etwa zwei Millionen Bäume. Die Blätter der betroffenen Bäume werden braun und bei starkem Befall vorzeitig abgeworfen. Kahle Bäume ab August sind keine Seltenheit. Auch wenn es zwei wirksame chemische Präparate (Dimilin und Confodor) gäbe, ist es aus Sicht der Experten ökologisch kaum zu vertreten, alle ein bis zwei Jahre Millionen von Bäumen in Europa chemisch zu behandeln. Da die Larven im Laub quasi überwintern und die Falter teils erst im folgenden Jahr schlüpfen, erklärt sich, warum die Population in all den Jahren noch nie zusammengebrochen ist. Zum Schutz der Kastanien in privaten Gärten sollte das Laub über den Restmüll entsorgt werden. Das sorge immerhin für eine Senkung des Blattschadens, so das Landesamt. Bisher wurde noch kein biologisches Wundermittel zur Bekämpfung gefunden. Die Fachleute suchen weiter nach Parasitoiden als natürliche Gegenspieler der gefräßigen Schädlinge.

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