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Auf dem Podium standen Rede und Antwort (v.li.) Uwe Feickert (Büro U-Plan), Bürgermeisterin Margit Menrad, Dr. Inga Moeck vom Leibniz-Institut, Moderator Stefan Drexlmeier von der Energiewende Oberland sowie Dr. Markus Wiendieck von der Erdwärme Bayern.

Umstrittenes Geothermie-Projekt in Attenhausen 

Heißes Wasser, heißes Thema

Icking - Um das umstrittene Geothermie-Projekt in Attenhausen ging es bei einem Info-Abend am Donnerstag. Rund 100 Bürger nahmen daran teil

Das Projekt erregt die Gemüter der Ickinger und insbesondere der Attenhausener. In ihrem Ortsteil will das Unternehmen Erdwärme Bayern ein Geothermiekraftwerk errichten. Der Gemeinderat hat zugestimmt und lässt vom Büro U-Plan einen Bebauungsplan erarbeiten. Obwohl die Bürger schriftlich im Vorfeld und während der Versammlung große Bedenken gegen das Vorhaben äußerten, verlief der von Stefan Drexlmeier von der Energiewende Oberland moderierte Info-Abend im Rathaus sehr sachlich.

- Nutzen für Icking

Was der Vorteil der Anlage für die Gemeinde wäre, wollten mehrere Bürger wissen. Bürgermeisterin Margit Menrad antwortete: „Einen konkreten Vorteil für Icking kann ich im Moment nicht erkennen.“ Die Erdwärme Bayern plant, mit dem Werk hauptsächlich Strom zu erzeugen. Er soll unterirdisch transportiert werden. Für die Nutzung der zusätzlich entstehenden Wärme gibt es noch keine Pläne. Für Icking mit seinen vielen Einfamilienhäusern würde sich der Bau eines Fernwärmenetzes nicht rentieren, entgegnete Menrad auf diesen Vorschlag aus dem Publikum. Ausschließen wolle sie eine künftige Wärmenutzung aber nicht. Kosten beim Bau und Betrieb des Werks würden der Gemeinde keine entstehen. Das werde in einem städtebaulichen Vertrag mit dem Investor festgelegt. Dr. Markus Wiendieck, Geschäftsführer von Erdwärme Bayern, sagte: „Wir erwarten Gewinne schon im ersten Jahr und werden vor Ort Gewerbesteuer zahlen.“ Ob auch die Anwohner den Strom nutzen könnten, werde geprüft.

- Verkehrsbelastung

Wiendieck sprach von einem „sicher deutlich höheren Verkehrsaufkommen“ während der Bauzeit. Die Lastwagen sollen nach Absprache mit der Autobahndirektion von der Raststätte Höhenrain unter der Autobahn hindurch zur Baustelle gelangen. „Wenn aber ein Fahrer eine andere Route wählt, können wir das nicht verbieten“, so Menrad. Während des Betriebs würde sehr wenig Verkehr wegen Wartungen und Reparaturen anfallen, sagte Wiendieck.

- Standort

 „Es fehlen Alternativstandorte“, beklagten einige Zuhörer. Einer würde die Geothermiezentrale gerne mehr in den Wald, näher Richtung Autobahn, rücken. Wiendieck erklärte, man sei mit der Anlage ein Stück westlich an den Wald gerutscht. Zwei bis drei Hektar Bäume müssten dafür gerodet werden. Viel mehr sei nicht möglich. Der Wald genieße einen höheren Schutzstatus als das Feld, auf dem der Großteil des Werks errichtet werden soll. Laut Uwe Feickert vom Büro U-Plan ist ein begrünter Wall rund um die Anlage als Lärm- und Sichtschutz für Anwohner und Erholungssuchende vorgesehen.

- Grundwasser

Ein Bürger behauptete, das Grundwasser erwärme sich seinen Recherchen zufolge im Bereich von Geothermiewerken von sieben auf bis zu zwölf Grad Celsius. Geothermie-Expertin Dr. Inga Moeck vom Leibniz-Institut Hannover erklärte, dies sei eher bei oberflächennahen Bohrungen der Fall. In Icking werde rund 4000 Meter in die Tiefe gebohrt, die Rohre seien bestens isoliert. Moeck räumte aber ein, dass es noch keine Langzeiterfahrungen zu dem Thema gebe.

- Erdbebengefahr

In Unterhaching habe es ein leichtes Beben gegeben, an 20 weiteren Geothermie-Standorten bisher nicht, sagte Dr. Inga Moeck. Die Auflagen bei Tiefenbohrungen seien sehr streng. Dass sich der Boden 2014 in Landau gehoben habe, sei auf Fehler nach einem Betreiberwechsel zurückzuführen gewesen.

- Lärmschutz

Durch das Aufstellen eines Bebauungsplans soll „der bestmögliche Immissionsschutz für die Bevölkerung erreicht werden“, versprach Margit Menrad. Die Gemeinde hat ein unabhängiges Ingenieurbüro mit dem Thema Lärmschutz beauftragt. Dessen Mitarbeiter Christian Eulitz konnte jedoch noch keine konkreten Dezibelwerte nennen.

- Gewerbegebiet

Die von mehreren Zuhörern vorgetragene Sorge wegen der Ansiedlung eines Gewerbegebiets rund um das Erdwärmewerk will die Bürgermeisterin per Bebauungsplan ausschließen.

von Tanja Lühr

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