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Ein großer Unternehmer: Dr. Hans-Wolfgang Tyczka wird am heutigen Freitag 90 Jahre alt.

Eine große Unternehmer-Persönlichkeit

Dr. Hans-Wolfgang Tyczka feiert 90. Geburtstag

Geretsried/Icking - Eine große Unternehmer-Persönlichkeit feiert am heutigen Freitag Geburtstag: Dr. Hans-Wolfgang Tyczka wird 90 Jahre alt.

Dr. Hans-Wolfgang Tyczka ist Inhaber der Tyczka-Unternehmensgruppe mit mehr als 500 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von über 200 Millionen Euro. Was ihn auszeichnet, sind Zielstrebigkeit, Mut, Beharrlichkeit und Ideenreichtum. Das zeigt auch seine Lebensgeschichte.

Die Stadt München hat den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 1972 bekommen. Dr. Hans-Wolfgang Tyczka hört die Nachricht im Radio, greift zum Telefon und ruft seinen Geschäftsführer an: „Ich habe einen Auftrag für Sie: Wir werden die olympischen Feuer machen.“ In monatelanger Arbeit entwickeln die Mitarbeiter der Firma Tyczka die drei Stadienfackeln und die Handfackeln für den Staffellauf. Zur Eröffnung der Olympischen Spiele führt ein Fackellauf durch Geretsried und legt vor der Firma Tyczka einen Ehrenhalt ein. „Eine tolle Sache“, sagt der Seniorchef rückblickend.

1905 gründet der Großvater in Tarnowitz ein Ziegelwerk. Als dieser Teil Schlesiens 1921 an Polen abgetreten werden muss, wird es für die deutsche Familie schwierig. Vater Georg verlässt seine Heimatstadt und wagt im 350 Kilometer entfernten Görlitz einen Neuanfang. Dort gründet er 1924 das Georg Tyczka Sauerstoffwerk – die Geburtsstunde der heutigen Firma Tyczka. Zwei Jahre später wird Sohn Hans-Wolfgang geboren. Ein Jahr vor dem Abitur muss er in den Krieg. Der 17-Jährige wird als Flakhelfer nach Berlin-Falkenrehde kommandiert – neben dem Schulunterricht steht jetzt Feindbeobachtung auf dem Stundenplan. „Für uns Jungs war das damals eine ziemlich normale Sache“, sagt Tyczka und erinnert sich an die wenigen schönen Momente. „Ab und an durften wir ins bereits zerbombte Berlin fahren. Zwei Mal hab’ ich Johannes Heesters im Metropol gesehen. Der hat eine große Show abgezogen, mit seinem weißen Schal, das war schon ein Erlebnis.“

Aus "reinem Kalkül" zur Kriegsmarine 

1972 entzündet Günter Zahn das Olympische Feuer in München – die Stadionfackel hat die Firma Tyczka entwickelt und gesponsert.

Nach der Zeit als Flakhelfer muss Tyczka für ein Vierteljahr zum Reichsarbeitsdienst. Weil er gut kochen kann, würde man ihn dort gerne behalten. Doch der zielstrebige junge Mann hat andere Pläne: Aus „reinem Kalkül“ bewirbt er sich freiwillig bei der Kriegsmarine. Er will die Ingenieur-Laufbahn einschlagen, und da bietet ihm die Marine die besten Ausbildungsschancen. Nach Theorie und Praxis in Heiligenhafen geht es 1944 auf dem Schweren Kreuzer „Admiral Scheer“ auf See. „Wir haben von der Ostseeküste aus in die Frontkämpfe an Land eingreifen müssen. Ständig gab es Fliegerangriffe der Engländer und Russen.“ Der Krieg ist längst verloren. In Flensburg geben die Marinesoldaten schließlich ihre Waffen ab. Tyczka kommt ins englische Gefangenenlager nach St. Peter-Ording.

Während viele seiner Landsleute in russische Lager verbracht werden, findet der junge Görlitzer einen Ausweg: Er hat einen Bauern kennen gelernt und meldet sich im Sommer 1945 zum Ernteeinsatz in der Nähe von Husum. Der Kontakt zur Familie ist zu dieser Zeit abgebrochen. Tyczka beginnt sie zu suchen, schreibt Briefe nach Görlitz. Was er nicht weiß: Seine ganze Familie ist inzwischen mit vielen Betriebsangehörigen nach Schwarzenfeld in der Oberpfalz geflüchtet. Als Georg Tyczka einen Brief seines Sohnes erhält, fährt er in einem alten Mercedes hoch in den Norden. „Eines Tages stand er auf dem Bauernhof und sagte: Ich bin da, komm’ mit. Ein schöner Augenblick.“

Jüngster promovierter Akademiker seiner Zeit

Der Neuanfang in Schwarzenfeld ist schwierig: Der Vater errichtet ein Barackenlager für die Mitarbeiter. Er lässt aus Wrackteilen neue Lastwagen zusammenbauen. 1947 gründet er die Industriegas GmbH Georg Tyczka Schwarzenfeld. Zu dieser Zeit ist der Sohn bereits in München. Er will endlich die Ingenieur-Laufbahn einschlagen. Er spürt seinen früheren Lehrer auf, um sich ein Notabitur bestätigen zu lassen. 1946 wird er an der Technischen Hochschule zugelassen. Er entscheidet sich für Betriebswirtschaft und zieht sein Studium im Eiltempo durch. 1950 – er ist gerade 24 Jahre alt – verlässt er als jüngster promovierter Akademiker seiner Zeit die Universität.

Amerika ist sein nächstes Ziel, doch er kommt nur bis Franken. Auf Wunsch seines Vaters soll er sich um eine Tyczka-Zweigstelle in Würzburg kümmern. Als es in dem Betrieb zu einer Unterschlagung kommt, ist es mit dem Traum von Amerika vorbei. Hans-Wolfgang Tyczka steigt endgültig in den Familienbetrieb ein. 1951 heiratet er und bekommt eine Tochter. 1958 übernimmt er die alleinige Geschäftsführung. Vier Jahre später stirbt sein Vater.

Zu dieser Zeit beschäftigt das Unternehmen bereits 100 Mitarbeiter. Problematisch ist der Standort in Schwarzenfeld: Notstandsgebiet, keine Industrie. Auf der Suche nach eigenem Grund und Boden wird Tyczka in Geretsried fündig. In den Jahren 1962/63 baut er an der Blumenstraße ein neues Werk mit Verwaltungsgebäude – bis heute Hauptsitz der Unternehmensgruppe. Die Firma expandiert und erschließt sich neue Geschäftsfelder. Heute versorgt die Gruppe in den Geschäftsbereichen Energieversorgung, Industriegase und Services mehr als 200 000 Kunden in Deutschland und im angrenzenden Ausland. 1997 zieht sich Hans-Wolfgang Tyczka nach 39 Jahren aus der Geschäftsführung zurück und übernimmt bis Ende 2001 den Vorsitz im Beirat. Auch danach bleibt er im Unternehmen präsent. „Der Laden gehört mir ja“, sagt er. Privat lebt der sportbegeisterte Unternehmer mit seiner zweiten Frau Sigi in Icking. Sie haben vor 35 Jahren geheiratet und sind inzwischen mehrfache Großeltern.

„Stillstand ist Rückschritt“, sagt Dr. Hans-Wolfgang Tyczka gerne. Er hat Zeit seines Lebens eine „Vorwärtsstrategie“ verfolgt: „Man muss jeden Tag einen Schritt nach vorne machen. Manchmal sind es kleine, manchmal auch große Schritte.“

Zahlreiche Ehrenämter und Auszeichnungen

Zahlreiche Ehrenämter und Auszeichnungen unterstreichen das Engagement und die Kompetenz von Dr. Hans-Wolfgang Tyczka. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. In Würdigung seines Lebenswerkes wurde ihm 1999 der Bayerische Verdienstorden verliehen. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit hatte Tyczka auch stets das Gespür für soziale Belange. Als Unternehmer spendet er seit 50 Jahren gemeinsam mit den Angestellten im Rahmen der Aktion „Die gute Tat“ für gemeinnützige Zwecke. In Anerkennung dieses Engagements erhielt Tyczka 1989 die Ehrenplakette in Gold des Bayerischen Kreuzes und 2005 die Henry-Dunant-Ehrenmedaille in Silber. Vergangenes Jahr wurde ihm die Henry-Dunant-Ehrenmedaille in Gold verliehen – die höchste Auszeichnung, die das Deutsche Rote Kreuz zu vergeben hat. In der Flüssiggasbranche besetzte Tyczka zahlreiche wichtige Ämter. Von 1976 bis 1982 war er Vorstandsmitglied des Deutschen Verbandes Flüssiggas und vier Jahre dessen Vorsitzender. 1993 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft angetragen. 14 Jahre war der Unternehmer auch im Österreichischen Verband für Flüssiggas tätig – von 1989 bis 1991 als Präsident und von 1997 bis 1999 als Vize-Präsident. Länderübergreifend engagierte sich Tyczka im Vorstand des Europäischen Flüssiggasverbands „Association Européenne des Gaz de Pétrole Liquéfies“ mit Sitz in Paris. Von 1982 bis 1989 war er Präsident der Economic Commission des Verbands. Schließlich hatte Tyczka auch in der World LP Gast Association (WLPG) von 1996 bis 1998 eine Führungsfunktion im Board of Directors inne. In Würdigung seiner Verdienste erhielt er anlässlich des WLPG-Forums in Shanghai 2005 die Ehrenmitgliedschaft in diesem bedeutenden Weltverband.

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