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In unserer Serie „Gott und die Welt“ macht sich diesmal Sabine Sommer, evangelische Pfarrerin in Geretsried, Gedanken zum Thema Frieden.

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Gott und die Welt: Im Frieden leben

In unserer Serie „Gott und die Welt“ macht sich diesmal Sabine Sommer, evangelische Pfarrerin in Geretsried, Gedanken zum Thema Frieden.

Sabine Sommer Evangelische Pfarrerin in Ickin g

Icking - Im Frieden leben – das wünscht sich jeder von uns, für sich selbst, für seine Familie und Freunde. Frieden, das bedeutet dabei mehr als nur die Abwesenheit von Streit und Krieg. Frieden, das meint auch für uns ein umfassendes Wohlergehen an Leib und Seele, ein Leben in Zu-FRIEDEN-heit. So wie es das Alte Testament mit dem hebräischen Wort „Schalom“ beschreibt.

Wir sind – glücklicherweise – im Frieden aufgewachsen. Seit 73 Jahren herrscht Frieden in unserem Land, einen anderen Zustand können wir uns gar nicht mehr vorstellen. Und so halten wir den Frieden für selbstverständlich.

Seit einiger Zeit erleben wir aber in unserem Land, dass sich Unzufriedenheit breittmacht und der soziale Frieden zu zerbrechen droht. Viele Menschen haben Angst um ihren bescheidenen Wohlstand und wollen die Menschen ausgrenzen, die ihn zu bedrohen scheinen. Unser Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit erzeugt ein neues Feindbild: Da gibt es Menschen, die all dies bedrohen, so denken wir, und schon sind wir mittendrin in einer neuen Logik der Abwehr und Verteidigung und damit in einer Logik des Kampfes und des Krieges, obwohl wir uns ja eigentlich den Frieden wünschen.

„Frieden kommt nicht von allein“, das wusste schon die Kinderbuchautorin Gudrun Pausewang. Den Frieden müssen wir immer (und immer wieder) aktiv gestalten. Da sind nicht nur die Politiker gefordert, sondern wir alle, ganz besonders wir Christen. Denn der Friede beginnt mit unserem Blick auf die Welt und auf unsere Mitmenschen.

Ein besonderes Vorbild ist mir dabei Sophie Scholl, deren Todestag sich am 22. Februar zum 75. Mal jährt. Hat sie sich anfangs von den Ideen des Nationalsozialismus und von der Aufbruchsstimmung begeistern lassen, so hat sie sich im Laufe der Zeit mit mutigem Herzen und klarem Verstand immer mehr distanziert. Ihre christliche Grundhaltung hat mit dazu beigetragen, dass sie sich im Widerstand engagiert hat. Besonders wichtig war ihr dabei die Stelle aus dem Jakobus-Brief: „Seid Täter des Wortes – nicht Hörer allein!“ Gerne möchte ich – wie Sophie Scholl – genau beobachten, was in unserer Gesellschaft passiert, und Missstände mutig benennen, auch wenn ich mich damit gegen die vorherrschende Meinung stellen muss. Auf die Frage, was Jugendliche lernen können, die sich heute mit der Weißen Rose und den Geschwistern Scholl beschäftigen, antwortete die Autorin Ilse Aichinger in einem Interview: „Sich nicht anpassen lassen. Die kleinen Träume vergessen, damit die großen nicht vergessen werden. Sich noch weniger denn je anpassen lassen an diese Welt, die sie immer deutlicher zur Verzweiflung treibt, gerade die Jugend.“

In unserer Kirchengemeinde haben wir uns als Leitbild vorgenommen: „Auf Jesus Christus sehen und durch ihn die Welt sehen.“ Wagen wir doch ganz bewusst einen Wechsel unseres Blickwinkels! Dann werden wir in unserer Umwelt Gottes gute Schöpfung erkennen und in unseren Mitmenschen Gottes Kinder, unsere Schwestern und Brüder. Wenn uns dieser Blick auf die Welt zur Gewohnheit wird, werden wir unser Leben entsprechend gestalten – und damit zum Frieden beitragen, zur Zu-FRIEDEN-heit, nicht nur für uns und unser persönliches Umfeld, sondern auch für unsere Gesellschaft.

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