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Land unter herrscht in der Nachbarschaft von Familie Linsenmaier. Sohn Dennis tauscht sich mit einem ebenfalls Betroffenen aus.

Hält der Damm ?

Hurrikan Harvey: Wie eine Ickinger Familie die Naturkatastrophe erlebt

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Hurrikan Harvey hält Texas in Atem. Familie Linsenmaier ist ebenfalls betroffen: Die Ickinger leben derzeit in Houston. Im Interview erzählt Katja Linsenmaier, wie sie die Naturkatastrophe erleben.

Icking – Hurrikan Harvey hält Texas seit Tagen in Atem. Der Regen hat zwar aufgehört und die Pegelstände sinken, aber noch ist keine Entwarnung in Sicht. Experten schätzen, dass die Nachwirkungen der vermutlich größten Überschwemmung seit 40 Jahren noch sehr lange dauern und extrem teuer werden. Außerdem sind neue Regenfälle angekündigt. Kaum Zeit zum Durchatmen für viele Rettungskräfte und Bürger.

Betroffen ist auch Familie Linsenmaier aus Icking, die seit April 2017 in einem Vorort von Houston lebt. Jörg Linsenmaier (55) arbeitet dort zur Zeit für die Linde AG. Wir sprachen mit Ehefrau Katja Linsenmaier (49) über den aktuellen Zustand vor Ort. Sie bangen stündlich um den Wasserpegel.

Frau Linsenmaier, wie ist Ihre Lage im Moment?

Wir haben wenig geschlafen, messen regelmäßig den Wasserstand. Seit drei Tagen haben wir keinen Strom. Aber das Haus ist noch trocken, wir wissen nur nicht, ob es so bleibt. Unsere Nachbarhäuser stehen voll im Wasser. Es ist wirklich schlimm. Wir haben – was wir konnten – in den ersten Stock getragen und schafften es zum Glück, die Autos rechtzeitig rauszufahren, bevor die Straße geflutet war. Jetzt kommt man nicht mehr durch.

Wo schlafen Sie jetzt?

Wir konnten Mittwochabend noch hinten aus dem Haus laufen und hatten schon Kleidung, Proviant und andere Sachen ins Auto geladen. Seitdem wohnen wir im Hotel. Das ist ganz nah bei uns, liegt aber etwas höher. Das ganze Hotel ist voll mit gestrandeten Menschen und zig Hunden. Mehrere hundert Betten. Fast alle, glaube ich, sind Männer und Frauen, die aus ihren Häusern mussten. Es ist verrückt...

Fernsehinterview: (v. li.) Jörg (55), Katja (49) und Dennis (20) Linsenmaier.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir wissen nicht, wann wir wieder Strom bekommen. So viele Straße sind geflutet. Es wird lange dauern, bis es hier wieder normal wird. Bis vor Kurzem konnte man in manchen Läden noch einkaufen. Die meisten sind jetzt aber geschlossen. Die Restaurants sind auch fast alle zu. Aber wir wurden vorher gewarnt und ich war rechtzeitig im Laden. Da wurde schon wie verrückt eingekauft. Vor allem die Regale mit Mineralwasser waren schnell leer. Jetzt werden die Vorräte knapp, weil keine Lieferungen durchkommen.

Sie sind zur Zeit zu dritt im Hotel untergebracht, zusammen mit Hund Henry und zwei Findelkätzchen. Wie schaffen Sie die Situation als Familie?

Henry ist unruhig. Die zwei kleinen Kätzchen habe ich noch vor dem Sturm angenommen. Sie wurden neben der Straße gefunden. Das ist alles okay. Unser jüngerer Sohn Dennis studiert zur Zeit in den USA. Er war die vergangenen Tage hier in Houston unter anderem mit einem Kamerateam von RTL im Boot unterwegs und hat Wohnhäuser evakuiert. Nicolas studiert in Spanien und sollte eigentlich am Dienstag ankommen. Wir hatten einen gemeinsamen Urlaub geplant. Bisher sind aber alle Flughäfen zu. Wir hoffen, dass er am Samstag herfliegen kann und überlegen, was wir dann machen. Vielleicht unternehmen wir unseren geplanten Trip durch Texas trotzdem. Hier kann man zur Zeit nicht wohnen.

Hinter dem Haus von Familie Linsenmaier ist kaum noch Platz für Henrys (4) Gassi-Runde.

Wie halten Sie Kontakt zur restlichen Familie und Freunden?

Kontakt halten wir über WhatsApp und Internet-Telefon. Das klappt alles gut. Wir haben irre viele Anfragen von Freunden bekommen, die wissen wollen, wie es uns geht. Ich komme gar nicht nach, alle zu beantworten.

Gibt es einen Hoffnungsschimmer?

Mut macht uns, dass wir noch ein trockenes Haus haben. Das ist ja schrecklich, wenn dein Haus voll Wasser läuft. Insofern geht es uns richtig gut. Wir haben alles und sind sicher. Wir hoffen, dass der Damm vom Reservoir nicht bricht. Dann ist alles gut.

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