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Sturer Esel: Unerwarteten Straßenhindernissen traten Antonia und Christian Rehbein gelassen entgegen.

Von München nach Saint-Tropez

1500 Kilometer quer durch die Alpen: Zwei Ickinger erleben hochalpines Abenteuer

Ohne GPS und Navi nahmen Antonia und Christian Rehbein aus Icking an einer Rallye von München nach Saint-Tropez teil. Dabei erlebten sie einige Abenteuer. 

Icking – Eine zerfledderte Karte und ein Kompass waren für Antonia und Christian Rehbein die einzige Orientierung auf einer 1500 Kilometer langen Rallye quer durch die Alpen. In vier Tagen bewältigten sie mit ihrem Starter-Team verschneite Bergpässe, rasante Talfahrten und anspruchsvolle Haarnadelkurven.

Ickinger auf Abenteuertour: Idee entstand beim Junggesellenabschied

„Die Idee ist bei einem Junggesellenabschied entstanden“, erklärt Christian Rehbein. Von seinen Freunden, die allesamt die Leidenschaft für Autos teilen, haben sich schließlich sechs Personen angemeldet. Geplant und vorbereitet hat der Ickinger die „European Mountain Summit“-Rallye ursprünglich mit seinem Bekannten Harald Frings. Der ist allerdings kurzfristig ausgefallen. „Im Geiste ist er mitgefahren“, ist sich Rehbein sicher. Eingesprungen ist seine 19-jährige Tochter Antonia. „Da war ich froh drum, denn alleine ist so etwas gar nicht möglich“, sagt er. Eine Rallye, die ohne GPS und Navigationssysteme gefahren wird, sei ohne Mitfahrer schlicht und einfach nicht machbar.

Rallye ohne GPS und Navigationssystem

Ausgeschrieben hat den Roadtrip der „Superlative Adventure Club“ (S.A.C.). Für die angebotenen Abenteuer-Rallyes gibt es feste Regeln: Das Fahrzeug muss 20 Jahre alt oder älter sein, Autobahnen werden auf der Strecke gemieden und die Insassen sollen so viele Aufgaben wie möglich erfüllen, die sie dem „Roadbook“ entnehmen können. Die bewältigten „Challenges“ zählen für die Wertung mehr, als die Geschwindigkeit, in der die Strecke absolviert wird.

Team muss vor Start 500 Euro Spendengelder sammeln

„Besonders wichtig war uns der karitative Zweck, den die Veranstalter verfolgen“, erläutert Christian Rehbein. Jedes Team ist verpflichtet, vor dem Start 500 Euro Spendengelder zu sammeln, die zu 100 Prozent an Charity-Partner des S.A.C.s oder an Organisationen aus dem Umfeld der Teilnehmer gehen. „Wir haben uns für die Stiftung Startchance entschieden, bei der meine Frau Koordinatorin der pädagogischen Arbeit in Starnberg ist.“ Ziel der Stiftung ist es, Kindern aus benachteiligten Verhältnissen Zukunftsperspektiven zu geben. „Unsere Startberechtigung haben wir Ulrike und Harald Frings zu verdanken, die großzügig gespendet haben“, so der 55-Jährige.

Ickinger Rallye-Team startet bei Bad Aibling

Gestartet ist das Rallye-Team „Isarhelden“ in Maxlrain bei Bad Aibling. Jedes der 300 Teams wurde gebührend verabschiedet. Die Rehbeins haben sich mit einem Jeep Cherokee Baujahr 1999 auf den Weg gemacht, eine weise Wahl, wie sich noch herausstellen sollte. „Am ersten Abend wurden wir auf 2860 Meter von Schnee überrascht“, erzählt der Ickinger. Morgens verzögerte sich dadurch die Abfahrt erheblich. Die Teilnehmer mussten sich gegenseitig aus den Schneemassen ziehen. „Da hatten wir mit unserem Geländewagen noch Glück.“

Auch auf den steilen Pisten und Militärstraßen machte das leistungsstarke Fahrzeug eine gute Figur. Die Strecke nach Saint-Tropez war frei wählbar, lediglich Etappenvorschläge hatten die Veranstalter im Roadbook angegeben. Tagsüber seien die Teilnehmer nicht immer im Konvoi gefahren, abends trafen sich die „Isarhelden“ aber stets wieder, um gemeinsam einzukehren.

Spektakuläre Aussicht: Die Colle dell’Assietta in Italien war im wahrsten Sinne des Wortes ein Höhepunkt der 1500 Kilometer langen Strecke.

Die Aufgaben, die Antonia und Christian Rehbein erfüllen mussten, waren nur mit Kreativität und Improvisationstalent zu bewältigen. „Zum Beispiel sollten wir ein Foto mit einem Huhn machen. Wir hatten aber keine Zeit, erst eins zu suchen“, erinnert sich der 55-Jährige und zeigt ein Bild, auf dem er und seine Tochter zu sehen sind – zwischen ihnen ein Suppenhuhn aus der Tiefkühlabteilung. Einige der Herausforderungen konnten sie nur mithilfe der Einheimischen lösen. „Wir mussten es schaffen, auf eine Jacht eingeladen zu werden und ein Foto mit einem Geiger zu machen.“ Dafür haben sie kurzfristig an einer Musikschule gehalten. Die Leute seien alle sehr freundlich und hilfsbereit gewesen, viele hätten nach den vielen Aufklebern auf dem Rallye-Fahrzeug gefragt, so Christian Rehbein.

Rasante Fahrt der Ickinger endet an der Cote d‘Azur

Die rasante Fahrt durch Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien, Frankreich und Monaco endete an der Cote d’Azur. „Wir haben in diesen vier Tagen wirklich alle Jahreszeiten erlebt, vom Schneechaos zum Badewetter“, beschreibt der Ickinger. Im Ziel erwartete die Teams eine große Abschlussparty mit Siegerehrung. Für die „Isarhelden“ stand fest: Sie werden bald wieder eine Rallye mit Charity-Hintergrund fahren, und wenn möglich, auch selbst eine veranstalten. „Vielleicht mit den Kindern aus der Stiftung Startchance, dann sieht der Spender sofort, wo sein Geld ankommt.“

Icking: Abenteurer wollen bald wieder Rallye fahren

Von seinem Jeep möchte sich der Autoliebhaber nun eigentlich gar nicht mehr trennen. „Wir haben ihn mit viel Mühe aufbereitet, am Anfang regnete es noch zum Dach rein.“ Und so bleibt das Fahrzeug vorerst in der Garage der Rehbeins stehen. Wer weiß, ob es nicht bald wieder benötigt wird.

Helmut Muche aus Weilheim und Franz Erhard aus Wessobrunn starteten kürzlich ebenfalls zu einer Rallye. Innerhalb von drei Wochen fahren sie nach Gambia (Westafrika). Ganz ungefährlich ist die Reise der beiden nicht. Beate Schwarz-Lang und Andreas Lang starten in der Klasse „Retro“ erstmals bei der Rallye Oberland - als verheiratetes Team.
lm

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