Ein Schild Abitur bitte Ruhe hängt an einer Tür.
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Wie heuer das Abitur abläuft, ist völlig unklar. Vielen Schülern macht das Sorge. Vitus Neumaier hat sich direkt an Ministerpräsident Markus Söder gewandt.

Brief an Ministerpräsident Markus Söder

Ickinger Gymnasiast fordert Planungssicherheit

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Viele Gymnasiasten sind verunsichert, weil sie nicht wissen, wie es weiter geht. Deshalb hat der Ickinger Viuts Neumaier einen Brandbrief verfasst.

Icking – „Wir brauchen eine Entscheidung“: Dieser Satz bringt auf den Punkt, was derzeit Tausenden von Abiturienten in Bayern durch den Kopf geht. Finden überhaupt Prüfungen statt? Und wie? In der Schule oder zuhause vor dem Laptop? Vitus Neumaier, 17-jähriger Gymnasiast aus Icking, hat sich jetzt in einem offenen Brief an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Kultusminister Michael Piazolo gewandt, um belastbare Antworten zu bekommen.

„Für uns ist die Lage mehr als undurchsichtig“, begründet Neumaier, der im Ickinger Rainer-Maria-Rike Gymnasium die Q12 besucht, seinen Entschluss. „Viele Schüler sind mittlerweile völlig verunsichert, wie es weiter gehen soll.“ Nicht nur, dass wegen der aktuellen Infektionszahlen die zeitnahe Wiederaufnahme eines normalen Schulbetriebes unwahrscheinlich ist – es gehe auch „um die Zukunft an sich“, stellt der junge Mann im Gespräch mit unserer Zeitung fest.

Wie soll man sich um einen Studien- beziehungsweise Ausbildungsplatz bewerben, wenn man nicht weiß, ob und wann man in diesem Jahr das Abiturzeugnis in der Tasche hat? Ein anderes Problem sind die Bewerbungsfristen: „Werden die Prüfungen zu weit ins Jahr hinausgeschoben, können Fristen, gerade international, nicht eingehalten werden.“ Und sollte eine Bewerbung heuer nicht möglich sein, wäre der Konkurrenzkampf um Angebote, die nicht mehr werden, im Jahr 2022 umso größer. „Da kommen dann ja noch die jetzigen Elftklässler hinzu“, erklärt Neumaier.

Der 17-jährige Ickinger Vitus Neumaier, Schüler des Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums, hat einen offenen Brief an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und den bayerischen Kultusminister Michael Piazolo geschrieben.

In seinem Brief an Söder und Minister Piazolo hat der Gymnasiast versucht, die fragile Situation seines Abi-Jahrgangs nachvollziehbar darzustellen. Von drei Halbjahren war die Oberstufe zwei Halbjahre von der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen betroffen. Das heißt: Schul- oder Schulteilschließungen sowie immer wieder Schwierigkeiten mit der IT. „Mangelnde Tonqualität und Probleme beim Hochladen von Unterlagen waren besonders am Anfang an der Tagesordnung“, beschreibt der 17-Jährige den täglichen Kampf mit dem Online-Unterricht. Das habe die Vermittlung des Unterrichtsstoffs für beide Seiten – Schüler und Lehrer – alles andere als leicht gemacht. „Natürlich ist auch für die Lehrkräfte die Situation des digitalen Unterrichts ungewohnt und belastend. Wie hätten sie sich darauf vorbereiten sollen?“, bricht der Ickinger eine Lanze für die Pädagogen. Neumaier würde sich hier Abhilfe durch konsequente Weiterbildung der Lehrer auf dem digitalem Gebiet wünschen.

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Nicht zu vergessen: Angesetzte Prüfungen mussten laut Neumaier immer wieder verschoben werden. Zum Beispiel die Mathe-Klausur, die ursprünglich bereits Ende 2020 hätte geschrieben werden sollen. Hinzu kam, dass die komplette Q12 des Rilke-Gymnasiums im Dezember nach einem Corona-Fall in Quarantäne musste. „Die Mathe-Klausur fehlt uns einfach. Und wird sie heuer noch nachgeholt, wird dann der Stoff geprüft, den wir vor Monaten durchgenommen haben.“

Neumaier beruft sich in seinem offenen Brief auf die Aussage der Staatskanzlei im April 2020, dass den Abschlussklassen durch die Corona-Pandemie keine Nachteile entstehen dürfen. „Aber außer einer geringen Reduzierung der Lerninhalte wird bis heute an einer regulären Durchführung der Abiturprüfungen scheinbar um jeden Preis festgehalten.“ Der 17-Jährige ist anderer Meinung: „Wir sind kein normaler Abi-Jahrgang. Daher sollten die Regeln auch von der Normalität abweichen.“

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Jetzt hofft der Gymnasiast aus Icking, der den Brief an Ministerpräsident und Staatsminister alleine verfasst hat, auf Antworten. „Mein größter Wunsch ist einfach, dass wir Abiturienten etwas Planungssicherheit für die kommenden Monate bekommen.“

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