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Eine starke Bühnenpräsenz zeigten die Schülerinnen und Schüler bei der Premiere der „Dreigroschenoper“. 

Bettler, Broker, Huren

Ausverkaufte Premiere der „Dreigroschenoper“

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Die Turnhalle des Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums ist noch bis zum Ende der Woche für den Unterricht gesperrt. Der Grund: Wo sonst Sport getrieben wird, stehen derzeit drei gigantische Bühnen, davor Dutzende Stuhlreihen für hunderte von Besuchern. Am Dienstagabend war Premiere der „Dreigroschenoper“. Und alles ausverkauft.

Icking – Fieberhaft hatten rund 70 Schülerinnen und Schüler aus allen Jahrgangsstufen mit ihren Lehrern ein Jahr lang auf diese Premiere hingearbeitet. Sie haben wieder und wieder geprobt, die Requisiten selbst entworfen und die Bühne selbst gebaut. Die berühmte „Dreigroschenoper“ mit Livemusik ist ein bisher einzigartiges Showprojekt an der Schule geworden, was Dimension und Aufwand angeht.

„Und der Haifisch, der hat Zähne und die trägt er im Gesicht“: Mit der berühmten Moritat von Mackie Messer beginnt die Dreigroschenoper. Zu dem Gangster-Swing versammelten sich Huren, Bettler und dubiose Geschäftsleute auf der Bühne. Aufreizend gestylt waren die Prostituierten, schmutzig und zerlumpt die Bettler – und mittendrin stand der selbstverliebte Broker Macheath mit Stetson und Stock. Das Zeitgeschehen und der Ort sind gegenüber dem Original verändert, die Ickinger haben die Handlung modernisiert. Sie spielt nicht, wie von Bertolt Brecht vorgegeben, im Londoner Stadtteil Soho des 18. Jahrhunderts, sondern in der postkapitalistischen Leistungsgesellschaft der Börsenstadt Frankfurt. Mackie Messer ist der Spitzname von Macheath (Matej Kelava), einem skrupellosen Börsenmakler, vergleichbar mit der Filmfigur Jordan Belfort aus dem Film „Wolf of Wallstreet“. Er schreckt vor keinem dubiosen Deal zurück, um seine Gewinne zu maximieren, und seine Gang besteht aus dunklen Gestalten der organisierten Kriminalität.

Die Handlung kommt in Gang, als Macheath und Geschäftsmann Peachum (Tamino Rötzer) aneinander geratem. Peachum und seine Frau Celia (Marie Hell) regieren die osteuropäischen Bettlerbanden Frankfurts. Als Macheath deren Tochter Polly (Susanna Schmid) heiratet, beginnen Machtkampf, Intrigen und Eitelkeiten.

Brechts Anliegen war es, in seiner „Dreigroschenoper“ die ausgeprägte Klassengesellschaft und die rücksichtslose Doppelmoral der Menschen anzuprangern, wenn es um Geld und Macht geht. Die Ickinger Schüler haben dieses Anliegen Brechts gekonnt in die moderne Zeit übertragen. Die Aufführungen an diesem Donnerstag, 8. Februar, und am Freitag, 9. Februar, beginnen um 19 Uhr.

In weiteren Rollen

In weiteren Hauptrollen spielten und sangen Lena Dobuschinsky (Spelunken-Jenny), Silvana Paxmann (Luey Brown), Meggie Hamam (Polizeichefin Brown), Katja Wietschorke (Filch), Anton v. d. Brulle (Smith), Niko Walter (Polizist), Kristian Konrad (Hochwürden Kimball), Hans Härtl (Mr. Trump). Die Gangster spielten Lucia Deangeli, Katharina d’Hue, Kevin Paulat, Benedikt Fruhmann, Daniel Tonnar-Leyva und Merlene Geigl. Musik: David Kronawitter (Schlagzeug), Lilith Reithmann (Posaune), Andi Neft (Klavier), Daniel Grieve (Banjo) Katja Cwojdzinski (Alt-Saxofon), Magdalena Rührgartner (Tenor-Saxofon), Jasper Ukert (Trompete), Justus Blum und Julius Günther (Cello).

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