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Ein Mann vom Fach: Dr. Peter Schweiger hat die 26 Hügelgräber dokumentiert. 

Haschpartys in Bauwagen

Feiern Jugendliche im Wald auf Hügelgräbern aus der Bronzezeit?

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Jugendliche haben in einem Bauwagen im Ickinger Schulwald womöglich Haschpartys gefeiert. Und das an einem geschichtsträchtigen Ort: 26 Grabstätten aus der mittleren Bronzezeit sollen sich hier befinden.

Icking Der von Jugendlichen abgestellte Bauwagen im Ickinger Schulwald ist nach Auskunft des Bauamts nicht zulässig und muss deshalb zeitnah wieder abtransportiert werden. Immerhin sorgte das Wirr-Warr um den privaten Jugendtreff, an dem angeblich Joints geraucht wurden, dafür, dass die Anwohner den Blick auf die geschichtsträchtigen Hügelgräber richteten.

„Ob sich die Toten, die hier vor etwa 4000 Jahren beigesetzt worden sind, tatsächlich durch die Jugendlichen in ihrer Ruhe gestört fühlen, sei mal dahin gestellt“, sagt Dr. Peter Schweiger bei einem Ortstermin mit unserer Zeitung. Dass der Standort für den Bauwagen hier trotz Einverständnisses des Waldbesitzers unpassend sei, habe sicher andere Gründe. Immerhin steht der bunte Wagen inmitten von 26 Grabstätten aus der mittleren Bronzezeit. „Man kann das hier noch sehr gut erkennen“, sagt Schweiger und deutet auf das dicht bewachsene hügelige Gelände. Durch die Bewaldung seien die Grabstellen in Icking gut erhalten und nicht, wie in der näheren Umgebung, durch die Traktoren beim Ackerbau weiter verflacht und eingeebnet worden.

In der Neuzeit erstmals aufgefallen seien die Hügelgräber bei Kiesarbeiten im Auftrag des Waldbesitzers im Jahr 1937. Schweiger erzählt: „Unmittelbar westlich des heutigen Gymnasiums wurde ein Grabhügel freigesetzt.“ Es seien eine Steinsetzung und verschiedene Bronzeteile ans Licht gekommen, die von einem Arbeiter ohne Wissen des Grundstückeigentümers jedoch beiseite geschafft wurden. Im Jahr 1939 wurde der Vorgang vom Bund Naturschutz an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege gemeldet. „Leider konnte nur noch die Gürtelschnalle sichergestellt werden“, bedauert der frühere Zahnarzt und ergänzt: „Eine zweite, fast identische Schnalle, hat man übrigens in Südfrankreich gefunden.“

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Zwei dicke Ordner mit Unterlagen habe er zu diesem Teil der Historie bei sich zuhause, berichtet Schweiger. „Viel haben wir dem früheren Lehrer Ulrich Faust zu verdanken, der alles sehr akribisch zusammengetragen und aufgezeichnet hat“, freut sich der Zweite Bürgermeister über den wertvollen Beitrag zum Gemeindearchiv.

Vielen Ickingern seien die Hügelgräber gar nicht bewusst. Einige würden sich, wie es bei dem ein oder anderen Spaziergang im Wald zu erfahren war, eine Kennzeichnung der Grabstätten wünschen. Doch davon hält der Ortsarchivar und Hobby-Archäologe nicht viel: „Das Risiko, dass hier dann Grabräuber mit Metalldetektoren anfangen würde, die ganze Erde abzusuchen und gegebenenfalls umzugraben, wäre viel zu groß.“ Dann wäre es mit der Ruhe um die letzten Ruhestätten wohl wirklich vorbei.

Zur Person

Dr. Peter Schweiger, Zweiter Bürgermeister und Gemeindearchivar, beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der frühen Ortsgeschichte. Er hat selbst einige der historischen Fundstücke zusammengetragen und darüber hinaus zur 1200-Jahr-Feier zusammen mit Stefan Mayer-Voigt ein Buch zur Ortsgeschichte veröffentlicht. In „Von Mönchen, Bauern und Kalkbrennern“ skizzieren die beiden Schlaglichter aus der Ickinger Vorgeschichte bis ins 19. Jahrhundert. In dem Buch werden auch die Hügelgräber aus der mittleren Bronzezeit (1550 bis 1250 vor Christus) beschrieben. Neben Abbildungen über die Fundstücke findet sich hier auch ein Übersichtsplan, auf dem die 26 Grabhügel eingezeichnet sind.

ina

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