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Sie hatten nichts Böses im Sinn: Sechs Gymnasiasten verbreiten rechtsradikale Bilder

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Von: Carl-Christian Eick

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WhatsApp-Gruppen sind in Schülerkreisen sehr beliebt. Doch nicht alles, was in diesem sozialen Netzwerk kursiert, ist erlaubt.
WhatsApp-Gruppen sind in Schülerkreisen sehr beliebt. Doch nicht alles, was in diesem sozialen Netzwerk kursiert, ist erlaubt. (symbolfoto) © dpa

Sechs Gymnasiasten haben in einer WhatsApp Gruppe Hitler-Bilder verbreitet. Die Polizei ermittelt, schließt einen rechtsradikaler Hintergrund aber „definitiv“ aus.

Icking – In einer sogenannten geschlossenen WhatsApp-Gruppe haben Schüler des Ickinger Gymnasiums Hitler-Bilder verbreitet. Das bestätigt Steffen Frühauf, Sprecher der Wolfratshauser Polizei, auf Nachfrage unserer Zeitung. Gegen sechs Gymnasiasten wurde ermittelt, über das weitere Vorgehen entscheidet die Staatsanwaltschaft München.

Am Ickinger Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium bestehen in Schülerkreisen diverse WhatsApp-Chats, die nur von den Gruppenmitgliedern eingesehen werden können. In einem dieser Chats, dem rund 90 Jugendliche angehören, verteilten die sechs Beschuldigten Hitler-Bilder sowie Fotomontagen, auf denen verbotene Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen prangten. Hauptkommissar Frühauf betont, dass ein rechtsradikaler Hintergrund „definitiv“ ausgeschlossen werden könne. Die Leiterin des Gymnasiums, Oberstudiendirektorin Astrid Barbeau, berichtet: „Es waren Schüler, die uns über die Verbreitung der Bilder in dem Chat informiert haben.“ Das spreche für die hohe Sensibilität in puncto rechtem Gedankengut. Frühauf bestätigt: „Viele Chat-Mitglieder haben sofort in die Gruppe geschrieben: ,Lasst den Scheiß‘.“

Nun kam heraus, dass Fremde manche WhatsApp-Nachrichten dank eines GIF mitlesen können.

Barbeau informierte umgehend „die Schulgemeinde“ per Rundschreiben über das Geschehene und schaltete die Polizei ein. „Jugendliche wollen Grenzen austesten“, weiß sie, im konkreten Fall sei eine rote Linie überschritten worden. Das unterstrich Frühauf bei einem persönlichen Besuch des Rilke-Gymnasiums. „Er hat die Schüler unter anderem darauf hingewiesen, wo der strafrechtliche relevante Bereich beginnt“ und welche Folgen das verbotene Tun haben kann, so die Schulleiterin.

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Die Vorwürfe gegen die sechs Gymnasiasten wiegen schwer: Volksverhetzung, Weitergabe von Kennzeichen verfassungswidriger Kennzeichen sowie Bedrohung, denn: „Eine Schülerin ist im Chat wegen ihrer offenbar missverständlichen Aussage zum Klimawandel übel beleidigt und bedroht worden“, berichtet Frühauf. Der Hauptkommissar stellt sich aber vor das Gymnasium: Die Schule habe nach Bekanntwerden der Taten „alles richtig gemacht“, darüber hinaus würden sich Barbeau, ihre Kollegen und die Schüler bereits seit geraumer Zeit intensiv mit dem Thema soziale Medien auseinandersetzen. „Das Engagement ist sehr beeindruckend“, lobt Frühauf.

Barbeau freut es „außerordentlich“, dass die Schülersprecher spontan auf den Fall reagiert haben. Sie seien – in Begleitung von Lehrern – von Klasse und Klasse gezogen und hätten mit ihren Mitschülern diskutiert und ins Gewissen geredet. „Uns ist die Vermittlung von Werten, das respektvolle Miteinander sehr wichtig“, so die Oberstudiendirektorin, Dazu gehöre: „Konflikte müssen in einem persönlichen Gespräch gelöst werden.“ Mit den Schülern, die im besagten Chat identifiziert werden konnten, sei „sofort“ ein Gespräch geführt worden. Auch mit deren Eltern werde „konstruktiv“ an der Aufarbeitung des Vorfalls gearbeitet.

„Wir setzen nicht auf Repression, sondern auf Reflektion“, erklärt Barbeau. Sie schließt „erzieherische Maßnahmen“ allerdings nicht aus, „der Entscheidungsprozess ist noch nicht abgeschlossen“. Wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen und die Staatsanwaltschaft sich erklärt habe, würden eventuell „individuelle Maßnahmen“ gegen die sechs Schüler ergriffen.

Hitlerfotos oder Pornobildchen, die auf dem Smartphone gelandet sind, einfach mal schnell an einen Spezl weiterleiten: „Das ist leider jugendtypisch, das ist ein Phänomen unserer Zeit“, bedauert Polizeisprecher Frühauf. Das geschehe hinsichtlich von verfassungswidrigen Symbolen wie einem Hakenkreuz selten aus fataler Verblendung, sondern aus purer Gedankenlosigkeit, relativiert der Beamte. Deswegen sei es wichtig und richtig, dass die die Aufklärung an Schulen großgeschrieben werde. Barbeau will die Vorkommnisse nicht verniedlichen, stellt aber fest, dass die Schüler „sofort einsichtig waren“. Das, so die Direktorin, „stimmt mich zuversichtlich“.  cce

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