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Aus Sicherheitsgründen hat die Deutsche Bahn die Blühstreifen entlang der S-Bahn-Strecke zurückgeschnitten.

ickinger Naturschützer empört sich

Darum schneidet die Bahn die Blühstreifen an der S7-Strecke ab

Alle reden vom Insektenstensterben, doch die Bahn schneidet rechts und links die Blühstreifen ab. Dafür hat sie einen guten Grund.  

Icking – Orchideen, Türkenbund, Flockenblume: Wildblumenwiesen sind ein wichtiger Lebensraum für viele Kleintiere und Insekten. Bei Schlederloh, einem Ortsteil der Gemeinde Icking, wachsen viele solcher Pflanzen. Für Naturschützer wie den Ickinger Konrad Selb sind sie ein natürliches Kleinod. Und wahrscheinlich dürften diese Blümchen auch weiter blühen und gedeihen – wäre da nicht eine S-Bahn-Strecke, die gepflegt werden muss.

Alljährlich beobachtet der Ickinger das gleiche Schauspiel: Entlang der Gleise entstehen große Blühflächen. Bis ungefähr Mitte Juli – „dann kommt die Bahn und schneidet alles nieder“. Auch Sträucher, Büsche und Bäume würden auf ein Mindestmaß gestutzt, „und zwar mitten im Brutschutz“. Laut dem Bundesnaturschutzgesetz dürfen in der Zeit von März bis September „Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze“ weder abgeschnitten, auf den Stock gesetzt oder gänzlich beseitigt werden.

Naturschützer erklärt das Vorgehen für „unsinnig“

Konrad Selb wollte dem Radikalschnitt heuer vorbeugen und kontaktierte nach eigener Aussage mehrfach die Naturschutzbehörde des Landratsamts. Ihm sei zwar zugesagt worden, dass sich der zuständige Beamte der Sache annehme, „aber das Ergebnis war dasselbe wie jedes Jahr“, sagt der Ickinger konsterniert. „Ich dachte nach den vielen Debatten zum Klimaschutz und dem Volksbegehren zur Rettung der Artenvielfalt wirklich, dass es ein Umdenken gibt. Und dann sieht man, dass sechs Meter neben dem Gleis alles auf Mindestmaß gestutzt wird.“

Blutzikaden, Krabbenspinnen, Glanzkäfer und andere seltene Insekten, für die die Naturwiese ein Lebensraum war, hat Selb seitdem auf dem Areal nicht mehr beobachtet. „Das Vorgehen ist absolut unsinnig und schadet der Natur“, moniert er. Denn: „Die Population an Pflanzen wird hier in Zukunft zurückgehen und den Kleintieren ein wichtiger Lebensraum geraubt. An der Isar patrouillieren Ranger, damit niemand ein Blümchen ausreißt und hier werden sie zu Hunderten niedergemäht.“ Der Ickinger ist „maßlos enttäuscht“ vom Vorgehen des Verkehrsunternehmens.

Die Mäharbeiten erledigen Spezialisten

Die Deutsche Bahn hat dazu eine dezidiert andere Meinung. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt eine Sprecherin des Unternehmens: „Der Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern an Bahngleisen dient der Sicherheit und Aufrechterhaltung des Zugverkehrs, insbesondere bei Stürmen und Unwettern.“ In ganz Deutschland sei dieser Rückschnitt einheitlich geregelt: „Sechs Meter Abstand aus Gleismitte“ müssten vegetationsfrei gehalten werden. Das Vorgehen, das betont die Sprecherin, „ist zeitlich nicht verschiebbar und gesetzeskonform“, und zwar selbst dann, wenn Maßnahmen während der Vegetationszeit nötig würden.

Lesen Sie auch: Naturschützer begrüßen S7-Verlängerung

Für die Arbeiten beschäftige die Bahn „speziell ausgebildete Forstwirte und Waldarbeiter“. Sie seien angewiesen, die Vorgaben zu Natur- und Artenschutz einzuhalten. Die Bahnsprecherin weist darauf hin, „dass sich in dem von uns bearbeiteten Bereich zwischen Icking und Wolfratshausen keine amtlich kartierten Biotope oder andere naturschutzrelevanten Flächen befinden“. Dominik Stallein 

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