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Auf Herbergssuche: Barbara und Milena Vorsteher suchen einen Gnadenhof für ihre Tiere. Wer helfen kann, möge sich melden. 

Trauer und Bestürzung bei vielen Kindern

Icking: „Dein Ponyhof“ muss aufgelöst werden

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Laufende Kosten, keine Einnahmen: Barbara und Milena Vorsteher mussten ihren Ponyhof schließen. Jetzt suchen sie einen Gnadenhof für ihre Tiere. 

Icking – „So haben wir uns das nicht vorgestellt.“ Barbara Vorsteher, Chefin von „Dein Ponyhof“ zwischen Dorfen und Icking, lässt ihren Blick über das Areal schweifen. Dort, wo normalerweise pro Woche an die 100 Kinder „ihre“ Ponys besuchen und Reitunterricht nehmen, herrscht Ruhe. Kein Kinderlachen, kein Trubel. Statt der früher 14 Pferde stehen nur noch neun auf dem Platz. „Fünf haben wir schon verkauft“, sagt Vorsteher. Man merkt, wie schwer ihr dieser Satz fällt. Auch die Meerschweinchen und Hasen haben neue Besitzer gefunden. „Zum Glück an Leute, die wir kennen. Da wissen wir, dass es den Tieren gut geht.“

Vor fünf Jahren zog „Dein Ponyhof“ von Gelting an die B11. Er bot unter anderem eine pferdegestützte Therapie an, spielerisch lernten Kinder im Umgang mit den Tieren soziale Kompetenz. „Dann wurde uns wegen Eigenbedarfs gekündigt.“ Barbara Vorsteher und Tochter Milena bemühten sich seitdem, ein neues Quartier zu finden. Bislang erfolglos. „Und dann kam Corona“, sagt Barbara Vorsteher. Dass hieß für den Reitstall: keine Einnahmen, aber 100 Prozent Kosten. „Tiere kann man nicht einfach wie einen PC abstellen“, sagt sie. „Sie müssen gefüttert werden und brauchen ihren Stall.“

Jetzt suchen die Vorstehers ein Pachtobjekt für eine Art Gnadenhof ohne Reitbetrieb. „Ein paar unserer Tiere sind schon richtige Methusalems. Aber sie gehören einfach zu uns“, begründen sie die erneute Suche. „Vor allem, weil sie auch nicht mehr ganz gesund sind.“ Einer der Isländer hat eine chronische Bronchitis, ein anderer keine Zähne mehr. „Das heißt, dreimal am Tag muss jemand kommen und ihm ein Müsli anrühren.“ Auch die Ponys wollen Vorstehers behalten. „Ponys sind klein und Kinder wachsen. Sie werden zu einer Art Wanderpokal, gehen von einem Besitzer zum nächsten.“

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Was den beiden Frauen auf der Seele liegt, ist, dass sich wegen Corona die Kinder nicht mehr von den Pferden verabschieden konnten. „Uns hat das Video eines Mädchens erreicht“, berichtet Barbara Vorsteher. „Sie sitzt weinend da und ruft: ,Pony, ich vermiss dich so‘.“ Das mache deutlich, dass zwischen Tier und Mensch eine enge Beziehung bestehe, und es keinesfalls als „Sportgerät“ betrachtet würde.

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Jetzt suchen die Vorstehers einen Offenstall mit Unterstand, Wasser, Elektrizität und Weide. „Auch ein befestigter Platz wäre schön“, sagt Milena. „Die Tiere sind ein Teil von uns. Und wir wollen sie nicht im Stich lassen.“ Wer einen Hof als Gnadenhof ohne Reitbetrieb anbieten kann oder einen Hinweis dazu hat, möge bitte an info@ deinponyhof.de mailen oder sich unter Ruf 0 81 71/ 9 11 31 91 melden.

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