Luftbild Icking
+
Blick auf Icking: Noch ist das Gemeindegebiet sehr locker bebaut. Es fehlen aber Wohnungen für die Generationen unter 30 und über 55 Jahre.

Stadtplaner skizziert Pläne im Gemeinderat

Mehr Wohnraum für U30 und Ü55

Icking braucht in Zukunft mehr kleinere Wohneinheiten. Warum - das erläuterte dem Gemeinderat der Experte Benedikt Sunder-Plassmann.

Icking – Die Isartalgemeinde ist bekannt für ihre großzügigen Villen und freistehenden Einfamilienhäuser. Doch ist das die Wohnform der Zukunft? Benedikt Sunder-Plassmann, Architekt aus Utting am Ammersee, gelernter Zimmermann und Vorsitzender des Architektenforums „Wessobrunner Kreis“, bezweifelt das. Zumindest sieht er Bedarf an zusätzlichen, kleineren Wohneinheiten für die Generationen unter 30 und über 55 Jahre, die noch keine Kinder haben beziehungsweise deren Kinder bereits aus dem Haus sind.

Experte: Bahn frei für Tiny Houses

Die Gemeinde hat sich den Stadtplaner und Spezialisten für Renovierungen (unter anderem Umbau des alten Feldafinger Bahnhofs zum Rathaus) als Moderator für einen geplanten Workshop zur Ortsentwicklung geholt. Benedikt Sunder-Plassmann stellte sich und seine Projekte am Montag vorab dem Gemeinderat vor. Seine Idee für die Ortsteile Ickings, wie etwa Irschenhausen, heißt: maßvoll nachverdichten. Indem man auf bestehenden Grundstücken dichter baue, müsse man kein neues Bauland im Grünen ausweisen, erklärte er. Die bestehende Infrastruktur könne genutzt werden. Früher seien die Eltern in Austragshäuser auf den Grundstücken gezogen, um in den Einfamilienhäusern Platz für ihre Kinder und Enkel zu machen. Solche Austragshäusl könnten zum Beispiel in Form sogenannter – Tiny Houses – Mini-Bungalows mit allem Notwendigen – errichtet werden. Die Gemeinde müsste dafür nur die rechtlichen Voraussetzungen für ihre Einheimischen schaffen. Auch könnte sie darüber nachdenken, „mal auf die Garage ein Stockwerk für Wohnen setzen zu lassen“, so der Experte.

Renovieren ist oft günstiger als Abreißen

Es gebe viele ästhetische Lösungen, sagte Sunder-Plassmann, der sich im Wessobrunner Kreis seit 20 Jahren um Baukultur bemüht. Der Stadtplaner zeigte Fotos von Neubauten, bei denen drei kleine Häuser auf 1000 Quadratmeter Grund nah beieinander stehen, mit einem kleinen Gemeinschaftshof dazwischen. Es gehe darum, „sinnvoll qualitätvoll Dichte zu erreichen“. Konkret könnte sich Sunder-Plassmann in dem alten, leerstehenden Dorfener Gasthof bezahlbare Wohnungen vorstellen – oder etwas anderes, was der Ort gerade brauche. Renovieren sei oft günstiger als abreißen, und vorbildhafte Projekte würden gefördert, sagte der Stadtplaner. Für Sozialwohnungen gebe es 30 Prozent an Zuschüssen von der Regierung von Oberbayern plus bis zu 60 Prozent zinsloser Kredite mit 25 Jahren Laufzeit.

Lesen Sie auch: Ickinger Paar schreibt basisch-vegetarisches Kochbuch

Die Themen bezahlbarer Wohnraum und Ortsentwicklung würden dem neuen Gemeinderat „unter den Nägeln brennen“, sagte Bürgermeisterin Verena Reithmann (Unabhängige Bürgerliste Icking, UBI). Wegen der erneut steigenden Corona-Infektionszahlen sei es momentan aber schwierig, den Workshop zu planen. Ziel sei, dass er noch heuer stattfinde. Tanja Lühr

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare