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Bilder aus der Heimat: Flüchtling Hamed Tasal mit den Asylhelferinnen Anne Szynka und Claudia Roederstein.

Im Ickinger Rathaus 

Ein Blick in eine andere Welt

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Fotos, Geschichten und landestypische Spezialitäten von und mit Ickinger Flüchtlingen: Dazu sind alle Interessierten für Donnerstag, 6. Juli, ab 18.30 Uhr ins Ickinger Rathaus eingeladen. Der Gesprächsabend rundet eine Fotoausstellung ab, die seit Längerem im Rathaus läuft und die zeigt: Hinter jedem einzelnen Flüchtling steckt ein Schicksal – das man sich hierzulande kaum vorstellen kann.

Icking – Rückblende: Von Oktober 2015 bis Mai 2016 war die Turnhalle des Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums in Icking Unterbringungsort für bis zu 80 Asylsuchende. „Danach wurden viele von ihnen nach Geretsried verlegt, zu denen noch einige aus dem Ickinger Helferkreis Kontakt halten“, berichtet Ickings Bürgermeisterin Margit Menrad. Die Isarteilgemeinde ist derweil für eine Gruppe von 40 bis 50 Flüchtlingen zu einer zweiten Heimat geworden. Sie leben in fünf vom Landratsamt angemieteten Häusern, verteilt über ganz Icking. Das Gros der Asylbewerber stammt laut Menrad aus Afghanistan, gefolgt von Syrien und Nigeria. Aus den Ländern Eritrea, Senegal, Pakistan und Tschetschenien kommt jeweils ein Flüchtling.

„Viele von ihnen haben eine Arbeit gefunden oder stehen in einer Berufsausbildung, gehen in Sprach- und Integrationskurse, besuchen in Icking Kindergarten und Grundschule oder sind in Schulen im Umfeld untergebracht“, sagt die Bürgermeisterin. Einige nehmen regelmäßig Deutschunterricht, fast alle haben einen oder mehrere Paten, die sich für sie einsetzen und sie unterstützen. Sei es beim Besuch von Ärzten oder Ämtern beziehungsweise bei der Suche nach einem Job oder einer Wohnung. Menrad: „Unsere Flüchtlinge verhalten sich im Alltag still und zurückhaltend. Deswegen werden sie viele Ickinger im Gemeindeleben kaum wahrnehmen. Aber hinter jedem Einzelnen steckt ein Schicksal, das wir uns, die wir in Frieden, Freiheit und Demokratie leben dürfen, häufig gar nicht vorstellen können.“ Die Rathauschefin erinnert daran, dass jeder Flüchtlinge seine Heimat, sein altes Leben und zum Teil seine Familie hinter sich lassen musste.

Davon zeugt die Ausstellung „Fotos und Geschichten mit unseren Flüchtlingen“. Initiiert hat diese die Ickingerin Anne Szynka. „Ich habe häufig mit einer Gruppe junger Afghanen zu tun – im Deutschkurs und bei der Arbeitsvermittlung. Und oft bekomme ich Handy-Fotos aus ihrer Heimat gezeigt“, erzählt sie. Mitunter sind es sehr persönliche Motive: „Wenn der Vater gestorben ist und der Sohn nicht für die Beerdigung sorgen kann, wenn der Bruder heiratet, wenn die Tochter laufen lernt, die der Vater nicht mehr sehen konnte, weil er zwei Monate vor ihrer Geburt die Familie verlassen musste.“

Es sind anrührende Bilder – doch manche Fotos sind so grausam, dass sie in der Ausstellung nicht gezeigt werden. Die im Sitzungssaal des Rathauses ausgehängten Bilder – es handelt sich laut der Initiatorin um Farbkopien der Originale, „sollen uns einen Blick in eine andere Welt zeigen, mit der wir nun so unvorbereitet konfrontiert werden“. 

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