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Das Günter-Stöhr-Gymnasium: Anders, aber nicht elitär

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Von: Volker Ufertinger

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Die Villa Eggenberg ist ein herrschaftliches Anwesen mit bewegter Geschichte. Der streng symmetrisch angelegte Prachtbau wurde von dem Aachener Justizrat Max Rüttgers in den Jahren 1907 bis 1912 errichtet. © Foto: Hermsdorf-Hiss

Das Abitur: Vielen Eltern und Schülern gilt es als zentrales Fundament, auf dem sich das spätere (Berufs-) Leben aufbauen lässt. Wir stellen in loser Folge jene Schulen in unserem Verbreitungsgebiet vor, in denen man die allgemeine Hochschulreife erlangen kann. Heute: Das Günter-Stöhr-Gymnasium in Icking.

Icking – Unter all den schönen Villen, die Icking so besonders machen, ist die Villa Eggenberg vielleicht die schönste. Zwischen Irschenhausen und Ebenhausen gelegen, strahlt sie Souveränität und Gelassenheit aus – Werte, die zum pädagogischen Konzept des Günter-Stöhr-Gymnasiums ausgezeichnet passen. Seit mehr als 15 Jahren werden hier, am einzigen Privatgymnasium im Nordlandkreis, die Schüler mit ruhiger Hand auf das Leben vorbereitet.

Das Gymnasium, Teil des St. Anna Schulverbunds und seit 1977 zunächst im Münchner Stadtteil Solln ansässig, trat 2003 die Nachfolge der Stiftung „Politik und Wissenschaft an“. Die Stiftung hatte sich auf die Beratung hochrangiger Politiker spezialisiert, Diplomaten gingen ein und aus, speziell die Zeit der Wiedervereinigung war spannend. Noch heute hält manchmal ein berühmter Politiker einen Vortrag, demnächst etwa Dr. Edmund Stoiber.

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Schulleiter Dr. Michael P. Maier und seine Stellvertreterin Barbara von Stieglitz am Eingang des Günter-Stöhr-Gymnasium. © Foto: Hermsdorf-Hiss

Wer sich der Villa nähert, dem fallen ein paar nicht alltägliche Dinge auf. Da wäre zum einen die große Ruhe. Von Lärm oder Hektik, wie man sie von Schulhöfen kennt, keine Spur. Und: Die Schüler grüßen den Gast. Der respektvolle Umgang miteinander scheint einen hohen Stellenwert zu haben.

„Genauso ist es“, erklärt Dr. Michael P. Maier, seit vergangenem September Schulleiter. „Unser Fundament ist das jüdisch-christliche Weltbild. Wir leben ein Miteinander, das dem Einzelnen Raum lässt und ihm etwas zutraut.“ Lernen ist wichtig, gewiss. Aber: „Das Alltägliche ist genauso wichtig wie das Lernkonzept.“ Hier wird wirklich für das Leben gelernt, nicht für die Schule. Wie es das lateinische Sprichwort fordert.

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Um den Schützlingen die bestmögliche Betreuung zu bieten, ist die Klassenstärke am Günter-Stöhr-Gymnasium auf 24 Schüler begrenzt. Statt eines Klassenlehrers gibt es in der Villa Eggenberg zwei – einen Fachlehrer und einen Pädagogen. Sie treffen sich regelmäßig und halten einmal pro Woche eine gemeinsame Stunde ab. „Viele Schulen sind so groß, dass der Einzelne nicht mehr wahrgenommen wird“, erklärt Maier. „Das ist bei uns anders.“

Auch zum Thema Lernen hat man am Günter-Stöhr-Gymnasium eine eigene Haltung. „Wir glauben nicht an den Stress, den Hausaufgaben und Extemporalien mit sich bringen“, erklärt die stellvertretende Schulleiterin Barbara von Stieglitz. „Wir setzen auf das kontinuierliche Üben.“ Jeder Schüler erledigt im Rahmen eines Wochentrainingsplans das für ihn passende Pensum. Der Leistung ist das nicht abträglich, im Gegenteil: Mit 1,9 hatte der letzte Abiturjahrgang des Günter-Stöhr-Gymnasiums den besten Schnitt im Landkreis.

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Eine weitere Besonderheit ist die Schulkleidungskollektion. „So wird signalisiert, dass Persönlichkeit nicht von Äußerlichkeiten abhängt“, erklärt der Schulleiter. Die Farben sind ruhig und klar: die Unterstufe rot oder grün, die Mittelstufe bordeauxrot, die Oberstufe anthrazit. Übrigens: Auch die Lehrer halten sich an einen Dresscode, in Jeans ist hier niemand anzutreffen.

Ein Privatgymnasium, eine Villa als Gebäude, einheitliche Kleidung: Ist die Schulfamilie am Günter-Stöhr-Gymnasium ein abgeschlossener, elitärer Zirkel? „Nein, und das wollen wir auch nicht sein“, erklärt Michael Maier. „Wir wollen die soziale Mischung.“ Aus diesem Grund werden möglichst viele Stipendien vergeben, bis zu 90 Prozent des Schulgelds können je nach Einkommenslage erlassen werden. Auch Quereinsteiger sind in der Villa Eggenberg jederzeit willkommen.

Das Günter-Stöhr-Gymnasium

Aktuelle Schülerzahl: etwa 250, Klassenstärke maximal 24 Schüler. Die Klassenleitung liegt bei zwei Lehrern;

Ausrichtung: Das Gymnasium gehört zusammen mit der Reinhard-Wallbrecher-Grundschule in München-Solln zum St. Anna Schulverbund. Das Gymnasium ist zweizügig, staatlich anerkannt und folgt dem Konzept einer flexiblen Ganztagsschule. Es bietet einen sprachlichen und einen naturwissenschaftlich-technologischen Zweig. Die Sprachenfolge ist Englisch (Klasse 5) und Latein (Klasse 6) sowie im sprachlichen Zweig Französisch oder Spanisch (Klasse 8); 

Besondere Angebote: Besonders stolz ist man in Icking auf das gemeinsame Essen von Lehrern und Schülern, das täglich frisch gekocht wird und von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ausgezeichnet wurde. An den Nachmittagen gibt es ein vielfältiges Wahlkursangebot im künstlerischen, musikalischen, technischen und sportlichen Bereich wie Theater, Tanz, Robotik, Schulgarten, eine Bigband und Fußball. Festliche Höhepunkte gehören zu jedem Schuljahr.

Einschreibefristen: Einschreibefristen in landläufigen Sinne gibt es keine, solange genügend Plätze zur Verfügung stehen. Es wird empfohlen, zu einer Schulführung zu kommen oder sich frühzeitig vormerken zu lassen. Für Quereinsteiger sind jederzeit Besuchstage möglich.

Schulgeld: ab 1302 Euro inklusive Mittagessen im Monat. Die Vergabe von Stipendien, auch für Quereinsteiger, ist jederzeit möglich. Es können bis zu 90 Prozent des Schulgelds erlassen werden.

Kontaktdaten: Für die Schüleraufnahme am Günter-Stöhr-Gymmasium, meldet man sich unter der Telefonnummer 089/ 2 32 32 64 23 oder schreibt eine E-Mail an die Adresse aufnahme@st-anna.eu.

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