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Rund 80 Bürger informierten sich am Montagabend im Rathaus über das Geothermie-Projekt.

Ab Juni soll gebohrt werden

In Icking soll die größte Geothermie-Anlage Bayern entstehen

Es geht voran mit der bayernweit größten Geothermie-Anlage, die in Icking entstehen soll. Die Bauherrin des geplanten Kraftwerks, die Erdwärme Isar, informierte am Montagabend die Bürger über die nächsten Schritte.

Icking – Die Vorbereitungen für die Geothermieanlage laufen. Der Bau der zwei Bohrplätze in Attenhausen und Walchstadt hat begonnen. Im Juni möchte die Erdwärme Isar, Tochter der Erdwärme Bayern, die erste Probebohrung in Attenhausen durchführen. Das berichtete Geschäftsführer Dr. Markus Wiendieck beim Infoabend am Montag im Rathaussaal vor rund 80 Zuhörern.

Die sogenannte Produktionsbohrung wird zeigen, ob sich in 4000 Metern Tiefe wie erhofft rund 150 Grad heißes Wasser befindet, das an die Oberfläche befördert und in einem Kraftwerk in Strom umgewandelt werden soll. Ist das Ergebnis positiv und liegt die Schüttung bei 130 bis 170 Litern pro Sekunde, könnte Ende 2018/Anfang 2019 mit dem Bau der bayernweit größten Geothermieanlage begonnen werden, so Wiendieck. Im etwa zwei Kilometer nördlicher gelegenen Walchstadt soll das abgekühlte Wasser wieder zurück in die Erde injiziert werden, wofür eine weitere Bohrung notwendig ist. Noch nicht gefunden ist eine geeignete Trasse, in der das Thermalwasser unterirdisch zur Injektionsstelle fließt.

Dr. Markus Wiendieck: Geschäftsführer der Erdwärme Isar

Läuft alles nach Plan, könnte die etwa drei Fußballplätze große Anlage ab Mitte 2020 bis zu 30 Megawatt Strom erzeugen und damit etwa 48.000 Haushalte versorgen. Dass die Anlage später auch Wärme liefert, will Wiendieck nicht ausschließen. Interessierte Abnehmer – eventuell Wolfratshausen und Geretsried – müssten jedoch ein Leitungsnetz bauen.

„Ein super Beitrag zur Energiewende“

„Das ist ein super Beitrag zur Energiewende“, sagte Stefan Drexlmeier von der Energiewende Oberland, der die Veranstaltung moderierte. Ihm sei bewusst, dass Bau und Betrieb der Geothermieanlage für die Nachbarn mit Einschränkungen einhergingen. Die Gemeinde Icking ist deshalb dabei, für den rund zwei Hektar großen „Claim Höhenrain“, wie das Gebiet offiziell heißt, einen Bebauungsplan aufzustellen. Bürgermeisterin Margit Menrad erklärte, damit könnten Dinge geregelt werden wie Sicht- und Lärmschutz, die Einrichtung eines seismischen Messnetzwerks, die Schaffung von Ausgleichsflächen sowie die Verpflichtung des Investors zum Rückbau im Fall eines Scheiterns des Projekts.

Die von den Besuchern geäußerten Sorgen betrafen vor allem den Baustellenverkehr, Lärm und mögliche Erschütterungen. Laut Bau- und Verkehrsministerin Ilse Aigner dürfen wie berichtet alle Lastwagen über elf Tonnen die Ausfahrt an der Raststätte Höhenrain zur Baustelle nehmen. Bergs Bürgermeister Rupert Monn bezweifelte allerdings, dass die Lkw tatsächlich durch die Tankanlage fahren dürfen, um zur Baustelle und wieder zurück auf die A95 in beide Richtungen zu gelangen.

Winfried Büchl: Geologe der Erdwärme Bayern

Attenhausener Bürger wollten wissen, wie viel Lärm die fünf Monate dauernden Produktionsbohrungen verursachen würden. Man werde weder Lärm noch Vibrationen wahrnehmen, versicherte Winfried Büchl, Geologe der Erdwärme Bayern. Auch die Geräusche der Kühlanlage auf dem fertigen Kraftwerk würden kaum bis zu den Häusern dringen. Büchl: „Stellen Sie sich versuchshalber einmal 400 Meter von der Geothermieanlage in Sauerlach entfernt auf. Sie werden so gut wie nichts hören.“ Ein Lärm- und Sichtschutzwall werde die Anlage zudem abschirmen. Der Gefahr von Erderschütterungen will die Erdwärme Isar durch ständige seismische Messungen vorbeugen. Sollte es dennoch zu Beben kommen, haftet die Eigentümerin der Geothermieanlage.

Ob es nicht wahrscheinlich sei, dass das Projekt Icking genauso scheitern werde wie das nahe gelegene Projekt Gelting, wollte ein Besucher wissen. „Wir haben uns alle Daten aus Gelting besorgt. Es scheint dort ein lokales Problem gewesen zu sein“, antwortete Büchl. Gewissheit werde man freilich erst nach der Bohrung ab Juni haben.

Tanja Lühr

Lesen Sie auch: Geothermieprojekt in Geretsried zum zweiten Mal gescheitert

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