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Stein des Anstoßes: Der als Jugendtreff genutzte Bauwagen im Wald hinter dem Gymnasium. foto. ina

Nun diskutiert auch Politik

Jugendtreff im Wald: Nachbarn stören sich an Lärm und verdächtigem Geruch

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Partys auf keltischen Hügelgräbern? Oder doch viel Rauch um nichts? Ein bunt besprühter Bauwagen im Wald, von dem Lärm und Gerüche kommen sollen, sorgt für Ärger.

Icking – Bereits vergangenes Jahr stand der Bauwagen am Waldrand hinter dem Gymnasium unterhalb einer Ackerfläche Richtung Irschenhausen. Einer der zuständigen Jagdpächter berichtet im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er an dem Ort nicht nur zerbrochene Flaschen gefunden, sondern auch deutlich den Geruch von THC (Cannabis/Hasch) bemerkt habe. 

Der Besitzer des Waldgebiets entzog daraufhin die kurzfristig erteilte Erlaubnis. Seit etwa einem halben Jahr steht der Bauwagen ein Stück weiter oberhalb im Wald, direkt angrenzend an das Gelände des Gymnasiums.

Den Bauwagen hat Philipp Geiger für seinen Sohn Felix organisiert. Der 15-Jährige sieht sich vollkommen zu Unrecht in der Kritik: „Wir haben mit einer Gruppe von etwa zehn Leuten diesen Bauwagen hergerichtet. Weil es im Gemeindegebiet leider nichts gibt, wo sich Jugendliche treffen können.“ Es sei ein wahnsinnig cooles Projekt gewesen, sich in Eigenregie um Standort und Ausstattung des mobilen Jugendtreffs zu kümmern. Der aktuelle Standort gehört zum Wald eines anderen Ickinger Landwirts. Letzterer habe der Nutzung des Bauwagens als Jugendtreff zugestimmt. Er war für eine Stellungnahme leider nicht zu erreichen.

Scharfe Kritik aus der Nachbarschaft

In der Nachbarschaft wird der Bauwagen allerdings nicht gerne gesehen. Es gab scharfe Kritik, die Felix Geiger nur bedingt nachvollziehen kann. Er habe sich anfangs mit einigen Anwohnern in Verbindung gesetzt: „Da waren wir vielleicht mal etwas zu laut, aber eigentlich gab’s gar keine Probleme.“

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Am ersten Osterwochenende allerdings eskalierte die Situation. „Uns Unbekannte haben in der Nacht den Wagen demoliert und wild mit Farbe beschmiert“, berichtet Felix. Außerdem hätten zerbrochene Flaschen und Zigarettenkippen herumgelegen. Er selber sei verreist gewesen, aber mit Rücksicht auf die Nachbarn habe sich schnell ein Trupp auf den Weg gemacht, um das Chaos zu beseitigen. „Wir waren natürlich erstmal schockiert. Uns war klar, dass das, auch wenn wir es nicht verursacht haben, negativ auf uns zurückfällt.“ Seine Gruppe, alle zwischen 15 und 16 Jahre alt, bestehe überwiegend aus Nichtrauchern. „Klar, wir genießen unseren Freiraum, wo wir mal die Füße auf den Tisch legen können“, sagt Felix. „Aber wir randalieren nicht.“ Auch Alkohol spiele bei ihnen keine Rolle. Die Frage nach THC weist er entschieden zurück: „Dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Einen Joint hat bei uns noch nie einer geraucht. Ganz sicher nicht.“ Ob sie Anzeige wegen Sachbeschädigung erstatten werden, haben er und seine Freunde noch nicht endgültig entschieden.

Waldgebiet hat historische Bedeutung

Zwischenzeitlich werden die Beschwerden auch im Ickinger Rathaus behandelt. Ein Anwohner machte über die Lärmbelästigung hinaus auf die historische Bedeutung des Waldgebiets aufmerksam. 

Angeblich befinden sich dort keltische Hügelgräber. Diesbezüglich müsse man die Eintragungen bei den Bodendenkmälern im Gemeindegebiet hinterfragen. Bauamtsleiterin Cornelia Zechmeister sucht derweil im Gespräch mit den Beteiligten eine konstruktive Lösung: „Wir haben vorerst darum gebeten, dass dieser Standort von den Jugendlichen nicht weiter genutzt wird, und wir versuchen, in ihrem Interesse eine genehmigungsfähige Lösung zu finden.“ Es sei auch ein Gespräch mit dem Landratsamt geplant.

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Felix wünscht sich nur eins: „dass wir schnell einen geeigneten Platz finden“. Gerne auf einem privaten Gelände mit Zugang zu sanitären Anlagen. „Das wäre ein Traum.“

ina

Die aktuelle Kriminalstatistik offenbart: Zahl der Straftaten geht im Landkreis zurück.

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