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Da geht’s lang: Josef Brustmann fühlt sich gekränkt, wenn er bei Auftritten gefilmt oder fotografiert wird. Er weiß genau: dann hat er nicht mehr die volle Aufmerksamkeit des Gastes. 

Bühnenprogramme im Smartphone-Zeitalter

Kabarettist Josef Brustmann hat eine Botschaft an alle, die ständig am Handy hängen

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Der Ickinger Kabarettist und Musiker Josef Brustmann hat in 25 Jahren viel erreicht. Doch das Smartphone-Zeitalter stellt ihn vor eine neue Herausforderung. 

Icking – Mit seinen 63 Jahren fühlt er sich erst am Anfang. Sagt er. Und grinst. Dabei hat der Ickinger Kabarettist und Musiker Josef Brustmann in den vergangenen 25 Jahren schon so einiges erreicht, worauf er stolz sein dürfte: die „tz“-Rose für „Schöner Land in Sicht“, 2015 Deutscher Kabarettpreis, 2017 Gut-Edel-Preis im Breisgau und 2018 den Publikumspreis „Tuttlinger Krähe“. Inzwischen tourt er mit fünf Programmen gleichzeitig im gesamten deutschsprachigen Raum von Hamburg bis in die Schweiz und nach Österreich.

Wird er bei den Auftritten vom Veranstalter mit Hinweis auf den Deutschen Kabarettpreis vorgestellt, geht oft ein Raunen durchs Publikum. Vorschusslorbeeren, denen er aber gerecht werden muss. Brustmann: „Das erleichtert den Anfang schon etwas, weil man mit dieser Auszeichnung als ,gesetzt‘ gilt.“ Da komme einem das Publikum schon ein bisschen entgegen. „Aber du musst trotzdem gut sein, sonst ist der Bonus schnell verspielt“, erzählt der Musiker, Dichter und Kabarettist im Gespräch mit unserer Zeitung.

Als achtes von neun Kindern einer sehr musikalischen, mährischen Flüchtlingsfamilie in Waldram aufgewachsen, ist Brustmann erst einmal Lehrer geworden. Er lernte Zither, Tuba, Klavier, Kontrabass und Cello, studierte an der Münchner Musikhochschule und arbeitete zehn Jahre als Musiklehrer an einem privaten Münchner Gymnasium, dem Institut Derksen. An seinem ersten Arbeitstag als Referendar wurde Brustmann zum dritten Mal Vater. „Das imponierte meinem Schulleiter, selbst Vater von sechs Kindern. Vielleicht hatte er mich deshalb besonders im Auge,“ erinnert sich der Solo-Künstler. Damals habe er, quasi alleinerziehend, an den Wochenenden in seiner knappen Freizeit mit seinen Bands bei Auftritten etwas dazu verdient. An eine reine Künstler-Karriere habe er nie gedacht.

Der Schulleiter ermöglichte dem Musikpädagogen ein halbjähriges Sabbatical. „Dieser bezahlte Bildungsurlaub vor 25 Jahren war für mich als Künstler die wichtigste Weiche,“ erinnert sich der gebürtige Teisendorfer dankbar. Dadurch erhielt er die Möglichkeit, sich noch einmal komplett neu zu erfinden. Unterwegs mit dem Bayrisch Diatonischen Jodelwahnsinn und später auch mit der Monaco Bagage entwickelte er 2004 mit „Leben hinterm Mond“ sein erstes Solo-Programm, für das er 2005 den Paulaner Solo Kabarett-Preis erhielt. Seitdem wurde er immer selbstbewusster und besser.

Publikum mit Smartphone: „fast ein bisschen kränkend“

Im Wandel der Zeit bekümmert ihn allerdings bei Auftritten, wenn das Publikum mit dem Smartphone dauerhaft filmt oder fotografiert: „Das empfinde ich fast ein bisschen kränkend. Denn du weißt als Künstler ganz genau: In dem Augenblick wo der Zuschauer fotografiert, hört er nicht mehr richtig zu und ist eigentlich gar nicht mehr richtig da.“ Überhaupt mache das Internet Musik zu einer allzeit verfügbaren Ware, die kaum mehr etwas wert sei. „Allein, wie einem auf dem Flohmarkt CDs hinterher geworfen werden für fast kein Geld, das ist schon erschreckend,“ ereifert sich der Musiker. Doch er lenkt ein: „Der umgekehrte Effekt ist dann vielleicht, dass dieses Phänomen den Wert der Live-Musik steigert.“ Brustmann ist mal auf großen und mal auf kleineren Bühnen unterwegs. Mal alleine und mal gemeinsam mit anderen Künstlern wie Marianne Sägebrecht (Sterbelieder für’s Leben) und Ardhi Engl (Liebe, Leben, Tod und Teufel). Mal spielt er weit weg und mal ganz nah.

Stichwort „nah“: Am kommenden Sonntag, 24. Juni, spielt Brustmann ab 16 Uhr im Kloster Beuerberg gemeinsam mit Martin Regnat (Akkordeon) ein „Wandelkonzert“ zur Sommersonnenwende. Die beiden Künstler gestalten ein vielversprechendes „Gartenspiel mit Zungenschlag“, abgerundet mit kleinen Speisen aus der Klosterküche. Eine Anmeldung unter Ruf 0 81 79/ 9 26 50 wird empfohlen.

Im Herbst ist dann in der Sendereihe „Lebenslinien“ im Bayrischen Fernsehen ein großes Portrait über den Wahl-Ickinger Josef Brustmann zu sehen, der seit zehn Jahren mit seiner zweiten Frau und Künstler-Agentin Olivia Reinecke in der Isartal-Gemeinde lebt. Er ist damit ein „Wiederkehrer“. Denn auch mit seiner ersten Frau und den drei Kindern lebte er in den Jahren 1977 bis 1989 in Icking.

Aus dieser Zeit erinnert er sich noch lebhaft an Ickinger Persönlichkeiten wie Gerd Fröbe und Golo Mann, die er damals persönlich erlebt hat. „Golo Mann ging beispielsweise immer unten an der Skisprungschanze spazieren – oft in Begleitung sehr schöner Sekretäre,“ sagt er und schmunzelt. Nein, nichts Menschliches ist Josef Brustmann fremd. Das ein oder andere wird er sich dazu schon noch einfallen lassen. ina

Lesen Sie auch: Aus Maibaum wird Gitarre – und Josef Brustmann spielt darauf

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