Spektakulärer Ausblick: (v. li.) Der Architekt Wieland Schorer sowie die Künstler Lilian Robl, Jakob Gilg und Johannes Thum im Wohnraum der Litzinger Villa in Dorfen.
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Spektakulärer Ausblick: (v. li.) Der Architekt Wieland Schorer sowie die Künstler Lilian Robl, Jakob Gilg und Johannes Thum im Wohnraum der Litzinger Villa in Dorfen.

Absolventen der Akademie der Bildenden Künste in München haben Ausstellung konzeptioniert

Kunst im Geisterhaus

  • Andrea Weber
    vonAndrea Weber
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Die leer stehende Litzinger Villa in Dorfen erwacht zum Leben, bevor sie renoviert wird.

Icking – Die Litzinger Villa, benannt nach ihrem ehemaligen Besitzer, steht in exponierter Hanglage und mit unverbaubarem Blick ins Oberland im Ickinger Ortsteil Dorfen. Sie wurde in den 1960er- Jahren erbaut und galt damals in einschlägigen Medien als Beispiel moderner Architektur. Inzwischen ist die Bauhaus-Villa morbide geworden. Muffige Teppiche, blumige Tapeten, die fünktionstüchtige Einbauküche in Babyrosa, Gaggerlgelb und Himmelblau steht da, als hätte die Hausfrau von einst gerade erst aufgeräumt.

Klassisches Beispiel moderner Architektur: Im Bauhaus-Stil wurde die Villa in den 1960er-Jahren erbaut.

Nun hat der Ickinger Architekt Wieland Schorer sich einen Traum erfüllt und will das Anwesen renovieren. Doch bevor der große Hammer kommt, kam ihm mit seinem Schulfreund Michael Wendt die Idee, das Haus Künstlern zu überlassen. Neun Absolventen der Akademie der Bildenden Künste in München haben eine Ausstellung konzeptioniert. Unter dem Titel „The Hammer and The Dance“ ist ein Gesamtkunstwerk entstanden, das zum Teil invasiv in die Bausubstanz eingegriffen hat.

Installation mit Plastik und Malerei: (v. li.) Johannes Thum, Jakob Gilg und Lilian Robl.

„Jedes Haus hat etwas Geisterhaftes und Dämonisches“, sagen die Künstler. Der Architekt spricht von einem Experiment. „Was entstehen für Gefühle in einem Haus, dessen Geschichte keiner so genau kennt.“ Der 58-Jährige staunt, was dabei entstanden ist. Bildhauer Johannes Thum (31) wuchs in Münsing auf und lebt in München. Er war der Initiator, der die Gruppe von neun Künstlern aus München und Umgebung zusammenholte. „Jeder von uns arbeitete individuell“, sagt er.

Jeder ließ dabei die spektakulären Räume mit den großen Glasfronten, dem sensationellen Weitblick und seiner kühlen Architektur auf sich wirken. So wurden teils Böden herausgeschlagen, Kacheln in einen neuen Kontext gestellt, alte Tapeten abgerissen oder bewusst in die Kunstinstallation integriert. Es wurden Durchbrüche geschlagen oder Öffnungen geschlossen. Jeder Raum ist von einem Künstler gestaltet, mit eigenem Ansatz und Ausdruck. Und doch hat sich wie von selbst ein Gesamtkunstwerk ergeben, das ein Stück weit den alten Mythos wahr werden lässt, wonach in alten Häusern Geister wohnen.

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