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Icking: Manfred Braune engagiert sich für ein Kinderdorf in Marokko

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Von: Bettina Sewald

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Umtriebig: Statt in den wohlverdienten Ruhestand drängte es Manfred Braune (71) ins Ehrenamt. Seit vier Jahren kümmert sich der Wahl-Ickinger um ein Kinderdorf in Marokko.
Umtriebig: Statt in den wohlverdienten Ruhestand drängte es Manfred Braune (71) ins Ehrenamt. Seit vier Jahren kümmert sich der Wahl-Ickinger um ein Kinderdorf in Marokko. © Bettina Sewald

Ehrenamt statt Ruhestand? Das ist auf jeden Fall das Motto des Ickingers Manfred Braune. Seit 2018 engagiert sich der 71-Jährige freiwillig für ein Kinderdorf in Marokko.

Icking - „Ich habe den Vorstand der Stiftung ,Atlas-Kinder‘, Dr. Norbert Kutschera, beim Golfen kennengelernt“, erzählt Manfred Braune im Gespräch mit der Heimatzeitung. So sei er schließlich vor vier Jahren zu einer Benefiz-Veranstaltung nach Marrakesch geflogen und hat sich vor Ort einen Eindruck verschaffen können. Seitdem widmet er quasi jede freie Minute den „Kindern der Schande“ in Marrakesch. „Dazu muss man wissen, dass in Marokko jeden Tag rund 24 unehelich geborene Kinder von ihren verzweifelten Müttern ausgesetzt werden.“ Das besage eine Untersuchung der unabhängigen Hilfsorganisation INSAF.

Sitz der Stiftung ist in Münsing

Eigentlich hätte er jetzt im November wieder nach Marrakesch fliegen wollen, doch aufgrund der drastisch steigenden Corona-Infektionen in Deutschland, hat die Fluggesellschaft alle Flüge nach Marokko stornieren müssen. Also kein „Wohltätigkeitsurlaub“ mit Spendengeldern? „Sowieso nicht“, betont der 71-jährige ehemalige Versicherungsmakler und ergänzt: „Man muss natürlich wissen, dass alle Ehrenamtlichen bei uns ihre Reisekosten aus eigener Tasche zahlen.“ Er setzt mit Nachdruck hinterher: „Bei uns kommen wirklich alle Spenden zu 100 Prozent im Kinderdorf an.“ Es würden überhaupt keine Gelder für einen aufgeblähten Verwaltungsapparat benötigt. Da der Sitz der deutschen Stiftung Münsing ist, würden die Besprechungen zum Wohle der Kinder auf dem kurzen Dienstweg stattfinden.

Vom Bauernhof bis zur Säuglingsstation

Gegründet wurde das Kinderdorf 2015 von dem ehemaligen Schweizer Versicherungsunternehmer Hansjörg Huber. Er habe sich damit, so Braune, einen langjährigen Traum erfüllt und lebe inzwischen mit seiner Lebensgefährtin vor Ort in Marrakesch. Huber habe mit Zustimmung seiner Familie die Hälfte seines Vermögens in dieses Projekt gesteckt und ein zwölf Hektar großes Grundstück nahe der Gemeinde Tahanaout südlich von Marrakesch gekauft. Dort ist das erste Kinderdorf der Atlas-Kinder entstanden. Inzwischen werden 170 Kinder (zehn mit Behinderung) von insgesamt 50 „Dorf-Müttern“ und zwei Krankenschwestern betreut. Es wurden bis jetzt 13 Wohnhäuser und eine Säuglingsstation gebaut, inklusive einem Haus für eine „integrative Gruppe“. Außerdem gibt es ein Schulgebäude, einen Kindergarten, eine Krankenstation und einen Bauernhof.

Auf Spendengelder angewiesen

Doch das Dorf platzt aus allen Nähten. Braune berichtet: „Das Dorf wurde ursprünglich für 110 Kindern konzipiert, jetzt sind wir dabei, weitere Kapazitäten zu schaffen.“ Auch habe er sich, wegen der Corona-Pandemie von Deutschland aus, in den vergangenen zwei Jahren um die Finanzierung und Errichtung einer Solar- und einer Aquahara-Trinkwasser-Anlage gekümmert. Für all das sei der Stiftungsverein natürlich auf Spendengelder angewiesen. Deshalb kümmert sich der engagierte Ickinger auch persönlich um die Betreuung der Spender. „Wir bekommen Unterstützung von Firmen und Privatleuten. Auch viele Marokkaner, die im Ausland leben, spenden an uns“, sagt der 71-Jährige. „Und zwar europaweit.“ Ein Geldgeber wohne sogar in den USA. Mehr Informationen gibt es auf der Homepage (derzeit in Überarbeitung) unter www.atlas-kinder.org und auf der Internet-Plattform Instagram unter atlas_kinder.

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Braune sucht weitere Unterstützer, zum Beispiel einen Buchhalter und hofft darauf, dass er bald wieder nach Marokko fliegen kann, um die Fortschritte im Kinderdorf zu begutachten und die Kinder wiederzusehen. Er schmunzelt: „Der größte Ansporn ist es, in die lachenden Kinderaugen zu schauen. Das entschädigt für so manche Stunde Arbeit, die wir in das Projekt stecken.“

ina

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