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Zutritt verboten: Die Brandruine am Isarweg ist inzwischen verwaist. Der Abtransport der teils asbestbelasteten Ruinenreste wird eine komplizierte Angelegenheit. 

Die Ermittlungen stehen vor dem Abschluss

Nach Inferno in Icking: So geht es mit der Brandruine weiter

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Acht Wochen sind seit dem verheerenden Brand am Isarweg vergangen. Die Ermittlungen der Polizei stehen vor dem Abschluss, die Toten sind identifiziert - und Teile der Ruine sind asbestbelastet.

Icking – Es war in der Nacht auf den 23. Juli, als in Icking ein Feuer ausbrach, wie es die Gemeinde wohl noch nicht erlebt hat. Zwei Menschen ließen im Inferno in der ehemaligen Reithalle am Isarweg ihr Leben, einer wurde schwer verletzt. Die Polizei ist mit dem Fall noch immer befasst. „Es dauert etwa noch ein oder zwei Wochen, bis das endgültige Brandgutachten fertig ist“, erklärt Alexander Huber, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern. Danach geht der Fall an die Staatsanwaltschaft.

Die Identifizierung der beiden Toten ist inzwischen erfolgt. Tatsächlich führte nicht, wie üblich, ein DNA-Abgleich zum Ziel. Vielmehr waren die Behörden auf die zweite Möglichkeit angewiesen, nämlich auf Zeugenaussagen und Indizien, die zweifelsfrei belegen, wer die Toten sind. Es handelt sich tatsächlich um Kurt (78) und Christian (60), die nach dem Brand vom Erdboden verschwunden waren und für die wenige Tage nach dem Unglück eine Trauerfeier stattfand. Wäre auch diese zweite Form der Identifizierung fehlgeschlagen – auch solche Fälle kommen vor –, dann hätte erst eine Frist vor zehn Jahren verstreichen müssen, bevor sie für tot erklärt werden können, erläutert Huber.

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Was die Brandursache angeht, ist man nicht wesentlich weiter. Schon bald, nachdem die Ermittlungen aufgenommen worden waren und Spezialisten das Gelände Zentimeter für Zentimeter untersuchten, äußerte die Polizei die Vermutung, dass sich die genaue Ursache wegen der gewaltigen Zerstörung nicht würde klären lassen. Stand der Ermittlungen ist nach wie vor, dass das Feuer im Zimmer eines der beiden Todesopfer ausgebrochen sein muss, unter Umständen, die sich kaum mehr rekonstruieren lassen.

Der dritte Mann, der schwer verletzt überlebt hat, ist nach Auskunft aus dem Helferkreis inzwischen von den Barmherzigen Brüdern in München, wo er mit dem Tod rang, in eine Spezialklinik in der Nähe von Augsburg gebracht worden. Gut geht es ihm offenbar immer noch nicht. Wie man hört, ist er aus dem Koma erwacht, kann aber noch immer nicht selbstständig atmen.

Für die verbliebenen vier sozial schwachen Männer haben sich vorübergehende Unterkünfte gefunden. Zwei wohnen privat, zwei weitere in einem Wohnwagen, den die Gemeinde angemietet hat. Wo genau, will Bürgermeisterin Margit Menrad lieber nicht sagen. Angeblich gibt es wirklich Leute, die sich anschauen, wo und wie die Überlebenden wohnen - ein Fall von Katastrophentourismus.  „Besser, es steht nicht in der Zeitung“, sagt sie. Für die Bewohner des Wohnwagens sollte noch vor dem Winter eine Lösung gefunden werden. In den kalten Monaten werden sie dort nicht bleiben können.

Keine Asbestbelastung der umliegenden Grundstücke

Mit dem Eigentümer des Geländes, Johann Abfalter, hat die Rathauschefin derzeit keinen Kontakt. Kurz vor dem Brand hatte der Geschäftsmann dem Gemeinderat allererste Pläne vorgestellt, was er am Isarhochufer vorhat, von Trinkwassergewinnung, Büros und anderem mehr war die Rede – quasi ein ganz neues Gebiet. „Wie es dort unten weitergeht, ist völlig unklar“, so Menrad.

Auch die in Icking viel diskutierte Frage, ob es in der Wohnung wirklich an Brandmeldern gefehlt hat, lässt sich nicht so ohne Weiteres beantworten. Die Polizei äußert sich nicht, und die Staatsanwaltschaft wird es auch nicht tun. Auskünfte durch die Behörden, so erklärt es Alexander Huber vom Polizeipräsidium, kämen einer Akteneinsicht gleich. Die stünde im Fall einer strafrechtlichen Verfolgung lediglich einem Anwalt zu, und das nur mit Zustimmung eines Gerichts. Inzwischen gibt es Gerüchte, dass es die Männer selbst waren, die die Brandmelder abmontiert haben, um ungestört rauchen zu können. Doch wie es so ist mit Gerüchten: Sie können stimmen, müssen aber nicht. 

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Mit der Ruine hat sich das Landratsamt befasst. So hat die Untere Naturschutzbehörde im August die umliegenden Nachbargrundstücke auf die Frage untersucht, ob Asbest ins Erdreich gedrungen ist. „Die Ergebnisse waren negativ“, erklärt Sabine Schmid, Sprecherin der Kreisbehörde – also keine Belastung. Für die Ruine gilt das in umso stärkeren Mass: Vor allem die zerbrochenen Welleternitplatten enthalten viele der gesundheitsgefährdenden Fasern. Ein Gutachter der Versicherung bereitet derzeit ein Konzept vor, wie die belasteten Reste  zu entfernen sind. Die Arbeiten dürften sich kompliziert gestalten: Für belasteten Schutt gelten strenge Regeln. Um zu verhindern, dass der Wind die Asbestfasern aufwirbelt, werden die Außenmauern (oder was davon übrig ist) mit einer speziellen Substanz besprüht. Die Statik der Ruine ist jedenfalls gesichert.vu

Großbrand in Icking: Bilder vom Einsatz

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