Historisches Klassenfoto Gymnasium Icking
+
Klassenfoto von der Zehnten: Peter Krones ist der junge Mann im dunklen Pulli in der hintersten Reihe, der Vierte von rechts. In der Mitte die Englisch-Lehrerin, die sie „Grendel“ nannten – nach dem Monster aus dem „Beowolf“, dem bekannten angelsächsischen Heldenepos.

Die Schule wird heuer 100 Jahre alt

So erinnert sich Peter Krones an seine Schulzeit am Ickinger Gymnasium

  • vonAndrea Kästle
    schließen

Das Rilke-Gymnasium feiert heuer 100-jähriges Bestehen. Dass die Schulzeit nach dem Krieg eine ganz andere war als heute, zeigen die Erinnerungen von Peter Krones.

Icking – Wirklich gern denkt Peter Krones nicht an seine Schulzeit zurück. Er sagt, die Lehrer seien nicht gerade zimperlich gewesen im Umgang mit den Kindern. „Aber wir waren schon auch renitent.“ Er hat nach dem Krieg vier Jahre in Icking fürs Leben gelernt, als das Gymnasium, das heuer 100 wird, knapp 30 Jahre auf dem Buckel hatte.

Krones war um 1948 herum nach Icking gewechselt, in die siebte Klasse. Vorher war er in München auf ein Gymnasium gegangen. Damals hätten sie, erzählt er, in Baracken gelernt, in Holzbaracken, inmitten von Grünflächen. Es gab nur einen Steinbau auf dem Gelände, in dem hatte der Direktor, der Niclas hieß, sein Büro.

Damals: Peter Krones im Alter von 16 Jahren.

Er hatte fast nur Lehrer, selten eine Lehrerin. Außer dem Sportlehrer, der jung war und den sie alle geliebt hätten, seien alle streng gewesen. Nur streng. Nicht nett. Ach ja – der Pfarrer, der evangelische Religionslehre unterrichtete, mit dem habe man auch noch gut auskommen können.

Die Holzbaracken seien, erzählt der 85-Jährige, mit Holzöfen geheizt worden. Sehr oft sei in den Öfen ein Radiergummi gelandet. „Dann hat es entsprechend gestunken. Dann kam der Lehrer rein und hat angeordnet, die Fenster aufzumachen. An den Fenstern saßen aber die Mädchen, denen wurde es dann kalt, sie drängten darauf, die Fenster wieder zuzumachen. So ist dann schon wieder eine Viertelstunde Unterricht vorbei gewesen.“ Wenn man ihm so zuhört, wie die Erinnerungen nach anfänglichem Zögern doch aus ihm heraussprudeln, haben sie einander damals nichts geschenkt, die Lehrer und ihre Zöglinge.

Der Biologielehrer sei, wenn es ihm zu laut wurde, auf und ab gegangen im Klassenzimmer und habe im Vorbeigehen jedem der Buben eine Kopfnuss verpasst. Derweil spielten die Schüler in den hinteren Reihen auch einfach gern Karten während des Unterrichts – wenn sie erwischt wurden, landeten die Karten sofort im Ofen. „Sagen wir, es war eine lustige Zeit“, sagt Peter Krones, aber er klingt dabei auch ein wenig bitter.

Heute: Peter Krones im Alter von 85 Jahren.

Auf eine Geschichte kommt der Zeitzeuge ein paar Mal in dem Gespräch, das man mit ihm führt, zurück: Statt im Fach Sport Fußball zu spielen, hätten die Schüler häufig Schaufel und Pickel in die Hand gedrückt bekommen. Sie sollten das Fundament ausheben für den geplanten Schulneubau. Peter Krones erzählt: Als er dann nach der Zehnten von der Schule abging, wobei er die Mittlere Reife nicht ganz geschafft hatte („mir fehlte eine Viertelnote in Latein“), sei das Fundament immer noch nicht ganz ausgehoben gewesen. Irgendwann später brauchte er eine Kopie seines Zeugnisses. Er rief in der Schule an, die Sekretärin meinte, er könne sie sich abholen. Seine Antwort: „Ich habe das Fundament für die Schule mit ausgehoben, es wäre nett, wenn Sie es mir schicken.“ Das machte sie dann auch.

Motorradfahren war die große Leidenschaft der Schüler

Woran er sich sonst noch erinnert in der Zeit, als er, geboren 1935, zwischen 12 und 16 Jahre alt war? Mit seinem Nachbarn, erzählt er, spielte er oft Mühle – auf der Schulbank. Sie hatten die Mühle-Spiellinien auf dem Tisch eingeritzt, ihre Figuren waren die Fitzel von blauem und rotem Löschpapier. Wenn der Lehrer kam, um zu sehen, was sie da machten, bliesen sie die Figuren einfach weg.

„Wir waren damals alle motorradverrückt“, erzählt er auch, und immer wieder spielten sie im Klassenzimmer, sie würden Motorradrennen fahren. Das ging so: Einer, der vorn saß, gab über einen Handspiegel den hinter ihm Sitzenden ein Zeichen, und dann legten sich alle in eine Kurve. Was das sollte? Davon hatten die Lehrer keine Ahnung.

Ins Skilager wird in Icking noch immer zweimal in der Unterstufe gefahren. Auch der einstige Gymnasiast ist von Icking aus eine Woche mit der Klasse beim Skifahren gewesen, auf dem Sudelfeld. Und zwar mit dem netten Sportlehrer, den sie alle so mochten. „Der hatte seine Ziehharmonika dabei und machte für uns Musik, er war unser Idol.“ Einmal spielten sie auch dem netten Reli-Lehrer einen Streich, sie bockten sein Auto auf Ziegelsteinen auf. Aber sie halfen ihm dann wieder dabei, das Auto herunter zu bekommen.

Der Jazz wurde seine große Liebe

Krones weiß noch, wie einige seiner Klassenkameraden hießen. Er hatte lange Kontakt mit ihnen, inzwischen sei die Verbindung abgerissen, einige seien auch schon gestorben. Er ist 85. Seine Mittlere Reife hat er auf der Abendschule nachgeholt – und hat dann ein durchaus abwechslungsreiches Leben geführt. Er studierte ein paar Semester Architektur, verkaufte Blumen in einem Großhandel und eröffnete schließlich eine Fahrschule. Gereist ist er auch viel. Und die Liebe zum Jazz, die er schon zu Schulzeiten mit seinen Freunden entdeckt hatte, die ist ihm auch sein Leben lang erhalten geblieben.

Lesen Sie auch: Der Nachlass des Rilke-Gymnasiums wird gesichtet

Damals gab es in Solln ein Jazzlokal, auch in der Waldwirtschaft Großhesselohe wurde regelmäßig Jazz gespielt. Und Peter Krones, weil er einen Dixi fuhr aus dem Jahr 1924, wurde irgendwann sogar aufgenommen in den „Hotclub“, einen Jazzclub, der nur wenigen Auserwählten vorbehalten blieb. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare