1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Icking

So will sich Icking energetisch unabhängig machen

Erstellt:

Von: Andrea Kästle

Kommentare

Die Sonne ist gratis: Der Landkreis will den Ausbau von Photovoltaikanlagen voranbringen (Symbolbild).
Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach ist Grundvoraussetzung für alle, die bei „300 für Icking“ mitmachen wollen. © dpa

Die Isartalgemeinde sucht 300 Bürger, die sich mit Strom und Wärme energetisch unabhängig machen wollen. Es wäre das, was man ein Leuchtturmprojekt nennt.

Icking – Die Isartalgemeinde ist schon einmal eigene Wege gegangen. „700 für Icking“ hieß die Glasfaser-Initiative, die schnelles Internet in alle Ortsteile brachte. Dabei wurde die Breitbandförderung genutzt, um ein eigenes Leerrohrsystem für Glasfaser zu verlegen. Damit war Icking Vorreiter in Bayern. Mittlerweile hat sich die Gemeinde ein anderes Ziel auf die Fahnen geschrieben.

Jetzt heißt es: „300 für Icking“. Im Kern geht es darum, 300 Dächer in der Isartalgemeinde mit Photovoltaik-Anlagen auszustatten, um energetisch unabhängiger zu werden. Das Vorhaben war Teil des Kommunalwahlkampfes der Unabhängigen Bürgerliste (UBI) 2020. Die Liste wurde stärkste Fraktion im Gemeinderat und stellt mit Verena Reithmann auch die Bürgermeisterin. Jetzt geht es an die Umsetzung, wieder unter der Regie von „Breitbandpate“ Dr. Georg Linsinger, und von Karlheinz Seim, der sein Anwesen bereits vorbildlich umgerüstet hat. An seinem Beispiel kann man sehen, wie man so viel Strom und Wärme erzeugen kann, dass es zur Selbstversorgung reicht.

Grundvoraussetzung ist, sich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installieren zu lassen. Gleichzeitig ist daran gedacht, einen Gasanschluss legen zu lassen und natürlich den Benziner in der Garage durch ein Elektroauto zu ersetzen. Das System funktioniert dann so: Strom fürs Auto wie für den Haushalt kommt vom Dach oder von der Brennstoffzelle im Keller. Damit wäre, weil die Autos ja viel verbrauchen, auch das Problem gelöst, das die allermeisten Leute haben, die ihr Dach mit Solarplatten gedeckt haben: Sie wissen oft nicht mehr wohin mit dem vielen Strom, den sie selbst erzeugen. Denn Einspeisungen ins Netz werden aktuell wenig bis gar nicht vergütet.

Dr. Georg Linsinger
Dr. Georg Linsinger, UBI-Vorsitzender und Macher von „300 für Icking“ © Andreas Reiter Photography

Auch deshalb denken die Macher schon jetzt darüber nach, ob es nicht am Ende des Tages möglich wäre, ein Energiemanagementsystem zu etablieren. Das Ziel: in Icking erzeugten Strom auch in Icking umzuverteilen – unabhängig vom Netz und von fossilen Energien. Linsinger rechnet vor: Bis zu 30 Kilowattstunden im Jahr kann ein mit Paneelen bestücktes Dach produzieren, aber ein Haushalt verbraucht nur etwa fünf Kilowattstunden im Jahr.

Lesen Sie auch: Schnelles Internet für Icking

50 Interessierte haben sich bisher bei der UBI gemeldet. Bis nächsten März kann man sich der Aktion noch anschließen. Die Beteiligten werden, was die Umrüstung ihrer Häuser angeht, von einem Generalunternehmer beraten. Die Umsetzung, verspricht Linsinger, sei „qualitativ hochwertig“ und erfolge zu „fairen Konditionen“. Weiterer Vorteil: Man würde praktisch alles aus einer Hand bekommen. Seine Vision? Am Ende den gesamten Strom, den Icking braucht, auch vor der Haustür herzustellen. Linsinger ist überzeugt: „Zusammen mit ein paar Freiflächenanlagen wie der in Walchstadt, die bald ans Netz geht, könnten wir das schaffen.“

Infos im Internet:
300füricking.de

Auch interessant

Kommentare