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„Mir geht das alles zu schnell“: Gemeinderat gerät wegen PV-Anlagen unter Druck

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Von: Andrea Kästle

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Auf dem ehemaligen Erdbeerfeld an der Grenze zu Ebenhausen soll eine PV-Freiflächenanlage entstehen.
Auf dem ehemaligen Erdbeerfeld an der Grenze zu Ebenhausen soll eine PV-Freiflächenanlage entstehen. © Andrea Kästle

Eine steht, die nächste ist geplant. Jetzt debattierte der Ickinger Gemeinderat über eine dritte PV-Anlage. Mehrere Gemeinderäte waren davon jedoch schlicht überfordert.

Icking – Eine Photovoltaik-Freiflächenanlage gibt es in Icking bereits, und zwar in Walchstadt. Eine zweite in Attenhausen an der Autobahn ist geplant. Jetzt ist auf die Gemeinde ein weiterer Grundstückseigentümer zugekommen. Er bietet eine Fläche an der Grenze zu Ebenhausen, zwischen der Parkbucht und der S-Bahn, an, um dort, wo früher mal ein Erdbeerfeld war, grüne Energie zu erzeugen.

„Mir geht das alles zu schnell“: Ickinger Gemeinderat unter Druck

Am Montag stand das Thema auf der Tagesordnung des Ickinger Gemeinderats. Diskutiert wurde dabei nicht über das Für und Wider des Projekts an derart sichtbarer Stelle. Dem Gremium ging es vorwiegend darum, Kriterien zu formulieren, die ein Grundstück erfüllen muss, soll es für eine PV-Anlage in Betracht kommen.

Zunächst wurde beschlossen, den Kriterienkatalog, den Bürgermeisterin Verena Reithmann (UBI) vorbereitet hatte, aufzustellen. Dann kam aber immer mehr Unzufriedenheit über die Diskussion auf, sodass das Ganze schließlich vertagt wurde. Es fühlten sich einige Gemeinderäte schlicht überfordert.

Hohe Auflagen für Photovoltaik: Könne Grundstückseigentümer verschrecken

Vigdis Nipperdey (Ickinger Initiative) sagte: „Mir geht das alles zu schnell.“ Die Grünen fanden es kontraproduktiv, potenzielle Grundstückseigentümer durch zu hohe Auflagen zu verschrecken. Vieles, etwa die Frage, ob Paneele an einer Stelle blenden, würde sowieso während der Bauleitplanung geklärt.

„Bauchweh wegen der Lage“: Gemeinderätin zweifelt an Standort

Dass eine PV-Anlage auf dem ehemaligen Erdbeerfeld gemischte Gefühle auslöst, klang nur zweimal leicht an. Ursula Loth (PWG) meinte: „Wir wollen doch auch Dächer mit Photovoltaik bestücken, ich bin auf jeden Fall für eine Obergrenze bei Freiflächenanlagen“. Tenor: Man könne doch nicht die ganze Landschaft verspiegeln. Und Claudia Roederstein (UBI) sagte: „Ich habe Bauchweh wegen der Lage, müssen wir wirklich auf Teufel komm raus jede Fläche nutzen?“

Energiewende in Icking: Viel geschafft und einiges vor

Derweil ist klar, dass auch Icking was tun muss, um die Energiewende zu stemmen – und auch schon viel getan hat. Erst letzte Woche hat sich wie berichtet eine Energiegenossenschaft gegründet, die Hausbesitzer ermuntern und teils sogar auch ansprechen will, das eigene Anwesen für Stromerzeugung umzurüsten.

Zudem gibt der Gesetzgeber vor, dass Kommunen zwei Prozent ihrer Fläche für Windenergie bereitstellen müssen. Es kann gut sein, dass eine weitere Vorgabe von bis zu 1,5 Prozent für PV-Anlagen kommt.

Projektleiter der PV-Anlage: Es habe in Icking „Wahnsinnswandel“ stattgefunden

Florian Schönberger von der Unternehmensgruppe Vispiron, der für den Grundstückseigentümer die Anlage am Erdbeerfeld errichten würde und in die Sitzung gekommen war, meinte hinterher: In Icking habe bereits ein „Wahnsinnswandel“ stattgefunden. Vor drei Jahren habe man sich teils noch gegen die quasi unsichtbare Anlage in Walchstadt gesträubt, die er ebenfalls projektiert hat und die im Frühjahr in Betrieb gegangen ist.

Icking: Theoretisch bereit für volle Stromversorgung über Photovoltaik

So viel jedenfalls wurde in der Sitzung noch besprochen: Rein theoretisch ist Icking bereit, die 38 Millionen Kilowattstunden, die Icking an Strom in Zukunft im Jahr brauchen wird, über PV-Anlagen zu erzeugen. Walchstadt und Attenhausen stehen zusammen mit 6,5 Millionen Kilowattstunden auf dem Plan, das Erdbeerfeld mit 4,59 Hektar würde weitere 4,5 Millionen Kilowattstunden erbringen. Die von der Verwaltung vorgeschlagene Vorgabe, dass Freiflächen nicht an Wohn- oder Gewerbegebiete angrenzen sollen, wurde nicht für gut befunden.

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Verstimmter Gemeinderat „unter Druck“: Beschwerden an Bürgermeisterin Reithmann aus eigenen Reihen

Die Stimmung während der Diskussion war zunehmend gereizt, die Beteiligten fühlten sich überfordert. Auch aus den eigenen Reihen bekam Reithmann, die, wie sie sagte, die Meinung ihres Gremiums auch für die Bürgerversammlungen in Dorfen und Icking diese Woche abfragen hatte wollen, Gegenwind. Laura von Beckerath-Leismüller (Grüne) sagte: „Ich finde es nicht in Ordnung, dass wir so unter Druck gesetzt werden.“

Neue Anlage solle für Ladestation für E-Autos und Kühlhalle verwendet werden

Nebenbei: Sollte die Anlage am Erdbeerfeld kommen, würde laut Schönberger auch gleich eine „Absatzquelle“ für den Strom geschaffen. Es würde eine Schnellladestation für Autos errichtet, unter Umständen auch eine Kühlhalle. Zwischen den Paneelen könnten Schafe weiden.

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