Stolz auf 100 Jahre Schule und 332 Seiten Schulgeschichte im Buch: Direktor Stefan Nirschl mit seiner Stellvertreterin Beate Demmelhuber (li.) und Daniela Chidi-Umeh, die das Layout der Chronik gemacht hat.
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Stolz auf 100 Jahre Schule und 332 Seiten Schulgeschichte im Buch: Direktor Stefan Nirschl mit seiner Stellvertreterin Beate Demmelhuber (li.) und Daniela Chidi-Umeh, die das Layout der Chronik gemacht hat.

100 JAHRE GYMNASIUM

330 Seiten geballte Schulgeschichte: Chronik beleuchtet die heiteren, aber auch düsteren Zeiten

  • VonAndrea Kästle
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Zum 100 Geburtstag hat die Schulgemeinschaft des Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums eine Chronik herausgebracht. Sie lässt nichts aus.

Icking – 330 Seiten, über 400 Fotos. Hier eine Bilderstrecke zur Geschichte der Schule, dort ein Interview mit dem Hausmeister, dazwischen viele Geschichten, die das Ickinger Gymnasium von allen Seiten beleuchten und alle Gremien der Schulgemeinschaft zu Wort kommen lassen. Heiteres – ohne darüber die dunkleren Kapitel in den „bewegten und bewegenden vergangenen 365 000 Tagen“ außer Acht zu lassen: Rechtzeitig vor den Sommerferien hat das Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium, das heuer in einem Festakt sein 100-Jähriges gefeiert hat und dem nächstes Jahr ein „Fest für alle“ folgen soll, seine Chronik herausgebracht.

Das Ganze ist eine „unglaublich wunderbare Sammlung verschiedenster Beiträge“, sagte Direktor Stefan Nirschl bei der offiziellen Vorstellung nicht ohne Stolz. Über 30 Autoren haben an dem „richtig großen Buch“ mitgeschrieben. „Wahnsinnig viel Arbeit“ ist hineingeflossen. Koordiniert hat das Ganze die stellvertretende Schulleiterin Beate Demmelhuber, das Layout stammt von der Schülermutter Daniela Chidi-Ume, ein P-Seminar hat mitgeholfen, die vielen Fotos und Geschichten zusammenzutragen.

Seit jeher packt die Jugend kräftig mit an. Das Foto entstand bei Ausbesserungsarbeiten an den Schülerbaracken, in denen bis zum Neubau unterrichtet wurde.

Bei der Konzeption der wirklich abwechslungsreich aufgemachten Festschrift habe man sich an ein Wort des Namensgebers der Schule, Rainer Maria Rilke, gehalten, erklärte Demmelhuber. Der hatte 1903 einem jungen Dichterkollegen gegenüber gemeint, er solle doch jetzt die Fragen leben. „Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antworten hinein.“ Natürlich habe man nicht das ganze verfügbare Material „wissenschaftlich auswerten“ können. Einiges liege noch mehr oder weniger unbearbeitet in Archiven – und werde vielleicht eines Tages von dem einen oder anderen P-Seminar aufgegriffen.

Die Arbeit an der Chronik sei nicht nur „eine große Freude“ gewesen, sondern auch spannend und aufschlussreich. Man habe „Interessantes und Kurioses“ entdeckt, viel erfahren von den „Wünschen und Träumen“ der Gründerväter – allen voran Alfred Vogel. Der weit herumgekommene Hauslehrer hatte 1921 die Schule aufgemacht. Weil es in Icking damals noch keine Schule gab und das Gymnasium in Schäftlarn nur Buben aufnahm, eröffnete er kurzerhand in einem Bauernhaus eine Mäuseklasse – in der dann nicht nur viele Mädchen saßen, sondern auch Hühner und Katzen herumspazierten.

Alfred Vogel: Der Hauslehrer gründete die Schule 1921.

„Wie viel Kraft erforderlich war“, um aus dieser einen Klasse heraus schließlich eine „höhere private Bildungsanstalt“ zu formen, die staatlich genehmigt worden ist, das hätten die Recherchen für die Chronik erneut gezeigt. Es waren Eltern, die einsprangen und sich über einen flugs gegründeten Elternverein als Träger der Bildungseinrichtung anboten.

Die Geschichte der Schule spiegelt laut Demmelhuber auch die „Geschichte der Republik“ wider. So gab es auch in Icking Schülerinnen und Schüler, die, nur weil sie jüdisch waren, die Schule nach 1933 verlassen mussten. Im Jahresbericht 1935/36 ist vermerkt: „Alle nationalsozialistischen Feiern wurden in würdiger Weise und den Vorschriften entsprechend abgehalten.“ Um an den „völkischen Ereignissen des Lebens“ teilnehmen zu können, hatte man eigens ein Rundfunkgerät angeschafft.

Nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg erfolgte der Wiederaufbau der Schule, bei dem Lehrer und Schüler gleichermaßen mithalfen. Auch als das Gymnasium in den 1950er-Jahren an seinen heutigen Standort umzog, packten die Heranwachsenden wieder mit an.

In den 1968er-Jahren zeigte sich, dass der viel beschworene „Ickinger Geist“ doch ein sehr konservativer war: Als aufgeweckte Schüler sich damals in den Ickinger Schulkreis wählen ließen, um mitreden zu dürfen, was in der Schule vor sich ging, wurde dieser Kreis kurzerhand aufgelöst – und Eltern formierten sich neu im jetzigen Förderverein. Direktor zu dieser Zeit war Walter Niklas, der das Gymnasium von 1949 bis 1974 leitete. Er war laut Demmelhuber, „sehr autoritär“. Die Schüler, die ihn „der Boss“ nannten, hätten ihn gleichzeitig verehrt und gefürchtet. Eines der bislang letzten Ereignisse, das die Schule geprägt hat, war die Einquartierung von rund 70 Geflüchteten in der Turnhalle vor fünf Jahren.

Eine Bilderstrecke im Buch widmet sich dem Theaterleben an der Schule. Es gab Zeiten an der Ulrichstraße, da standen auch Lehrer mit den Schülern auf der Bühne. Ebenso berücksichtigt in der Chronik sind die vielen Reisen, die in Icking traditionell unternommen werden. Viel Platz wurde überdies den Fachschaften eingeräumt, die über ihr Fach im Wandel der Zeit berichten. Bei allen Umzügen und Umbrüchen – eines hat sich nach den Worten von Beate Demmelhuber „nie geändert: dass diese Schule bei allem Wandel immer nur ein Lern- und Lebensort sein wollte, an dem Schüler und Lehrer gemeinsam wachsen können.“

Info

Die Chronik wurde in einer Auflage von 1500 Stück gedruckt und ist in verschiedenen Geschäften erhältlich: in Schäftlarn bei Schreibwaren Bartl und in der Buchhandlung Isartal, in Icking bei Feinkost Baumgartner und in der Gemeinde sowie in Starnberg im Fachbuchhandel Global und in Wolfratshausen bei Spielwaren Tausend. Sie kostet 15 Euro.

Andrea Kästle

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