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Große Pläne: Auf dem ehemaligen Reithallengelände sind neue Wohnungen und ein Bürogebäude geplant. In seiner jüngsten Sitzung diskutierte das Gremium über dessen Verkehrserschließung. 

Große Sorge um das Wohl der Fußgänger

Reithallengelände: Ickinger Gemeinderat diskutiert Verkehrserschließung 

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
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In der jüngsten Sitzung des Ickinger Gemeinderates präsentierte ein Verkehrsplaner sein Konzept für die Verkehrserschließung des Reithallengeländes. Im Gremium waren die Meinungen dazu gespalten. 

Icking – Langsam aber sicher geht es mit den Planungen für das Gelände, auf dem einst die Reithalle stand, vorwärts: Beinahe eineinhalb Stunden diskutierte der Ickinger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung über dessen künftige Verkehrserschließung.

Zunächst präsentierte Verkehrsplaner Hans Althammer von der SAK Ingenieursgesellschaft Traunstein sein dafür erarbeitetes Konzept. „Heute geht es nicht darum, etwas Fertiges vorzustellen. Das ist vielmehr eine Diskussionsgrundlage“, betonte er. Der Weg zum Gelände zweigt an der B11 zum Isarweg ab. „Unser Ziel war zu versuchen, eine Fahrbahnbreite von 5,50 Meter zu bekommen“, so Althammer. Das funktioniere jedoch nicht überall. „Bei der Heilig-Kreuz-Kirche geht das definitiv nicht. Rechts steht die Friedhofsmauer, links ein Anwesen mit Garagenzufahrt.“ An dieser Stelle schaffe man daher nur 4,50 Meter.

Icking: Verkehrsplaner stellt Konzept vor

Ein besonders wichtiger Aspekt ist für Althammer die sichere Führung der Fußgänger. Er schlug ein sogenanntes Mischprinzip vor: Hier teilen sich alle Verkehrsteilnehmer eine gemeinsame Fläche und nehmen aufeinander Rücksicht. „Nachdem wir einen Bereich mit engen Straßen und mehrere scharfe Bögen haben, kann dort kein vernünftiger Mensch schnell fahren“, erklärte er seine Entscheidung den Räten. An den Engstellen schwebten Althammer Pflasterungen mit einem „gewissen Platzcharakter“ vor, etwa mit Bänken und Maibäumen. „So merkt man: Hoppla, das ist kein Highway, hier muss ich aufpassen.“

Im Ickinger Gremium entfachten diese der Pläne große Bedenken. „Ein Problem“ sah Matthias Ertl (PWG) „an der Kurve bei der Kirche. Da sieht man unten nicht ums Eck rum, ob jemand kommt.“ Auch Philipp Geiger (Grüne) äußerte seine Sorgen: „Aus Angst, dass ich den Entgegenkommenden nicht sehe, fahre ich dort jetzt schon super vorsichtig.“ Er könne sich „in keinster Weise“ vorstellen, wie das erst mit den neuen Wohn-und Geschäftsgebäuden funktionieren solle.

Reithallengelände: Pläne verursachen beim Gemeinderat große Bedenken

Althammer versuchte die Bedenken aus dem Weg zu räumen: „In dem Bereich bekommen wir fast eine Verdopplung der Straßenbreite.“ Natürlich sei es dort eng. „Aber wir sind an die dortige Geometrie und Topografie gebunden. Davon können wir nicht abweichen“, bekräftigte er.

Jörg Überla (Grüne) beunruhigte der Ausflugsverkehr am Wochenende. Claudia Roederstein (UBI) erinnerte jedoch daran, dass in der Reithalle damals um die 70 Pferde untergebracht waren. „Da gab es durchaus Frequenz, unter der Woche und am Wochenende. Doch das wurde nicht als Problem gesehen.“

„Was mir hier total fehlt, ist eine kreative Lösung, wie die Fußgänger sicher hochkommen“, befand Laura von Beckerath-Leismüller (Grüne). Zu Stoßzeiten stelle sie sich das Verkehrsaufkommen dort „horrormäßig“ vor. Anderer Meinung war Roederstein: „Zweimal am Tag gibt es sicher Stoßzeiten, aber ansonsten wird das entspannt ablaufen.“ Ihr Vorschlag: ein Vorfahrtsrecht für Radler und Fußgänger in den Stoßzeiten.

„Was mir hier total fehlt, ist eine kreative Lösung, wie die Fußgänger sicher hochkommen“

Dr. Georg Linsinger (UBI) plädierte für einen separaten Fußweg, etwa links über den Hauserweg bis herunter zur Anlage. Althammer wies darauf hin, dass diese Seite des Reithallengeländes einmal zugebaut sei. Folglich müssten Fußgänger zunächst sowieso ein Stück am Isarweg entlanggehen. Ursula Loth (PWG) zeigte sich von der Lösung wenig begeistert. „Aus Berufserfahrung weiß ich: Kinder benutzen ohne Eltern immer den kürzesten Weg. Außerdem war da unten noch nie ein Unfallschwerpunkt – und wird es vermutlich auch nie werden“, so die Polizistin.

Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer: Intelligentes Ampelsystem die Lösung?

Philipp Geiger brachte die Überlegung eines intelligenten Ampelsystems ins Spiel. Diese schaltet sich nur ein, wenn notwendig. Josef Mock (UBI) konnte die vielen Bedenken nicht nachvollziehen. 4,5 Meter Straßenbreite seien für ihn „zufriedenstellend. Da kenne ich einige Straßen, die wirklich befahren und deutlich enger sind – und zwar über längere Strecken.“

„Wir sind heute nicht hier, um einen Beschluss zu fassen, sondern um mitzunehmen, wie wir weitermachen“, erinnerte Bürgermeisterin Verena Reithmann (UBI) ihre Kollegen. Vielleicht ließe sich eine Variante finden, bei der man „einander sehen und sich trotzdem bewegen und ausweichen kann. Das ist der Stand, mit dem wir weitermachen“, so die Rathauschefin.

Auch das erste Gesamtkonzept für die Bebauung des abgebrannten Reithallengeländes stieß beim Gemeinderat zunächst auf unterschiedliche Reaktionen.

kof

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