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Herzstück des Hauses: Die Brennstoffzelle in der KWK-Anlage sorgt für warmes Wasser und Strom.

Zum heutigen Welttag der Umwelt

Vom Einfamilienhaus zum Energiekraftwerk: Ickinger versorgen sich mit selbst erzeugter Energie

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
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An diesem Freitag ist der Welttag der Umwelt. Karlheinz und Norma Seim sind beim Thema Nachhaltigkeit große Vorbilder: Die Ickinger versorgen sich zu 90 Prozent mit selbst erzeugter Energie. Dabei begann ihr Projekt ganz harmlos – mit dem Besuch des Schornsteinfegers.

Icking – Ein weiß gestrichenes Einfamilienhaus mit dunklen Dachziegeln, davor eine gepflasterte Terrasse mit weißen Gartenstühlen, auf dem Dach thront eine Photovoltaik-Anlage: Von außen schaut das Haus der Seims nicht auffällig aus. Dabei verbirgt sich in dem Gebäude ein wahres Energie-Kraftbündel: In ihren eigenen vier Wänden erzeugen Karlheinz Seim und seine Frau Norma etwa 90 Prozent ihres Energiebedarfs. Lediglich Biogas kaufen sie dazu, aus organischen Zuckerrübenresten.

Ickinger erzeugen 90 Prozent ihres Energiebedarfs selbst

Karlheinz Seim, ein schlanker, grauhaariger Mann im schwarzen Rollkragenpullover, huscht flink die Treppen hinunter in den Keller – zum Herzstück des Hauses, einer KWK-Anlage. „Öfters als bei der alten Heizung gehe ich runter und schaue nach dem Rechten“, erzählt er.

Die Idee, ihr Heim in ein Vorzeigeprojekt für Nachhaltigkeit zu verwandeln, ergab sich für die Seims 2009 eher zufällig: „Der Schornsteinfeger sagte zu mir, dass wir eine neue Heizung brauchen“, erzählt der Ickinger. „Da dachte ich mir: Wenn ich das schon erneuere, möchte ich das nachhaltig umsetzen, mit erneuerbaren Energien.“

Seine Frau stand voll und ganz hinter der Idee. Ihre einzige Bedingung: Der Alltagsbetrieb durfte sich nicht verändern. „Staubsauger und das Bügeleisen etwa müssen jederzeit funktionieren, nicht nur, wenn wir gerade Strom erzeugen“, sagt Seim mit einem Augenzwinkern. 

Idee für das Projekt ergab sich zufällig

Gesagt, getan. Fortan beschäftigte sich der Rentner intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit, besuchte Messen, Fachvorträge, recherchierte im Internet. Dabei stieß er auf die Sektorkopplung – mit ihr wollte er sein Ziel erreichen.

Unten im Keller angekommen, öffnet Seim die weiße Tür zum Heizungskeller: Was auf den ersten Blick wie zwei überdimensionale Kühlschränke aussieht, ist in Wirklichkeit eine KWK-Anlage. Darin verbergen sich eine Brennstoffzelle, ein Zusatzbrenner und ein Wasserspeicher. In der Brennstoffzelle reagieren Wasserstoff und Sauerstoff miteinander, erzeugen dadurch Wärme und Strom, erklärt Seim. Ein Stromspeicher in der Ecke bunkert die überschüssige Energie.

Bei dem Projekt lief nicht immer alles glatt. „Am Anfang war die Umsetzung nicht einfach“, gesteht Seim. „Alles war neu, Firmen und Behörde mussten sich in die Thematik erst hineinfinden.“ Zwischenzeitlich gebe es jedoch Kompetenz und Erfahrungen. „Vieles ist einfacher geworden, und es gibt Erfahrungswerte“, betont Seim. 

Seit 2014 steht ein Elektroauto in der Garage

Bereut hat er sein aufwendiges Unternehmen keine Sekunde. „Klar kostet das viel Zeit, aber solche innovative Sachen machen mir ziemlich Spaß“, sagt der Rentner. Seit 2014 steht zusätzlich ein Elektroauto in der Garage der Seims. Direkt daneben befindet sich die Aufladestation, natürlich betrieben durch den selbsterzeugten Strom.

Wieder oben im Wohnzimmer, holt der Ickinger sein Tablet. Seit eineinhalb Jahren benutzt er ein spezielles Energie-Management-System, welches sämtliche Energieprozesse im Haus steuert. Seim rückt seine runde Brille auf der Nase zurecht und erklärt: Mittig auf dem Bildschirm steht in einem großen grünen Kreis ein blaues Haus, Symbol für das Eigenheim. Verbrauch 110 Watt steht darunter. 

Steuerung auf dem Bildschirm: Mit seinem Tablet lenkt Karlheinz Seim die erzeugte Energie in seinem Haus.

Weitere Symbole außerhalb des Kreises sind etwa die Photovoltaik-Anlage mit 78 Watt und die Brennstoffzelle mit 660 Watt. Von ihnen führen Pfeile ins Haus. „Diese Energiemenge produzieren die beiden gerade“, erklärt der Ickinger.

Von Anfang an hat Karlheinz Seim genaustens Buch geführt. Deshalb weiß er: „Was Photovoltaik und die Brennstoffzellen täglich erzeugen, wird weitestgehend täglich im Haushalt und für unser E-Auto verbraucht.“ Weil für das Ehepaar Strom- und Benzinkosten sowie die Kfz-Steuer wegfallen, zahlt sich die Sache auch aus: „Seit Projektstart 2013 sparen wir pro Jahr etwa 3800 Euro Energie- und Betriebskosten“, sagt der Ickinger stolz. Nach knapp sieben Jahren habe sich das nachhaltige Projekt mittlerweile vollständig amortisiert.

Icking: Nachhaltiges Projekt hat sich inzwischen amortisiert

Langweilig wird dem Rentner deshalb in Zukunft aber nicht. „Ich werde weiterhin Vorträge halten, um die Leute über die Bedeutung von nachhaltigen Lösungen mit erneuerbaren Energien zu informieren“, verrät er seine weiteren Pläne.

Mit unterschiedlichen Aktionen engagiert sich hingegen der Ickinger Bund Naturschutz für die Artenvielfalt - und ruft zur Nachahmung auf. In der Gemeinde wurde dazu ein neues Projekt gestartet. Es heißt: „Lebensraum Garten“.

kof

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