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Meißelweihe auf dem Bohrplatz: (v. li.) Jorma Alanne (von der finnischen Firma Taaleri), Markus Wiendieck (Erdwärme Isar), Landrat Josef Niedermaier, Pfarrerin Sabine Sommer, Ickings Bürgermeisterin Margit Menrad, Pfarrer Albert Zott und Vize-Bürgermeister Dr. Peter Schweiger.

Meißelweihe auf dem Bohrplatz in Attenhausen

Was das Geothermieprojekt Dorfen für die Energiewende bedeutet

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Mit einer Weihe der ersten Meißel ist das Geothermieprojekt in Icking gestartet. Wenn alles gut geht, könnte das für die Energiewende vor Ort einen Riesenschritt bedeuten.

Icking – Da standen sie also auf dem Bohrplatz von Attenhausen, die beiden Meißel, die sich ab sofort tief ins Ickinger Erdreich fräsen sollen. Auf einem thronte als Miniaturfigur die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute, im Hintergrund ragte der Bohrturm 64 Meter in den Himmel. Der gute, alte Brauch der Meißelweihe für das Ickinger Geothermieprojekt stand an, das einen Riesenschritt zur Energieautarkie des Landkreises bedeuten kann – wenn es gelingt.

Der katholische Pfarrer Albert Zott aus Berg zeigte sich beeindruckt von der Ingenieurskunst: „Hier sieht man, was der Mensch alles kann, zum Nutzen der Menschen und zur Bewahrung der Schöpfung.“ Die evangelische Pfarrerin Sabine Sommer legte Wert auf die Feststellung, dass die Bewahrung von Gottes Schöpfung nicht allein Firmen überlassen bleiben kann. „Sie ist unser aller Sache.“ Dann besprengten die Geistlichen die beiden Meißel mit Weihwasser, die Gäste beteten ein Vaterunser. Jetzt kann es also beginnen, das gewaltige Vorhaben.

Der Geschäftsführer von Erdwärme Isar, Dr. Markus Wiendieck, rief noch einmal die Dimensionen des „Geothermieprojekts Dorfen“, wie es offiziell heißt, in Erinnerung. Die Meißel werden 4000 Meter senkrecht in die Erde getrieben, dann wird die Bohrung in einem 75 Grad-Winkel Richtung Südwesten abgelenkt. Wenn alles gut geht, stößt man in zerklüftetem Kalkgestein auf 150 Grad heißes Wasser, das dann zwecks Stromerzeugung an die Oberfläche gepumpt wird.

60.000 Haushalte sollen mit Strom versorgt werden

Ganz schön groß - und etwa von der Autobahn zu sehen: Der 64 Meter hohe Bohrturm. 

Wiendieck ließ keinen Zweifel, dass die Zeit angesichts des Klimawandels überreif ist für solche Vorhaben. Die Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen sei „der größte Klimakiller“. Daher sei ein Umdenken erforderlich. „Wir müssen anfangen, lokal zu handeln.“ Für die Arbeiten, die in den nächsten Monaten anstehen, bat er um Verständnis: „All das wird leider nicht unbemerkt durchführbar sein.“ In einigen Monaten wolle man am tiefsten Punkt der Bohrung angelangt sein. Dann wisse man, ob der Standort wirklich geeignet ist.

Nun war das Projekt keineswegs unumstritten in Icking. Genau darauf ging Bürgermeisterin Margit Menrad ein. Es sei gut, dass sich der Gemeinderat so intensiv damit befasst habe. „Wir haben seit dem Jahr 2015 insgesamt 53 Tagesordnungspunkte abgearbeitet“, sagte Menrad. Es sei wichtig, derartige Projekte zu begleiten und nicht einfach geschehen zu lassen. Die Bürgermeisterin erinnerte an ein chinesisches Sprichwort. Es lautet: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windräder.“ Und Mauern seien das Letzte, was die Menschen momentan brauchen würden.

Landrat Josef Niedermaier hofft, dass der Landkreis dank des ambitionierten Projekts sein Ziel umsetzen kann, bis 2035 energieautark zu werden. Das heißt: Bis dahin soll zwischen Icking und der Jachenau mindestens ebenso viel Energie erzeugt werden, wie verbraucht wird. „Es wäre ein Riesenschritt“, so Niedermaier. Die Zahlen sprechen für sich: Beim Geothermieprojekt Dorfen soll regenerativer Strom für 60.000 Haushalte erzeugt werden. „Hoffen wir, dass das Potenzial, das in der Erde schlummert, gehoben werden kann“, sagte Niedermaier. Die Meißel stehen bereit.

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