Caroline Schöller und Sophie Lorenz auf dem Pitztaler Gletscher.
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Erinnerungsfoto: Die beiden Wanderinnen auf dem Pitztaler Gletscher.

Von Oberstdorf nach Meran

Wegen Corona-Pandemie: Abiturientinnen überqueren zu Fuß die Alpen - Über 5200 Höhenmeter überwunden

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Durch vier Täler und über zwei Grenzen hinweg: Caroline Schöller und Sophie Lorenz aus Icking wanderten nach dem Abi über die Alpen nach Meran.

  • Reisen fiel für die beiden Abiturientinnen aus Icking wegen Corona flach.
  • Deshalb beschlossen sie Wandern zu gehen.
  • Ihr Weg führte sie über die Alpen von Deutschland bis nach Italien.

Icking – Die Schulzeit ist zu Ende, das Abitur in der Tasche. Und nun? „Das mit dem Reisen fiel ja wegen Corona aus“, sagen Caroline Schöller (18) und Sophie Lorenz (19). „Dennoch – irgendetwas wollten wir machen.“ Also wanderten die beiden Freundinnen über die Alpen nach Meran.

Wegen Corona: Wandertour über die Alpen - 5200 Höhenmeter bergauf und 6500 bergab

Die beiden jungen Frauen sind seit der elften Klasse miteinander befreundet, teilen sich Hobbys wie Sport, Wandern und die Liebe zu den Bergen. Gemeinsam recherchierten sie im Internet – und stießen auf den Fernwanderweg E5, der in Etappen von Oberstdorf bis nach Meran führt: über 80 Kilometer, 5200 Höhenmeter bergauf und 6500 bergab, quer durch vier Täler und über zwei Grenzen hinweg. Schnell war klar: „Wir machen das.“

In die 45-Liter-Rucksäcke packten sie Magnesium, ein Erste-Hilfe-Set, Schnelltrockenhandtuch, Bettzeug sowie ein paar Kleidungsstücke zum Wechseln, und schon ging es los. „Wir sind bei strahlendem Sonnenschein gestartet“, erinnert sich Sophie. Als Wegweiser diente ein Reiseführer – der „so gut war, dass auch die anderen Wanderer gerne hineingeschaut haben.“ Apropos Wanderkollegen: „Die sahen wir immer wieder auf den verschiedenen Hütten beim Übernachten. Wir haben dann gleich eine WhatsApp-Gruppe gegründet“, sagt Caroline, „falls jemand Hilfe braucht.“

Wandertour in Corona-Zeiten über die Alpen: Mit ABBA in den Tag gestartet

Die anderen werden sich ihrerseits gut an die Mädchen erinnern, sorgten sie doch schon vor sechs Uhr früh dafür, dass alle wach wurden. Anstatt den Wecker auf Vibrationsalarm zu stellen, schallte aus Carolines Handy jeden Morgen in voller Lautstärke „Our Last Summer“ von ABBA. „Sonst wäre ich nicht wach geworden“, sagt die 18-Jährige.

Ziemlich beste Freundinnen: Mit Hilfe eines Reiseführers zogen Caroline Schöller (li.) und Sophie Lorenz los.

Die Wanderung führte die Mädchen auch an ihre Grenzen. „Gerade von Zams zur Braunschweiger Hütte, das verlangt einem alles ab“, sind sie sich einig. Umso größer ist der Stolz, es geschafft zu haben. „Aber man muss den anderen auch aushalten können“, sagt Sophie. Denn Erschöpfung und Frustration werden schnell am Wanderpartner ausgelassen. Nichtsdestotrotz hat dies der Freundschaft nicht geschadet. Gewöhnungsbedürftig war nur die Situation auf manchen Hütten. „Wenn es kein warmes Wasser mehr gab, musste man eben mit gletscherkaltem vorliebnehmen.“

Wandertour über die Alpen wegen Corona: Statt Obst Sauerkraut gegessen

Apropos Wasser: „Einmal wollten wir duschen“, erzählt Caroline. „Eine Minute 20 Sekunden kostete einen Euro – wir hatten aber nur noch eine Münze.“ Also sind die beiden Mädchen zusammen unter die Brause. „Gemeinsam zittert es sich besser“, meint Sophie und lacht herzlich. Was die beiden Wanderinnen vermissten, war ausreichend Obst. „Klar, alles muss ja irgendwie nach oben gebracht werden“, zeigen sie Verständnis. „Also haben wir uns als Vitaminlieferant immer Sauerkraut bestellt.“

Unvergesslich wird die Ankunft in Meran bleiben. „In der Früh standen wir im Schnee, dann hatten wir plötzlich Palmen vor uns.“ Mit dem Flixbus ging es nach einem Erholungsaufenthalt in der Therme zurück ins heimische Icking. „Nur wurde Südtirol inzwischen zum Risikogebiet bezüglich Corona erklärt – also mussten wir uns erst einmal testen lassen.“ Das Ergebnis: negativ.

Und was ist das Fazit der Tour? „Man ist heutzutage so auf soziale Medien fixiert – dabei braucht man das gar nicht.“ Und: „Man kommt mit viel weniger aus, als man denkt. Man gewinnt an Zuversicht und Selbstvertrauen – ganz nach dem Motto ,Just do it‘, Tu es einfach.“

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