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Pippi Langstrumpf und “Herr Nilsson“ haben die Welt mit anderen Augen gesehen.

Gastbeitrag

Ickinger Pfarrerin erklärt, was wir von Pippi Langstrumpf lernen können

Pippi Langstrumpf hat viele durch die Kindheit begleitet. Dass mehr hinter dem starken Mädchen steckt, ist Thema unseres Gastbeitrags von Pfarrerin Sabine Sommer.

Geretsried - „Zwei mal drei macht vier, Widdewiddewitt, und drei macht neune!! Ich mach’ mir die Welt, Widdewidde, wie sie mir gefällt…“, so singt Pippi Langstrumpf im Film. Und tatsächlich schafft sie es, die Welt mit anderen Augen zu sehen und anders zu leben als die anderen Menschen.

Sabine Sommer Evangelische Pfarrerin in Icking

Mit unseren Worten schaffen wir Realitäten. Das wussten auch schon die Menschen im alten Israel. Das hebräische Wort „Dabar“ wird meistens mit „Wort“ übersetzt, aber es kann auch „Ding“ bedeuten. Denn wenn wir ein Wort aussprechen, dann wird aus diesem Wort eine Realität, ein Ding. Mit unseren Worten schaffen wir Realitäten. Wenn wir über die Welt reden, dann verbreiten wir damit unsere Sicht auf die Welt – und je mehr Menschen dann unsere Weltsicht teilen, umso mehr werden wir unsere Weltsicht für die Realität halten. So reden wir uns viele Dinge schön!

Durch unsere Wortwahl werden auch in unserem Land Realitäten geschaffen. Wir sind uns sicher alle einig, dass wir im Falle eines Angriffs unsere Grenzen schützen müssen. Was aber passiert, wenn wir im Kontext der Flüchtlingskrise davon reden, dass wir unsere Grenze schützen müssen? Da werden aus verzweifelten, Schutz suchenden Menschen, die versuchen, Europa zu erreichen, plötzlich Angreifer, vor denen wir uns schützen müssen. Und wir müssen uns noch nicht einmal schämen, wenn wir sie im Mittelmeer ertrinken lassen, denn schließlich schützen wir uns ja nur.

(Lesen Sie auch: Geretsrieder Diakon erklärt: Warum Ruhe und Meditation so wichtig sind)

Wenn unsere Medien nur noch von den Kriminellen und Gefährdern unter den Flüchtlingen berichten, dann fangen wir an, alle anderen auch zu verdächtigen, und die positiven Geschichten bezeichnen wir plötzlich als Ausnahmefälle.

Wie schön wäre es, wenn in uns mehr von Pippi Langstrumpf stecken würde und wir uns die Welt so machten, wie sie uns gefällt. Wie schön wäre es, wenn wir mehr von den Erfolgsgeschichten reden würden, von den jungen Flüchtlingen, die bei uns in Deutschland eine Ausbildung angefangen haben, die Arbeit gefunden haben, damit unser Sozialsystem unterstützen und in Sparten arbeiten, in denen uns bisher Leute gefehlt haben.

(Lesen Sie auch: So verzaubert eine Gaißacherin kranke und behinderte Kinder in ganz Bayern)

Wie schön wäre es, wenn wir mehr von den Freundschaften berichten würden, die zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen entstehen. Wie schön wäre es, wenn wir mehr über die Hilfsbereitschaft der Menschen hören würden, die zu uns gekommen sind.

Denn all das gehört auch zur Realität und ist es wert, berichtet zu werden. Darüber sollen wir die Probleme nicht vergessen oder totschweigen, aber es kann und soll sie relativieren. Das wird unsere Sicht auf die geflüchteten Menschen wieder positiver machen. Denn mit unseren Worten schaffen wir Realitäten.

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