Hoch über dem Isartal: Bürgermeisterin Verena Reithmann in ihrem Bürgermeisterzimmer.
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Hoch über dem Isartal: Bürgermeisterin Verena Reithmann in ihrem Bürgermeisterzimmer.

Verena Reithmann über Corona, 5G und neue Wohnungen

Ickings Rathauschefin im Interview: Ihr fehlt der direkte Kontakt zum Bürger

  • vonAndrea Kästle
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Im Interview erzählt Ickings Bürgermeisterin Verena Reithmann über die ersten acht Monate ihrer Amtszeit.

Icking – Verena Reithmann (UBI) ist seit neun Monaten Bürgermeisterin von Icking, ihr Arbeitsbeginn im Rathaus fiel zusammen mit dem Höhepunkt der ersten Corona-Krise. Damit hängt auch einer der Punkte zusammen, die sie am meisten schmerzen, nämlich dass der Dialog mit dem Bürger nur jeweils im kleinen Rahmen stattfinden kann. Sie hätte heuer lieber eine ordentliche Bürgerversammlung abgehalten.

Frau Reithmann, Sie sind als Quereinsteigerin Bürgermeisterin geworden. Wie geht es Ihnen nach neun Monaten im Job?

Verena Reithmann: Meine Mitarbeiter haben mir den Einstieg hier im Rathaus sehr leicht gemacht. Es war kein Problem, in die Zusammenarbeit reinzufinden – auch weil, wenn was sein sollte, das von den Beteiligten angesprochen wird. Das ist sehr angenehm.

Wie viele Leute arbeiten eigentlich in der Ickinger Verwaltung?

Verena Reithmann: Ich kann sie fast an beiden Händen abzählen, wir haben zwölf Mitarbeiter, teilweise in Teilzeit.

Sie sind Juristin, hatten Sie vorher schon mal eine Führungsposition inne? Kannten Sie sich mit Verwaltungsabläufen aus?

Verena Reithmann: Ich habe selbstständig gearbeitet, von zuhause aus, meist für Fachverlage. Das war mit drei Kindern gut nebenher machbar. Ich war allerdings eine „Einzelkämpferin“. Erfahrung im Umgang mit verschiedenen Behörden habe ich wiederum aus meiner zehnjährigen Tätigkeit als Elternbeirätin am Gymnasium Icking mitgebracht.

Das Gymnasium ist ja in Ihrer aktiven Zeit lang eine Baustelle gewesen. Viel musste dort umgebaut werden, aber auch der Physik-Neubau ist entstanden.

Verena Reithmann: Genau, und damit dieser Neubau Wirklichkeit werden konnte, mussten wir im Kreisrat und in den beteiligten Gemeinden viel Überzeugungsarbeit leisten. Das ging weit über das hinaus, von dem man gemeinhin annimmt, dass es Elternvertreter beschäftigt.

Es ist ziemlich mutig, mit 53 Jahren, wenn die Kinder auf dem Sprung sind ins eigene Leben, noch mal etwas ganz Neues anzufangen.

Verena Reithmann: Mutig war vor allem, mich überhaupt zur Wahl zu stellen. Dann ist alles gekommen, wie es kam – und es kam am Ende wirklich gut. In mir ist, so kommt es mir vor, als die Kinder groß waren, ein Potenzial frei geworden ist, das gehoben werden wollte.

Und dann fiel ihr Arbeitsbeginn im Rathaus genau mit dem Höhepunkt der ersten Corona- Krise zusammen.

Verena Reithmann: Ja, wobei die Hauptlast, die das Managen dieser Krise bedeutet, in unserem Fall beim Landratsamt liegt. Ich kann nicht sagen, dass die Pandemie für mich eine größere Arbeitsbelastung bedeutet, sie beschäftigt mich eher in anderem Zusammenhang...

… nämlich?

Verena Reithmann: Ich würde unheimlich gern eine Bürgerversammlung abhalten und den Ickingerinnen und Ickingern erzählen, was wir so vorhaben und darüber diskutieren. Das geht jetzt natürlich nicht. Und dann hat man natürlich beständig Sorge, dass sich in einer der kommunalen Einrichtungen Leute infizieren.

Haben Sie im Rathaus deswegen in zwei Schichten gearbeitet?

Verena Reithmann: Das war bei uns nicht nötig, die meisten Kolleginnen und Kollegen haben ihr eigenes Büro. Was allerdings entfallen musste, war das gemeinsame Mittagessen, das die starke Struktur in unserem Rathaus mit prägt.

Sie kochen unter normalen Umständen mittags zusammen?

Verena Reithmann: Ja. Manchmal bringt auch jemand etwas mit, manchmal holen wir uns etwas.

Gab es etwas am neuen Job, das Sie überrascht hat? Was sie sich anders vorgestellt hatten?

Verena Reithmann: Im negativen Sinne nicht. Positiv überrascht war ich von der guten Zusammenarbeit mit Landratsamt und Staatlichem Bauamt etwa in Sachen Radweg Ebenhausen-Icking. Ich finde es unglaublich, dass der erste Teilabschnitt bis Holzen wirklich in diesem Jahr begonnen wird.

Im Ickinger Gemeinderat sitzen neben SPD, CSU und Grünen drei freie Wählergruppen. Wie funktioniert das?

Verena Reithmann: Sehr gut. Unser Gremium hat schon immer individuell diskutiert. Dass es keine festen Mehrheiten gibt, macht die Sache nur spannender. Trotzdem fassen wir viele Beschlüsse einstimmig.

Was unterscheidet Ihre UBI eigentlich genau von der Ickinger Initiative und der PWG?

Verena Reithmann: Ich würde sagen, die Ickinger Initiative und die PWG denken ein klein wenig konservativer, vielleicht auch traditioneller als wir. Die UBI ist eher bereit, mehr Neues zu wagen im Sinne unserer Bürger.

Ein großes Projekt in den vergangenen Jahren war der Glasfaser-Ausbau, den die Gemeinde selbst gestemmt hat.

Verena Reithmann: Für eine kleine Gemeinde wie Icking war das ein Wahnsinns-Unterfangen. Und dann waren nach zweieinhalb Jahren die Bauarbeiten kurz vor der Pandemie, als dann alle ins Homeoffice gegangen sind, so gut wie abgeschlossen.

Eine Punktlandung. Fehlt der Gemeinde jetzt nach dem finanziellen Kraftakt, der das Ganze ja auch gewesen ist, Geld an anderer Stelle?

Verena Reithmann: Meine Erfahrung: Es ist immer so, dass man sparen muss, um Mittel verfügbar zu haben für das Richtige.

Nirgends ist heuer so viel über 5G diskutiert worden wie in Icking. Der 40 Meter hohe Mast, der hinters Gymnasium kommen sollte, ist erstmal vom Tisch?

Verena Reithmann: Es sieht so aus, ist aber noch nicht ganz sicher.

Es gibt zwei Bürgerinitiativen gegen die geplante massive Verdichtung des Mobilfunknetzes, die Initiatoren wollen 5G in Icking verhindern.

Verena Reithmann: Die Situation ist schwierig. Wenn wir verhindern wollen, dass etwa nicht einfach die nicht besonders glücklich gewählten, vorhandenen Standorte ausgebaut werden, müssen wir eigene Konzentrationsflächen vorschlagen. Dort muss der Standort dann aber auch verwirklicht werden können. Ähnlich gestaltet sich das Dilemma, wenn neue Standorte angefragt werden. Wenn wir Einfluss auf den Standort nehmen wollen, muss die Verwirklichung auch möglich sein.

Jeder hat ein Handy, keiner will die Mobilfunkantennen, das geht natürlich nicht zusammen.

Verena Reithmann: Wir haben wegen S-Bahn, Bundesstraße und Gymnasium eine besonders intensive Handynutzung am Ort – sie liegt um ein Viertel höher als anderswo.

Ein großes Vorhaben sind die Wohnungen, die auf dem Areal der abgebrannten Reithalle entstehen sollen.

Verena Reithmann: Unsere Idee ist, über das Instrument eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans unsere Vorstellungen an der Stelle verwirklichen zu können. Wir wollen hier ja Mietwohnungen umsetzen, daneben ist ein gewerblicher Bereich angedacht.

Sie haben, um sich inspirieren zu lassen, Kontakt aufgenommen zum „Wessobrunner Kreis“, der qualitätvolle Architektur und zukunftsorientierte Planungen fördert.

Verena Reithmann: Die Zusammenarbeit mit Benedikt Sunder-Plassmann, dem Initiator des Wessobrunner Kreises, hat die Ickinger SPD vermittelt. Wir erhoffen uns einigen Input von der Kooperation. Teile des Gemeinderats haben sich von Herrn Sunder-Plassmann auch schon bestehende Projekte zeigen lassen. Da gab es überzeugende Ansätze.

Gibt es sonst noch Vorhaben, die Ihnen in Icking besonders wichtig sind?

Verena Reithmann: Ich will die Wasserversorgung sichern – was aufwendiger ist, als es klingt. Die Genehmigung für unsere Brunnen ist ausgelaufen, wir müssen in die Infrastruktur investieren, Leitungen sanieren, eine Notwasserleitung bauen. Eine dezentrale Trinkwasserversorgung ist ein wertvolles Gut, das man hegen und pflegen muss.

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