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Ein echtes Qualitätsprodukt: Milch ist ein hochwertiges Lebensmittel und sollte entsprechend vermarktet werden, findet Ruth-Maria Frech.

Die Zukunft ist der freie Markt

Braucht's die Milchquote? Junge Landwirtin sagt "Nein"

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Zukunft ist der freie Markt: Im Gespräch sagt Landwirtin Ruth-Maria Frech, dass es die Milchquote nicht braucht. Sie fordert stattdessen andere Maßnahmen.

Vor kurzem hat sich ein für die 1200 Milchbauern im Landkreis wichtiger Tag gejährt: Am 1. April 2015 ist die Milchquote ausgelaufen. Seitdem dürfen die Landwirte nach mehr als drei Jahrzehnten wieder ohne Einschränkungen Milch produzieren. Sie müssen es jedoch schaffen, die Mengen auf dem vollkommen freien und von keinen staatlichen Eingriffen beeinflussten Markt zu verkaufen. Ruth-Maria Frech (24) ist angehende Landwirtin aus Irschenhausen und Mitglied im Arbeitskreis Agrar bei der Bayerischen Jungbauernschaft. Mit ihr sprach Volker Ufertinger.

Der 1. April 2015 war ja ein Datum, über das im Vorfeld viel diskutiert wurde. Was dachten Sie ganz persönlich vorher, wie sich die Abschaffung der Quote auswirken würde?

Der Milchpreis war ja schon zum Quotenende hin am Sinken, daher war mir durchaus bewusst, dass dieser Trend sich erst einmal fortsetzen würde.

Ist es dann so gekommen, wie Sie es sich gedacht haben?

Ruth-Maria Frech ist angehende Landwirtin aus Irschenhausen.

Klares Jein. Die Milchmenge ist aus gesamtdeutscher Sicht nicht weiter gewachsen als in den Jahren zuvor auch schon. Dass das Tief auf dem Milchmarkt von so langer Dauer sein würde, hätte ich nicht erwartet. Das hat meiner Meinung nach weniger mit der Abschaffung der Quotenregelung zu tun, sondern vielmehr mit dem Russlandembargo und reduzierter Exportmärkte wie etwa China. Auch während wir mit der Quote produzierten, waren die Milchpreise oft am Boden, oft sogar unter den aktuellen Preisen.
 
Wünschen Sie sich die Quote zurück?
 
Auf keinen Fall. Die Quote hat meiner Meinung nach keinem zukunftsorientiertem Milchbauern etwas gebracht. Der junge Milchbauer, der durch Zucht, verbesserte Haltung und Fütterung oder eben auch durch einen größeren, moderneren Stall mehr Milch liefern konnte, was er ja durch seinen Tatendrang geschafft hat, hätte Quote kaufen müssen. Am Milchpreis hat dieses System wenig geändert, der orientierte sich schon länger am Weltmarkt.

Verdienen Sie auf Ihrem Hof in Irschenhausen mit der Milch jetzt weniger als zu Zeiten der Quote?

Selbstverständlich tun wir das. Wir haben unsere Milchproduktion nicht weiter ausgedehnt. Wir haben nach wie vor unsere rund 50 Milchkühe mit nahezu gleich bleibender Milchleistung. Wir verdienen derzeit rund 30 Prozent weniger als noch vor zwei Jahren.

Sie sind eine angehende Landwirtin. Glauben Sie, dass Sie mit der Situation, so wie sie jetzt ist, auf Dauer leben müssen?

Ich bin mir durchaus bewusst, dass das aktuelle Tief auf dem Milchmarkt noch nicht überwunden ist. Ich werde, wenn ich für diesen Markt produzieren möchte, natürlich mit den Schwankungen leben müssen. Aber wo es ein Tief gibt gibt es irgendwo auch wieder ein Hoch, da bin ich ganz zuversichtlich. Man sollte als Unternehmer nur aufpassen, dass man nicht mit den Preisen der Hochs kalkuliert bei neuen Investitionen. Außerdem gibt es in der Landwirtschaft durchaus auch andere Einkommensalternativen, wie in unserem Fall Fotovoltaik oder Wald.

Sie sind Mitglied im Arbeitskreis Agrar bei der Bayerischen Jungbauernschaft. Was ist die wichtigste Forderung der jungen Landwirte in Sachen Milchpolitik?

Für mich ist das eine Vermarktungsinitiative für unsere qualitativ hochwertigen Produkte. Global und national könnten hierdurch gleichzeitig das Image der Landwirtschaft verbessert, Absatzmärkte erobert und auch das Bewusstsein für unsere Nahrung gefördert werden. Mehr Lust auf gutes Essen und werthaltige Lebensmittel sollte das Ziel der Kampagne sein. Wir haben in Deutschland die hochwertigsten und gleichzeitig billigsten Lebensmittel. Das passt für mich nicht zusammen. Unsere tägliche Milch ist mehr wert, als wir bezahlen müssen.

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