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Sylvia Zucker ist Mitbegründerin des vielfach preisgekrönten Gémeaux-Quartetts. Die vier Musiker gastieren am Wochenende in Icking.

Im Gespräch mit Sylvia Zucker

Interview: So anspruchsvoll ist der Ickinger Frühling

Icking – „Musikalischer Austausch auf höchstem Niveau“: Das sagt Sylvia Zucker zum Ickinger Frühling im Gespräch mit unserer Zeitung. Am Samstag beginnt die Reihe.

Beim „Ickinger Frühling“ am kommenden Samstag und Sonntag werden wie berichtet Spitzen-Ensembles aus Moskau, London, Paris und Basel erwartet. Das Gémeaux-Quartett markiert Beginn und Abschluss der fünf Konzerte im Rahmen des 3. Internationalen Streichquartett-Festivals. Unsere Redaktion sprach mit Sylvia Zucker, Mitbegründerin des vielfach preisgekrönten Gémeaux-Quartetts.

Frau Zucker, das Gémeaux-Quartett ist seit Jahren auf internationalen Bühnen unterwegs. Was ist das Besondere am „Ickinger Frühling“?

Wir haben in Icking schon in der Vergangenheit konzertiert und schätzen vor allem die Verbindung von ländlich familiärer Atmosphäre und musikalischem Austausch auf höchstem Niveau. Musiker und Publikum begegnen sich auf Augenhöhe und kommen sich auf einer ganz persönlichen Ebene näher. Die Musik und das Gespräch stehen im Mittelpunkt. Das ist ungeheuer inspirierend.

Zum „Ickinger Frühling“ präsentieren sich erstklassige junge Quartette und reife Ensembles, die auf eine lange Konzerttradition zurückblicken. Gibt es für Sie so etwas wie einen typisch jungen Klang?

Nein. Wenn, würde ich eher von einer länderspezifischen Auffassung sprechen – etwa eine russische, eine asiatische, eine französische und deutsche Klangfärbung. Da gibt es tatsächlich Unterschiede in den Schwerpunkten der Ausbildung – beispielsweise im Umgang mit Vibrato, Transparenz, Luftigkeit oder Strenge. Letztlich wird sich aber jedes erfolgreiche Ensemble irgendwann von Vorbildern und Mustern lösen und seinen persönlichen Klangkörper finden.

Wie würden Sie das Besondere Ihres Klangbildes beschreiben?

Wir vereinen im Gémeaux-Quartett vier verschiedene Nationen: Arisa Fujita aus Japan, Francesco Sica aus Italien, Matthijs Broersma aus den Niederlanden. Ich selbst komme aus Deutschland und habe meine musikalischen Wurzeln im schweizerischen Basel und in Salzburg aus meiner Zeit am Mozarteum, insbesondere auch durch die Zusammenarbeit mit dem Hagen-Quartett. So hat jeder von uns eine eigene Klangästhetik im Gepäck, die dem Ganzen eine besondere Lebendigkeit verleiht. Es ist uns sehr wichtig, das Charakteristische jeder einzelnen Stimme zu bewahren, herauszuarbeiten und daraus ein ganz eigenes Klangbild zu formulieren: eines, das die Unterschiede nicht verschleift, sondern eine spezifische Farbigkeit entwickelt.

Wie gehen Sie vor?

Das Erarbeiten eines Stückes ist immer auch ein schöpferischer Akt, der Überraschendes zu Tage fördert. Wir arbeiten in mehreren Schritten: zunächst proben wir sehr langsam, um die Struktur, die Harmonien, Stimmen und ihre Rollen zu erkennen und zu vernetzen. Im zweiten Schritt steigen wir tiefer in die Interpretation und das Gefüge ein. Wir entwickeln die Dramaturgie des Stückes. Diese ist ein bewegliches Gefüge, sodass jede Aufführung einmalig ist – selbst wenn wir ein Stück schon 50 Mal gespielt haben. Wenn man es schafft, in jedem Moment mit vier offenen Ohrenpaaren zu musizieren, dann wird man in jedem Konzert neue Facetten des Werkes und der Mitspieler entdecken. Das ist das Schöne an unserer Arbeit.

Was bedeuten für Sie als Quartett Ausflüge in die Quintett-Literatur?

Das bereichert uns in jeder Hinsicht, denn jeder Partner hat eine andere Sichtweise auf ein Stück. Das ist ein höchst spannender Prozess. Im „Ickinger Frühling“ werden wir neben Szymon Marciniak und Franziska Hölscher erstmals mit Benjamin Moser, Gewinner des Tschaikowsky-Wettbewerbs in Moskau, als Partner im Forellenquintett spielen. Darauf freue ich mich sehr.

Sie haben viele Preise und Auszeichnungen erhalten. Welcher hat für Sie die größte Bedeutung?

Wettbewerbe sind im heutigen Konzertleben ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Besonders gefreut hat uns neben vielen anderen der begehrte Publikumspreis beim ARD- Wettbewerb 2008.

Der „Ickinger Frühling“

Infos zur zweitägigen Veranstaltung in der Isartalgemeinde und zu den Künstlern gibt’s im Internet (www. klangwelt-klassik.de) Einzelkarten kosten zwischen 25 und 30 Euro, das Gesamtpaket für alle fünf Konzerte 99 Euro.

Eintrittskarten erhält man über Klangwelt-Klassik unter Telefon 0 81 78/71 71 sowie bei Schreibwaren Baumgartner in Icking, der Buchhandlung Isartal in Ebenhausen sowie über München-Ticket (www. muenchenticket.de).

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