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Aufklärungsarbeit: Benedikt Schrettenbrunner von der DLRG in Geretsried spricht mit unserer Mitarbeiterin Tanja Lühr beim Ickinger Wehr über die Gefahren für Bootfahrer auf der Isar. Die Ausflügler im Hintergrund sind einsichtig – sie packen ihre Schlauchboote wieder ein.

Wegen Chaoten: Retter in Gefahr

Isar-Bootstouren: Rettungskräfte appellieren an die Chaoten

Bad Tölz-Wolfratshausen – Noch ist die Isar für Bootfahrer gesperrt. DLRG- Einsatzleiter Benedikt Schrettenbrunner erklärt, wo und warum es „die Reißende“ in sich hat – und wie man sich richtig verhält.

Ein Wochenende war das keins für den 26-jährigen Technischen Leiter Einsatz bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Geretsried. Am Samstag fuhr Benedikt Schrettenbrunner von mittags bis spätabends von einer Unfallstelle zur nächsten. Überall zwischen Geretsried und Pullach waren Schlauchboote gekentert oder in Gefahr geraten (wir berichteten). Am Sonntag war der junge Mann hauptsächlich damit beschäftigt, Unvernünftige durch Warnen und Mahnen von der gefährlichen Fahrt auf der Isar abzuhalten – nicht immer erfolgreich.

"Nur für Chaoten möchte man nicht unterwegs sein"

Schrettenbrunner, dessen ganze Familie bei der DLRG Geretsried aktiv ist, liebt sein Ehrenamt. Nach Tagen wie den vergangenen sagt er aber deutlich: „Nur für Chaoten möchte man nicht unterwegs sein.“ Zumal die Wasserretter nicht selten die eigene Gesundheit oder sogar ihr Leben aufs Spiel setzen.

Rettungseinsätze auf der Isar: Die Bilder

Nicht nur aus Abenteuerlust, auch aus Unwissenheit würden viele Menschen den relativ unbegradigten Wildfluss Isar unterschätzen, sagt Schrettenbrunner. Besonders zwischen der Tattenkofener Brücke in Geretsried und der Marienbrücke in Wolfratshausen gebe es stark verblockte Sellen. Das heißt, Baumstämme und Altholz haben sich, für den Bootfahrer nicht sichtbar, unter der Wasseroberfläche angesammelt.

Mit dem Boot kann man darin hängen bleiben, als Schwimmer sich im Geäst verfangen und verletzen. Einige hundert Meter vor dem Ickinger Wehr fordern große Hinweisschilder dazu auf, das Wehr zu umtragen. Doch immer wieder würden Kanu- und Schlauchbootfahrer sich nicht daran halten, weiß Schrettenbrunner aus seiner achtjährigen Erfahrung bei der DLRG. Deren Mitglieder, die der Wasserwacht und der Feuerwehr – im Notfall auch eine Hubschrauberbesatzung – müssen die an der Wehrwand Festgefahrenen dann retten. Manche Freizeitkapitäne würden auch die alte Floßrutsche neben dem Wehr benutzen. Gerade bei Hochwasser könne man hier leicht kentern oder zwischen zwei Stauwellen eingeschlossen werden, warnt der Einsatzleiter.

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Selbst wenn Bayerns viertgrößter Fluss weniger Wasser führe als im Moment, sei er nicht zu unterschätzen. „Man weiß nie, wo sich Altholz angesammelt hat.“ Die Wasserretter würden deshalb nur mit Neoprenanzug (zum Schutz vor Kälte und Abschürfungen) mit Helm, Prallschutzweste und Neoprenschuhen in die Isar gehen. Die Raftingboot-Verleiher hätten sich vor einigen Jahren dazu verpflichtet, den Reisenden eine entsprechende Sicherheitsausstattung mitzugeben. Leider würden viele Bootsinsassen nicht einmal Schwimmwesten tragen, berichtet Schrettenbrunner: „Es ist ein Trend der Zeit, dass die Menschen Gefahren nicht mehr ernst nehmen. So gibt es Wanderer, die meinen, mit Turnschuhen den Jubiläumsgrat zur Zugspitze raufsteigen zu können.“

Der 26-jährige Geretsrieder darf selbstverständlich keinen Unterschied machen zwischen den leichtsinnigen, oft alkoholisierten und den „vernünftigen Schiffbrüchigen“ oder Badenden. „Das wäre ja sonst unterlassene Hilfeleistung.“

Ein Dankeschön hören die Retter leider selten, sagt Schrettenbrunner. Frustriert wirkt der junge Mann deswegen aber nicht. Ihm liegt das Helfen und Retten offenbar im Blut – oder in den Genen. Tödliche Unfälle wie die der beiden jungen Badenden in den vergangenen Wochen „gehen mir allerdings schon nahe“, räumt er ein. Nach solchen Einsätzen seien dann die Kameradschaft innerhalb des Teams und die psychologische Nachsorge durch geschulte Fachleute wichtig.

von Tanja Lühr

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