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Mit wenig Tiefgang, aber mit viel Klischee handelte der wortgewandte ehemalige Schreiner und Hochzeitslader Stefan Kröll sein „Projekt Minga“ ab. Das Publikum im Dorfener Vereineheim hatte sichtlich Freude daran.

Stefan Krölls „Projekt Minga“ im Dorfener Vereineheim

Kabarett: So sieht der Provinzler München

Dorfen/Icking – Stefan Krölls „Projekt Minga“ im Dorfener Vereineheim sorgt trotz fehlenden Tiefgangs für Erheitung. Er erzählt über München aus Sicht eines Provinzlers.

Als das Licht am Sonntagnachmittag im verdunkelten Vereineheim zu Dorfen ausging, gab es gleich die erste Überraschung. Stefan Kröll war in seinem aktuellen Programm „Projekt Minga“ nicht alleine auf der Bühne – er hatte den Gitarristen Andreas Späth mitgebracht. Was sich übrigens im Laufe des Programms als glänzende Idee herausstellen sollte. Der Kabarettist aus dem Raum Rosenheim beschreibt sein aktuelles Stück als Streifzug eines Provinzlers durch die Landeshauptstadt. Seiner Ansicht nach ein Wagnis, bei dem nicht nur die verschiedenen Archetypen der Stadtbewohner zur guten Unterhaltung des Publikums vorgeführt werden sollen. Wie selbstverständlich lieferte Kröll dabei in Dorfen noch einen versiert vorgetragenen sehr informativen historischen Abriss der Stadtgeschichte seit ihrer Gründung im Jahr 1158.

Los ging es im imaginären Auto auf eine Reise durch die große Stadt unter Vermeidung öffentlicher Verkehrsmittel, die ohnehin nur etwas für „Erdkundelehrer, Evangelische und SPD’ler“ seien. Und für deren Benutzung obendrein viele Jahre intensiven Hochschulstudiums nicht ausreichen würden, um hinter das Geheimnis der Zoneneinteilung und Netzpläne zu kommen. Von den dazu gehörigen Fahrkartenautomaten ganz zu schweigen. Ohne zu zögern wurden auf der Bühne die 1970er Jahre mit „blumenbortenverzierten“ künstlich erweiterten Schlaghosen, die heutzutage nervend bestens gelaunten Rundfunkmoderatoren und die seit jeher sattsam bekannten Klischees des Verhältnisses von Frauen und Männern der Reihe nach abgehandelt. Welfenherzog Heinrich der Löwe, Bischof Otto von Freising und Kaiser Ludwig, der Bayer aus dem Hause Wittelsbach, bildeten den eher ungewöhnlichen Rahmen, in dem ewig zuwider schauende Ehefrauen, betrunkene Männer, die unattraktive Camilla Parker Bowles und sogar die gusseiserne Bavaria sich ein Stelldichein gaben.

In die Beschreibung seiner verschiedenen Alltagshelden, die sich eher respektlos zwischen die verschiedenen historischen Ereignisse mischten, packte Kröll auch noch jede Menge Zahlenwerk, dessen Wahrheitsgehalt auf die Schnelle allerdings kaum einer geprüft haben dürfte. Angeblich „zehn Millionen Euro“ kämen jährlich etwa in der Landeshauptstadt durch Falschparken zusammen, 530 Maß Bier würden pro Tag in München getrunken und wiederum elf Maß echten Wiesn-Bieres würden laut Kröll das Sehvermögen um ganze 100 Prozent reduzieren.

Kaum ein Klischee entkam dem wortgewandten ehemaligen Schreiner und Hochzeitslader, was das Publikum mit großer Erheiterung applaudierend begrüßte. Dabei schien es vollkommen unerheblich, dass außer des Bezugs auf die historische Stadtentwicklung die dargestellten Menschentypen keine spezifische Münchner Eigenheit darstellten, sondern so und ähnlich überall vorkommen. Und man sich an der Stelle durchaus auch fragen hätte können, warum gerade ihnen eine derartige Bedeutung im „Projekt Minga“ zugewiesen wurde.

Das Ickinger Publikum jedenfalls hatte sichtliche Freude an Krölls Typenbeschreibungen in diesem in „Dialekt verfassten Stück“, das von dem Gitarristen Andreas Späth im Hintergrund anspruchsvoll bis hin zum unerwarteten wunderbaren zweistimmigen Gesang untermalt und bereichert wurde. Nach der Zugabe verließen die Zuschauer vergnügt das Vereineheime nach einem unterhaltsamen Kababarettnachmittag, bei dem der fehlende Tiefgang weder erwartet noch vermisst worden zu sein schien.

von Assunta Tammelleo

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