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Vier für Icking: Die Ickinger Kandidatinnen (v.li.) Laura von Beckerath-Leismüller (Grüne), Beatrice Wagner (SPD), Cornelia Zechmeister (PWG) und Verena Reithmann (UBI) stellten sich den Fragen von Carl-Christian Eick, Redaktionsleiter des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur. 

Kommunalwahl 2020: Podiumsdiskussion im Ickinger Vereineheim

Vier Kandidatinnen liefern sich einen munteren Schlagabtausch

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Eineinhalb Stunden diskutierten die vier Ickinger Bürgermeisterkandidatinnen auf Einladung unserer Zeitung am Dienstag im Dorfener Vereineheim. Es ging zur Sache. 

Icking– Ganz am Schluss hatte Moderator Carl-Christian Eick noch eine letzte Frage an die vier Bürgermeisterkandidatinnen auf dem Podium. Nämlich, welche Schlagzeile sie am 16. März, also am Tag nach der Kommunalwahl, gerne in der Zeitung lesen wollen. „Endlich SPD“, sagte Beatrice Wagner (SPD). „Frischer grüner Wind“, wünschte sich Laura von Beckerath-Leismüller (Grüne). „Bewährte Kräfte machen mit neuer Kraft weiter“, titelte Verena Reithmann (UBI). „Mit ihr läufts“, formulierte Cornelia Zechmeister (PWG). Fest steht: Mit der Podiumsdiskussion hat unsere Zeitung den Ickingern die Entscheidung etwas leichter gemacht, wem sie ihr Vertrauen schenken wollen - und wie die Schlagzeile zuletzt lautet. Gut 200 Bürger ließen sich von Schnee und Wind nicht abhalten und kamen ins Dorfener Vereineheim. Carl-Christian Eick, Redaktionsleiter des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur, führte souverän durch die Debatte.

Reizthema Bezahlbarer Wohnraum

Thema Nummer eins, in jeder Hinsicht: bezahlbarer Wohnraum. Sehr rasch kam die Runde auf das Areal der einstigen Reithalle zu sprechen. Beckerath-Leismüller wollte alle bisherigen Planungen zurück auf Null stellen: „Wir sollten erst die Bürger fragen, was sie dort wollen. Und wenn das wieder eine Reithalle und ein Biergarten ist, dann machen wir das eben“, erklärte sie.

Wagner plädierte für einen „Paradigmenwechsel“. Sie will am Isarhochufer eine Modellsiedlung entstehen lassen mit „guter Durchmischung“. Reithmann erinnerte daran, dass der Eigentümer einen Verkauf ablehne. Die Gemeinde habe aber die Möglichkeit, sich für bestimmte Wohnungen ein Erstbelegungsrecht zu sichern. Dank gedeckelter Mieten sei es denkbar, Gemeindebürgern und -mitarbeitern bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Zechmeister warnte davor, zu viel Zeit zu verlieren, etwa durch Architektenwettbewerbe. Ganz grundsätzlich plädierte sie dafür, den „Charme von Icking“ zu bewahren, sprich den „Gartenstadtcharakter“. Zu diesem Zweck sei Nachverdichtung unumgänglich, etwa durch den Ausbau von Dachgeschosswohnungen.

Voll besetzt: Im Dorfener Vereineheim verfolgten 200 Bürger die Debatte mit Spannung.

Auch das zweite Thema hatte es in sich: Klimaschutz. Reithmann rief ins Bewusstsein, dass die Gemeinde sich dazu verpflichtet habe, bis 2035 unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Man sei auf einem guten Weg. Viel verspricht sie sich von einer Bürgerstiftung für Photovoltaik-Anlagen unter dem Titel „300 für Icking“. Wie zu erwarten genügte dies der Grünen-Kandidatin nicht. Sie warf der Gemeinde Versäumnisse vor, etwa, dass es auf dem neuen Rewe keine Photovoltaikanlage gebe. Die Erwiderung von Reithmann, dass das nicht schön ausgesehen hätte, wischte sie weg: „Ästhetik spielt da doch keine Rolle. Das wird draufgeballert, fertig.“ Johlen im Publikum.

Das Publikum johlt und applaudiert

Auch Wagner forderte deutlich mehr Anstrengungen, etwa durch die Einstellung eines Energiebeauftragten. Sie legte gar einen Sechs-Punkte-Plan vor. Zechmeister gab zu bedenken, dass jede Maßnahme Geld koste, das anderswo fehlt. Immerhin: Dass ein Photovoltaik-Park auf dem Areal der gescheiterten Geothermie-Bohrung in Attenhausen sinnvoll ist, darin waren sich alle einig.

Auch beim Komplex Verkehr gingen die Meinungen weit auseinander. Rigoros erklärte Beckerath-Leismüller: „Wir müssen es baulich unattraktiv machen, dass man in Icking überhaupt noch Auto fährt.“ Denkbar sei außerdem ein verkehrsberuhigtes, wenn nicht gar autofreies Schulzentrum. Ganz so weit wollte Wagner nicht gehen. Sie wolle das Auto als solches „nicht verdammen“, aber andere Fortbewegungsmittel forcieren – etwa den guten, alten Fußmarsch. „Es gibt hier so viele schöne Schleichwege der Ickinger, die kann man pflegen.“ Dafür bekam sie Applaus.

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Reithmann erklärte: „Wir müssen die Mobilitätswende schaffen.“ Denkbar sei eine ganze Reihe von Maßnahmen, angefangen bei der Öffnung des Schulbusverkehrs für alle bis zur Realisierung des Radwegs nach Ebenhausen. „Da muss man eben immer wieder nachhaken.“ Zechmeister, in Pullach daheim, outete sich als Autofahrerin. Eine Ladestation für E-Autos in Rathaus-Nähe erklärte sie für wünschenswert.

Wie nun die Schlagzeile am 16. März lauten wird? Bei den Besuchern, die noch lange über den munteren Schlagabtausch diskutierten, herrschte die Meinung vor, dass die Entscheidung nicht im ersten Anlauf fällt. Ein Titel, wie ihn sich die Bewerberinnen wünschen, erscheint demnach frühestens am 30. März in unserer Zeitung. Dem Tag nach der Stichwahl.

Die Ickinger haben viele Fragen an die Bewerberinnen

Auf die Debatte der Kontrahentinnen, die fast 90 Minuten dauerte, folgten Fragen der Bürger. Mit Beifall quittiert wurde die von Jan Herzberg, der wissen wollte, was die Bewerberinnen für die Jugend zu tun gedenken? Cornelia Zechmeister gab unumwunden zu, dass er damit ein Problem anspricht. Ein Treffpunkt namens „Chill-in“ sei wieder eingeschlafen, und die Gemeinde verfüge leider über wenige Grundstücke, auf denen man tätig werden könne. Sie werde auf jeden Fall in den Dialog treten. Beatrice Wagner erzählte, dass Jugendliche mangels anderer Treffpunkte sich nachts unter dem überdachten S-Bahnsteig zusammentun, als Anwohnerin des Wenzbergs bekommt sie das hautnah mit. Es täte ihr leid, dass sie darauf angewiesen sind. „Mit mir hättet Ihr jemanden an Eurer Seite“, versicherte Wagner. Verena Reithmann regte an, in der nächsten Amtsperiode eine Jungbürgerversammlung zu etablieren. Laura von Beckerath-Leismüller hat vor, einen Jugendrat einzurichten und den Jung-Ickingern ein Tiny House zur Verfügung zu stellen.

Die ehemalige Kreisbäuerin Anni Rieger wollte wissen, wie man die Attenhauser Straße in Dorfen entschärfen könne. „Wenn da rechts und links die Autos parken, besteht Gefahr für Leib und Leben“, sagte Rieger. Verena Reithmann, selbst aus Dorfen, schlug vor, dass man noch deutlicher macht, wo man parken kann. Im Übrigen solle man sich freuen, dass Icking über so einen „sagenhaften Veranstaltungsraum“ wie das Vereineheim verfüge. Cornelia Zechmeister regte Umbauten am Feuerwehrhaus an, Laura von Beckerath-Leismüller einen Shuttlebus aus anderen Ortsteilen.

5G-Gegnerin Nina Pszolla wollte erfahren, ob die Kandidatinnen die Kinder an der Grundschule Wlan aussetzen würden. Tenor der Runde: Alle würden, bevor eine Entscheidung fällt, das Gespräch mit dem Schulleiter suchen. Wagner sagte offen und ehrlich, dass sie in dieser Frage zwiegespalten sei. „Von Kindern und Jugendlichen höre ich oft die Forderung, dass wir neue Hotspots einrichten müssen.“

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In Icking herrscht Fassungslosigkeit. Mehrere Wahlplakate wurden beschädigt, doch dann folgte der traurige Höhepunkt um Plakate von Bürgermeisterkandidatin Cornelia Zechmeister.

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