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Ökologisch, sozial, gemeinsam: Schlagworte, auf die SPD-Bürgermeisterkandidatin Dr. Beatrice Wagner (hier auf der Terrasse ihres Hauses am Ickinger Wenzberg) setzt.

Eine Frau mit Prinzipien

Kommunalwahl 2020: SPD-Kandidatin Beatrice Wagner im Porträt

  • VonPeter Borchers
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Dr. Beatrice Wagner hat sich ein Ziel gesetzt: Sie möchte für die SPD das Ickinger Rathaus erobern.

Icking – Den ursprünglichen Treffpunkt, die abgebrannte Reithalle, cancelt Dr. Beatrice Wagner eine gute Stunde vor dem Gespräch. Zu kalt sei es draußen, sagt sie, sie halte es für besser, sich bei ihr in der Praxis zu treffen. Die Replik des Reporters, die SPD müsse doch längst an frostige Zeiten gewohnt sein, lächelt die Bürgermeisterkandidatin charmant weg. Locker und unprätentiös („Lassen Sie den Doktor bitte weg“) gibt sich die 56-Jährige – und selbstbewusst: Obwohl die Sozialdemokratie in Deutschland, ja selbst in Bayern, schon bessere Tage gesehen hat, sagt sie: „Wenn ich mir gar keine Chance ausrechnen würde, Bürgermeisterin zu werden, wäre ich nicht angetreten.“

Kommunalwahl 2020: Beatrice Wagner arbeitete zunächst im Journalismus

Zunächst plaudern wir ein wenig über den Journalismus. Sie schreibe selbst leidenschaftlich gerne, sagt die im Allgäu geborene und bei Düsseldorf aufgewachsene Wagner. Deshalb verlegte sie sich nach einer Ausbildung zur Physiotherapeutin und einem Germanistik-Studium in Freiburg und München bald auf den Journalismus, zunächst im Lokalen. „Es hat sich dann aber so ergeben, dass ich in den Medizinjournalismus reingerutscht bin.“ Der Job machte ihr Spaß (sie hat später noch in der theoretischen Medizin promoviert), doch auf Dauer leben konnte sie als Freie von ihm nicht. Die finanziellen Rahmenbedingungen, unter denen heute viele Journalisten leiden, findet Wagner „bedenklich – auch aus demokratischer Sicht. Unsere freiheitliche Grundordnung basiert doch auch darauf, dass Journalisten genau hingucken und genügend Zeit haben, zu recherchieren und zu schreiben.“

Icking: SPD-Bürgermeisterkandidatin Beatrice Wagner ist heute Sexualtherapeutin

Über die medizinischen Themen fand sie zu ihrem heutigen Beruf: Die 56-Jährige arbeitet in ihrer eigenen Praxis als Paar- und Sexualtherapeutin. Der Bereich Sexualität aus wissenschaftlicher Sicht hatte Wagner bereits während ihrer Journalistentätigkeit fasziniert. „Ich habe mich sicher 15, 20 Jahre in dieses Feld reingearbeitet“, sagt sie. Wagner lernte den legendären Aufklärer Oswalt Kolle kennen, schrieb mehrere populärwissenschaftliche Bücher – und sattelte schließlich eine Heilpraktikerausbildung für Psychotherapie und zahlreiche Fortbildungen oben drauf, um therapieren zu dürfen. In ihrem Job findet sie Erfüllung: „Mit meiner Arbeit helfe ich, und sie ist persönlich bereichernd.“ Ein bisschen dauerte es, bis sie sich, 2010 aus der Anonymität der Großstadt gekommen, ans engere Dorfleben gewöhnt hatte. „Anfangs wurde schon über mich geredet“, sagt sie. „Eine Sexualtherapeutin? Was macht die da in ihrer Praxis?“ In München sei den Leuten ihr Job egal gewesen. Mittlerweile gehören aber auch Ickinger zu ihren Klienten, erzählt sie und lächelt. Am Landleben schätzt Wagner die Möglichkeit, in der Natur radeln und in den Bergen „zünftig“ wandern zu können. Dreimal die Woche geht sie zudem ins Fitnessstudio. Für mehr Hobbys lassen ihr Beruf und Politik keine Zeit.

Beatrice Wagner: „Ökologisch, sozial, gemeinsam - das sind meine drei Prinzipien“

Warum das Herz Wagners – sie ist auch Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz – mehr für Rot als Grün schlägt, hat einen Grund: Als sie aus München fortzog, gab’s in Icking keine organisierten Grünen. Der traditionsreiche SPD-Ortsverein, gegründet im Jahr 1970, aber nahm sie „mit offenen Armen auf“. Wagner fühlt bei den Genossen gut aufgehoben. „Ich war schon immer eher links orientiert“, sagt die Mutter einer 21-jährigen Tochter. „Ökologisch, sozial, gemeinsam – das sind meine drei Prinzipien.“ Beatrice Wagner ist bereits Bürgermeisterkandidatin der Ickinger SPD. Jetzt, nach der Jahresversammlung, ist sie auch neue Ortsvorsitzende

Sollte Wagner ins Ickinger Rathaus einziehen, will sie für mehr Transparenz sorgen. Ihr schweben Live-Protokolle der Gemeinderatssitzungen vor, „damit jeder die Entscheidungen ungefiltert verfolgen und nachvollziehen kann“. Eine weitere Herzensangelegenheit ist ihr, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Da liegt sie ganz auf der Linie von Hans-Jochen Vogel, der mit 93 Jahren nimmermüde gegen Spekulantentum und für eine neue Bodenordnung kämpft. Mit ihm, dem SPD-Ehrenvorsitzenden, steht sie in Kontakt. „Wir wollen uns bald treffen und überlegen, welche Ansätze es in dieser Hinsicht für Icking gibt.“ 

Beatrice Wagner will für mehr Transparenz im Ickinger Rathaus sorgen

Eine Idee hat sie, deshalb auch der ursprüngliche Treffpunkt an der Reithalle: „Aus diesem Areal könnte die Gemeinde viel mehr herausholen“, glaubt Wagner. Grund und Boden sei nicht vermehrbar, „deshalb benötigen wir dafür andere Gesetze“. Unter der UBI seien oben am Fuchsbichl Gemeindegrundstücke auf dem freien Markt verkauft worden. Wagner: „So etwas darf nicht sein.“

Für den Chefsessel im Ickinger Rathaus gibt es noch drei weitere Bewerberinnen: auch Verena Reithmann (UBI), Cornelia Zechmeister (PWG) und  Laura Beckerath-Leismüller (Grüne).

peb

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