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Die Arbeit stapelt sich: Cornelia Zechmeister an ihrem Schreibtisch im Ickinger Rathaus. Als Leiterin des Bauamts hat sie einen wichtigen Job. 

„Ich bin ein Harmoniemensch“

Kommunalwahl 2020: Im Gespräch mit PWG-Bürgermeisterkandidatin Cornelia Zechmeister 

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Cornelia Zechmeister ist Leiterin des Ickinger Bauamts. Jetzt strebt sie nach Höherem und möchte für die Parteifreie Wählergemeinschaft (PWG) Bürgermeisterin werden. 

Icking – Cornelia Zechmeister stützt ihr Kinn in die Hand. Sie sagt: Die nächste Zeit wird aufregend. Sie ist Gemeinderätin und zweite Bürgermeisterin in Pullach – und bewirbt sich um den Chefposten im Ickinger Rathaus, wo sie seit 14 Jahren das Bauamt leitet.

Warum tut sie sich das an? Zechmeister antwortet zuerst mit einem Lachen. Von sich aus wäre sie nie auf die Idee gekommen, zu kandidieren, sagt sie. Aber sie sei eben von der Parteifreien Wählergemeinschaft (PWG) gefragt worden: „Das war für mich auch eine Ehre.“ Die Bauamtschefin (54) dachte einen Urlaub lang über das Angebot nach. Dann nahm sie an. „Eigentlich ist mir die Entscheidung leicht gefallen.“

Schon in Pullach wollte sie Bürgermeisterin werden

Sie hätte ja schon einmal gern ihren Hut bei einer Kommunalwahl in den Ring geworfen: in Pullach, vor sechs Jahren. Aber damals schickte ihre Fraktion, die CSU, einen anderen Bewerber ins Rennen – und Cornelia Zechmeister trennte sich mit ein paar Gleichgesinnten von der Partei und gründete eine eigene Gruppierung, die „Wir in Pullach“ heißt. Sie wäre auch bereit gewesen, diesmal für die WiP an den Start zu gehen, doch wieder entschied sich der Vorstand für einen anderen Kandidaten. „Wir hatten halt das Glück, dass zwei Bewerber bereitstanden, nur einer konnte es werden.“

Die 54-Jährige ist eine Gemeinderätin, die nicht so leicht aufgibt. Sie hat keine Probleme damit, ihre Meinung zu sagen. Und im Moment ist sie oft anderer Meinung als die Mehrheit im Pullacher Gremium. Für ihren Geschmack wird die Gemeinde, in der sie aufwuchs und auch die Ausbildung zur Verwaltungsfachwirtin machte, zu sehr zugepflastert. Sie sagt, sie fühle sich im Bauausschuss manchmal als Grüne. Dabei wird die Kommune doch von einer grünen Bürgermeisterin regiert, von Susanna Tausendfreund. Doch Zechmeister sagt: „Ich bin sehr unzufrieden mit der Entwicklung.“

Icking soll ländlich bleiben, fordert Zechmeister

Wenn sie es noch einmal mit einem Vollzeitjob in der Kommunalpolitik probieren will, dann muss sie es jetzt machen, sagt die 54-Jährige. Sie gestaltet gern ihre Umgebung. Icking, wohin sie 2003 in die Verwaltung gewechselt ist und dann von der jetzigen Bürgermeisterin Margit Menrad schnell ins Bauamt geholt wurde, gefalle ihr wahnsinnig gut. Sie mag, dass die wohlhabende Gemeinde noch viele ländliche Ortsteile hat. Unter ihr würden die dann auch unbedingt ländlich bleiben. Das ist eigentlich ihr wichtigstes Anliegen: Grünflächen zu bewahren. Ansonsten ist ihr auch das Soziale wichtig, „Alt und Jung sollen noch Wohnungen finden können“.

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Auf der Liste der WiP in Pullach steht sie ebenfalls – sogar ganz weit vorn, auf Platz zwei. Sollte sie in Icking gewählt werden, hört sie an ihrem Wohnort allerdings als Gemeinderätin auf. Außerdem würde sie im Fall eines Wahlsiegs in Icking auch nicht den Sitz im Kreistag übernehmen, für den sie sich auf der Liste der Freien Wähler bewirbt. Durchsetzen müsste sie sich an ihrem Arbeitsort gegen drei weitere Bewerberinnen. Nur noch eine andere, Verena Reithmann von der UBI, hat schon Erfahrung als Gemeinderätin. Die beiden anderen, Laura von Beckerath-Leismüller (Grüne) und Beatrice Wagner (SPD), sind Quereinsteigerinnen. Zu ihren Chancen sagt Zechmeister: „Ich sehe es ganz offen, ich weiß nicht, wie die Ickinger mit der Tatsache umgehen, dass ich nicht am Ort wohne.“

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Icking ist nicht einmal halb so groß wie Pullach, das Rathaus kommt mit einem Azubi und zehn Mitarbeitern aus – und nicht mal die arbeiten alle Vollzeit. Die amtierende Rathauschefin Margit Menrad sei ihr ein Vorbild, sagt Zechmeister. Gegen sie hätte sie auf keinen Fall kandidiert. Ansonsten werde sie sich im politischen Alltagsgeschäft am Pullacher CSU-Altbürgermeister Josef Seidl orientieren. „Der war streng, aber immer korrekt.“

Sollte sie das Rennen machen, wird sie vermutlich noch mehr unterwegs sein, als sie das jetzt schon ist. Ihre Funktion als zweite Rathauschefin in Pullach nimmt Zechmeister ernst; sie sagt, sie habe außer der Politik eigentlich keine Hobbys. Wenn Zeit bleibt, dann nutze sie diese gern, um zu entspannen. Der Wahlkampf, der jetzt ansteht, kann sie nicht schrecken. „Hauptsache, es läuft alles fair ab“, sagt die Kandidatin. „Ich bin ein Harmoniemensch.“

Fragen über Fragen

Lieblingsplatz in Icking?

Terrasse beim Landhotel Klostermaier.

Blasmusik oder Rock/Pop?

Blasmusik.

Wann waren Sie zuletzt in Tracht?

Am 11. Januar, für ein Fotoshooting. Und zwei Tage davor, beim Geburtstag meiner Mutter.

Mögen Sie Haustiere?

Ja. Ich habe einen Kater zu Hause.

Ordnungsfan oder locker drauf?

Locker drauf, aber sauber muss es sein.

Bierfreund oder Weinliebhaber?

Weinliebhaberin.

Strandurlaub oder Städtetrip?

Strandurlaub.

Nachtragend oder verzeihend?

Verzeihend.

Drei Dinge für die Insel?

Foto von der Familie, Schmerzmedikament, Taschenmesser.

Schweinshaxn oder Gemüseauflauf?

Fleisch ja, aber auf Schwein bin ich allergisch.

Als Chefin streng oder gutmütig?

Gutmütig.

Haben Sie ein Vorbild?

Meine Eltern.

Ihr Motto?

Helfen, wo Hilfe gebraucht wird.

Lesen Sie auch: Alle Infos zur Kommunalwahl auf unserer Themenseite

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