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Nichts als Grün: Brigitte Seidel erweckt die Farbe auf ihren Bildern zum Leben. 

„Jeder darf seine Vorstellungen in meine Bilder interpretieren“

Künstlerin Brigitte Seidel malt ausschließlich mit Grün

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„Frühlingsrauschen“ heißt die neue Ausstellung im Hollerhaus in Irschenhausen. In den Bildern von Brigitte Seidel steckt tatsächlich viel Frühling - sie malt nur mit Grün. Wir haben mit ihr über die Gründe gesprochen.

Irschenhausen – Die Farbe Grün dominiert die erste Ausstellung im neuen Kulturjahr der Galerie Hollerhaus. Brigitte Seidel malt seit zwei Jahren ausschließlich mit dem Ton, der dem Volksmund zufolge Hoffnung verspricht. „Erst in dem Moment, in dem wir Farben erblicken, erwecken wir sie zum Leben“, sagte die Münchner Künstlerin und Kunsthistorikerin bei der Vernissage am Samstag. „Frühlingsrauschen“ heißt ihre Bilderserie.

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Nichts als Grün – das ist keineswegs eintönig. „Je länger diese Phase anhält, desto spannender und nuancenreicher wird das Ergebnis“, erklärte Seidel. Hellgrün, Moosgrün, Grasgrün, Blaugrün, fließend, lasierend, gespachtelt: Je länger sich der Betrachter auf die zumeist gegenstandslosen Bilder einlässt, desto ruhiger und entspannter fühlt er sich. Sie suggerieren Wachstum, Lebendigkeit, Harmonie und Ruhe.

Die Künstlerin mahnte bei der Vernissage aber zur Vorsicht: „Grün darf man nur bedingt steigern.“ Intensive Töne würden schnell zu einem Giftgrün. Die gefährlichste unter allen Farben sei das arsenhaltige „Schweinfurter Grün“. Angst vor Gefahr brauchte im Hollerhaus trotzdem niemand zu haben. Seidels Grüntöne sind wohltuend und friedfertig. Sie malt ausschließlich mit Acryl auf verschiedenen Malgründen, etwa Baumwolle, Leinwand und Holz. Sie experimentiert mit Farbpigmenten und Materialien. Deshalb sind ihre Bilder so haptisch divergent. Die Strukturen lässt sie mit Farbe, Wachs und Sand entstehen. In ihren fließenden Lasuren blinkt, kaum wahrnehmbar, ein Hauch von Glitzer auf. „Ich habe eine Methode entwickelt, Salzkristalle in Farbe zu fixieren“, erklärte sie.

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In „Frühlingsrauschen“ verwandelt sich Grün auch mal in Tiefblau. Grün wabert wie Nebelschwaden über einem blauen See. „Jeder darf seine Vorstellungen in meine Bilder interpretieren“, sagte die 1965 in Gräfelfing geborene Künstlerin. Seidels Leben ist in Farbphasen eingeteilt. Zur Geburt ihres Sohnes 2005 malte sie ausschließlich mit Rot, verriet sie.

Warum es heute Grün ist? „Vielleicht bestimmt durch das Älterwerden?“ Brigitte Seidel bleibe der Farbe vorerst treu. Sie gebe Hoffnung. „Vielleicht ist es meine Sehnsucht auf eine positivere gesellschaftliche Entwicklung.“  web

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Frühlingsrauschen im Hollerhaus“ läuft noch bis Ostermontag. Öffnungszeiten sind: samstags, sonntags und Ostermontag von 14 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung unter 01 74/3 02 67 70.

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