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Endlich geschafft: Vanessa Magson-Mann mit ihrer Einbürgerungsurkunde. 

Der Brexit und die Folgen

Der lange Weg nach Deutschland

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Der Brexit war für die gebürtige Britin Vanessa Magson-Mann ein Schock. „Damals ist etwas in mir gestorben“, sagt sie. Jetzt ist sie Deutsche geworden – und hat dafür einiges an Bürokratie in Kauf genommen.

Icking – In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 2016 hat sich etwas verändert im Leben von Vanessa Magson-Mann. Am Abend schlossen die Wahllokale in ihrem Mutterland, und am Morgen stand fest, was sie nicht für möglich gehalten hätte und was sie bis heute aufwühlt: England will raus aus der EU. „Der Brexit ist eine Tragödie“, sagt sie. Dass ihre Landsleute ein bisschen zur Exzentrik neigen, war ihr schon klar. „Aber das war viel zu viel an Exzentrik.“

Ihr Wunsch, nach 26 Jahren in Deutschland die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, ist allerdings schon etwas älter. Vor dem Referendum hatte der einstige Premier David Cameron verfügt, dass die Auslands-Engländer nicht abstimmen dürfen. Das hat sie schwer getroffen. „Ich bin ein politischer Mensch“, sagt sie. Mit dieser Entscheidung wurde ihr ihre Heimat zum ersten Mal fremd. Und mit dem Brexit noch viel fremder.

Beim Fall der Mauer hat sie sich für Deutschland gefreut

Gern ist die Verlags-Kauffrau vom Wenzberg diesen Schritt nicht gegangen. „Man kann seine Nationalität nicht so einfach abstreifen.“ Auf der anderen Seite lebt sie mittlerweile mehr als die Hälfte ihres Lebens auf dem Kontinent. Sie liebt Deutschland und seine Kultur. Als sie mit 16 Jahren im Rahmen eines Austauschs nach Münster kam, staunte sie darüber, wie wenig das Land dem Nazi-Klischee entsprach, das in England gepflegt wird. Im Gegenteil. „Deutschland ist ein reflektiertes Land“, sagt sie. Als die Berliner Mauer fiel, jubelte sie mit.

Anfangs ahnte sie nicht, welcher Behörden-Marathon auf sie zukommen würde. Zunächst bekam sie eine lange Liste mit beizubringenden Urkunden, von der Geburtsurkunde über den Mietvertrag bis zum Lohnsteuerjahresausgleich. Die Bescheide aus ihrer Heimat mussten übersetzt werden. Das kostet Zeit und Mühe. „Man wird komplett durchleuchtet.“

Acht Monate musste sie für die neue Staatsbürgerschaft kämpfen

Dann wurde die Wahl-Ickingerin zu einem Einbürgerungstest in den Münchner Gasteig eingeladen. Zu beantworten waren 33 Fragen zur deutschen Kultur, etwa nach dem Verfasser der deutschen Nationalhymne. Eine Prüfung, auf die man sich vorbereiten konnte. Die 33 Fragen sind eine Auswahl aus 300 Fragen, die öffentlich bekannt sind. Insofern kann man sich nach dem Prinzip Führerschein darauf vorbereiten.

Was Vanessa Magson-Mann aber nicht einsah, war die Forderung, ihre Sprachkenntnisse nachzuweisen. Sie hat Deutsch mit Auszeichnung studiert, spricht die Sprache perfekt, arbeitet in der Literaturbranche. „Ich habe mich schon gefragt, was das soll.“ Doch die Bayerische Staatsregierung war unnachgiebig, und am Schluss der Auseinandersetzung musste sie einen handschriftlichen Lebenslauf verfassen, auf sieben Seiten.

Schlussendlich ging die Sache gut aus. Am 13. Februar, nach acht Monaten zähen Ringens, hielt Vanessa Magson-Mann ihre Einbürgerungsurkunde in Händen. „Es gab so einen Moment der Befreiung, es hat sich irgendwie richtig angefühlt.“ Sie freut sich auch darüber, dass ihre Sachbearbeiterin im Landratsamt ihre Erleichterung geteilt hat. „Sie hat mir sehr geholfen.“ Bis zum formellen Austritt aus der EU hat sie noch die doppelte Staatsbürgerschaft.

Auf ihre Heimat, sagt sie, kommen schwere Zeiten zu

Und wie geht es jetzt weiter mit Großbritannien? „Die nächsten Jahre und Jahrzehnte werden wahnsinnig schwierig.“ Das einzig Gute: Durch den Brexit sei die junge Generation offenbar aufgewacht. Am Votum sind die Jungen nicht ganz unschuldig. Wären sie mehrheitlich zur Wahl gegangen, wäre es nicht so weit gekommen. Doch jetzt haben sie ihr Interesse für die Politik entdeckt. „Vielleicht liegt darin der Anfang einer besseren Zukunft.“ Magson-Mann selbst will an der Verständigung zwischen Deutschen und Briten arbeiten. „Wir brauchen Menschen, die Brücken bauen.“ Sie möchte einen Schüleraustausch mit ihrer Universitätsstadt Durham organisieren. Brexit hin oder her.

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