+
Ursache und Wirkung: Bei dem Unfall auf der A 95 bei Schäftlarn sind vier Autos beschädigt worden. Da die einzig befahrbare Spur blockiert war, stauten sich die Autos bis Wolfratshausen zurück.

Zwölf Kilometer Stau

Unfall auf A95: Autofahrer mussten rückwärts fahren

  • schließen

Icking/Schäftlarn – Ungewöhnliche Anweisung im Stau: Nach dem Unfall in einer Baustelle auf der A95 sollten Autofahrer teilweise mehrere Kilometer lang in einer engen Spur rückwärts fahren.

Rückwärtsfahren ist auf Autobahnen strengstens verboten. Drei Punkte in Flensburg und bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe drohen bei einem Verstoß. Am Mittwochabend erteilten Polizei und Feuerwehr auf der A 95 zwischen den Anschlussstellen Wolfratshausen und Schäftlarn aber die ausdrückliche Erlaubnis. In der Baustelle Richtung München hatte es gegen 17.15 Uhr gekracht. Die Fahrzeuge hinter den Unfallautos steckten fest. Um aus dem Stau zu kommen, half nur der Rückwärtsgang – teils mehrere Kilometer weit.

In der Behelfspur kracht ein Lkw in das Heck eines VW

Im Feierabendverkehr war laut Polizei ein Lkw auf der Behelfspur ins Heck des VW einer Münchnerin (28) gekracht. Die Wucht des Aufpralls war so stark, dass sich das Auto auf den davor fahrenden VW einer Münchnerin (35) schob. Deren Wagen prallte wiederum von hinten gegen den Ford eines Dachauers (48). Sechs Personen verletzten sich leicht. Der Sachschaden liegt laut Polizei bei 16.000 Euro. Auf der Autobahn Richtung München ging nichts mehr vorwärts. Es bildete sich ein zwölf Kilometer langer Rückstau bis zur Anschlussstelle Wolfratshausen.

Wer feststeckte, sollte auf der Autobahn rückwärts fahren

Drei Stunden dauerten die Aufräumarbeiten an der Behelfspur, die an der Gegenfahrbahn entlang führt und nur durch eine kleine Mauer vom Gegenverkehr Richtung Garmisch-Partenkirchen getrennt ist. Damit die Autos im Stau nicht so lange warten mussten, gab es zwei Maßnahmen: Erstens wurde eine zweite Spur durch die Baustelle auf dem Standstreifen Richtung München geöffnet. Die Fahrbahnsanierung wurde dafür unterbrochen. Alle Autos, die noch vor Baustellenbeginn im Stau standen, konnten den Unfall so umfahren. Fahrern, die schon in der Behelfspur standen, half das nicht. Polizisten gingen deswegen von Auto zu Auto und empfahlen den Rückwärtsgang. Sehr erfolgreich war das aber nicht: Die Baustelle ist knapp sechs Kilometer lang. Und Autos mit Hänger konnten nicht rangieren. Also hieß es für viele doch: warten.

Die Feuerwehren aus Starnberg, Berg, Höhenrain, Neufahrn und Hohenschäftlarn waren vor Ort, berichtet die Verkehrspolizeiinspektion Weilheim. Sie sperrten für die Aufräumarbeiten auch die A 95 in Richtung Süden. „Mit vorbeifahrenden Autos wäre das an der Unfallstelle zu gefährlich geworden“, sagt Mathias Buck, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Hohenschäftlarn. Die Autos wurden an der Anschlussstelle Starnberg abgeleitet.

Die Maßnahmen nach einem Unfall sind genau festgelegt

Wie die Einsatzkräfte nach einem Unfall reagieren, steht in einem speziellen Alarmplan, der vor Einrichtung der Baustelle von den Landratsämtern Starnberg und München in Absprache mit Polizei und Feuerwehr erarbeitet worden war, sagt Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion Südbayern. „Bei dem Unfall jetzt ist die Schwierigkeit gewesen, dass die Autos in der Einzelspur gefangen waren.“ Bei der Baustelle voriges Jahr war die Behelfspur nicht durch eine Mauer, sondern durch Baken vom Gegenverkehr getrennt. Damals hätten die Autos umkehren können. „Wenn es der Platz zulässt, verzichten wir aber aus Sicherheitsgründen auf die Baken“, sagt Seebacher. Warum, zeigte sich vor zwei Jahren: Ein Autofahrer erlitt damals einen Schwächeanfall, durchbrach mit seinem Auto die Abschirmung und raste in den Gegenverkehr.

dor

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Das Geretsried des 21. Jahrhunderts“
Der Stadtrat hat dem Krämmel-Bau am Karl-Lederer-Platz mit großer Mehrheit zugestimmt. Zuvor hielt der Bürgermeister eine leidenschaftliche Rede
„Das Geretsried des 21. Jahrhunderts“
„Eine Störung, aber nichts Dramatisches“
6,5 Hektar zerstörte Vegetation, ein Sachschaden in Höhe von mehreren 10.000 Euro: Der Brand am Mittwoch in den Isarauen war schlimm, aber die Natur wird sich bald …
„Eine Störung, aber nichts Dramatisches“
Pflanzaktion im Bergwald
50 Elsberren und 50 Tannen werden im Wolfratshauser Bergwald gepflanzt. Alle Waldfreunde sind aufgerufen, sich an der Pflanzaktion zu beteiligen.
Pflanzaktion im Bergwald
„Anarchisch glücklich sein“
Ganz Deutschland hat seine Melodien im Ohr: Hans Franek hat die Hymne des FC Bayern („Stern des Südens“) produziert, er komponiert Filmmusik und Werbejingles für …
„Anarchisch glücklich sein“

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare