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Mobilfunk, Hochwasser und Umweltschutz: Ickings Bürgermeisterin Verena Reithmann im Interview

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Von: Andrea Kästle

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Verena Reithmann, Bürgermeisterin Icking, in ihrem Amtszimmer
Verena Reithmann, Bürgermeisterin von Icking spricht im Interview über Herausforderungen für die Gemeinde. © Andrea Kästle

INTERVIEW Bürgermeisterin Reithmann geht trotz aller Schwierigkeiten gern ins Rathaus

Icking – Die nächste Runde in der Auseinandersetzung um den Mobilfunk, erste Planungen für die notwendigen Entwässerungsmaßnahmen, der Umzug der Bücherei ins Grundschul-Hauptgebäude, der alle Beteiligten geschmerzt hat: Die Gemeinde Icking musste sich im vergangenen Jahr durchaus auch mit undankbaren Themen befassen. Bürgermeisterin Verena Reithmann (UBI) hat den Spaß an ihrem Job trotzdem nicht verloren. Sie sagt von sich, sie sei geduldig – eine Eigenschaft, die sie als Rathauschefin gut brauchen kann.

Frau Bürgermeisterin Reithmann, Sie haben Ihr erstes ganzes Jahr als Bürgermeisterin hinter sich. Gehen Sie noch immer gern ins Rathaus?

Reithmann: Daran hat sich überhaupt nichts geändert. Ich gehe vielleicht sogar noch lieber hier rein.

Sie fangen immer früh an, zwischen sieben und halb acht, wenn Sitzungen sind, haben Sie sehr lange Tage. Noch nicht sitzungsmüde?

Reithmann: Nein, gar nicht. Die Sitzungen sind ja der Kern der Sache, darum geht es ja: dass der Gemeinderat um gute Lösungen ringt. Dass sie unter Umständen auch mal länger dauern, ist für mich überhaupt kein Problem.

Gab es 2021 eine Entscheidung im Gemeinderat, die Sie selbst überrascht hat? Weil durch die Diskussion neue Möglichkeiten erschlossen wurden?

Reithmann: Schwierige Frage. Was jedenfalls erst erarbeitet werden musste im Gremium, war die Umsetzung der offenen Ganztagsschule, die in den letzten zwei, drei Jahren praktisch explodiert ist.

Am Ende musste die Bücherei aus ihren Räumen ausziehen.

Reithmann: Genau, wir mussten da Interessen gegeneinander abwägen, die nicht mehr unter einen Hut zu bringen waren.

Ihre Gruppierung, die UBI, ist die stärkste Fraktion im Gemeinderat. Haben Sie das Gefühl, das Gremium zu dominieren?

Reithmann: Die UBI hat mit mir fünf von 17 Stimmen, das ist überhaupt kein starkes Gewicht! Es ist immer erforderlich, bei jeder Abstimmung, dass mehrere Fraktionen eine Meinung teilen.

Gibt es in Icking Gewohnheitsmehrheiten, die die Entscheidungen bestimmen?

Reithmann: Nein. Das Gremium ist mehr als flexibel, nicht einmal innerhalb der verschiedenen Fraktionen wird blockweise abgestimmt. Wir haben lauter eigenständig denkende und entscheidende Gemeinderäte. Es wird oft kontrovers diskutiert – und dann einhellig entschieden.

Sie haben im Frühjahr wegen Corona schon hybride Sitzungen abgehalten. Ihre Erfahrungen damit?

Reithmann: Ich bin überglücklich, dass wir das so schnell gemacht haben, und die Erfahrung ist, dass es wunderbar funktionieren kann. Fürs Abzählen bei Abstimmungen braucht man ein bisschen Geduld, ansonsten aber sehe ich keine Nachteile.

Machen Sie Vorgaben, dass von jeder Fraktion wenigstens ein Vertreter anwesend sein muss?

Reithmann: Nein. Jeder kann zuhause bleiben, wenn er das für besser hält.

Eins der Themen, die Icking auch 2021 wieder aufgewühlt haben, ist der Mobilfunk. Ist der Funkturm hinter den Tennisplätzen jetzt unter Dach und Fach?

Reithmann: Nein, wir stecken leider noch mittendrin in der Entscheidung. Der Grund, den wir für die Zufahrt und für den Bau selbst brauchen, gehört zwar uns, ist aber in Erbpacht an den Sportverein vergeben – und der hat dem Projekt bislang nicht zugestimmt. Eine Mitgliederversammlung beim WSVI steht noch aus; die darf letztlich auch deshalb mit Spannung erwartet werden, weil im Moment von den Gegnern des Standorts durchaus versucht wird, Einfluss auf die Beteiligten zu nehmen.

Kann das Ganze am Ende noch scheitern? Dann würden die beiden Antennen, die momentan noch an der B11 vorhanden sind, bleiben.

Reithmann: Wir können jedenfalls nicht auf die Grundstücke zugreifen, wenn der WSVI nicht zustimmt.

Sie haben im Sommer ja eine Bürgerversammlung dazu abgehalten, die sehr sachlich ablief.

Reithmann: Der Geist, der die Bürgerversammlung bestimmt hat, hat sich hinterher leider schnell verflüchtigt. Wir bekamen im Nachgang offene Briefe und Resolutionen, die zeigen, dass das, was bei der Bürgerversammlung besprochen worden ist, nicht angenommen wurde. Natürlich klingen die Maßnahmen, die der Experte des Arbeitskreises gegen Elektrosmog vorgeschlagen hat, alle toll. Aber sie sind nicht zu vereinbaren mit geltendem Recht.

Ansonsten war die Gemeinde heuer eher mit Pflichtaufgaben beschäftigt, von denen man wenig sieht nach außen hin. Etwa die Entwässerung.

Reithmann: Ein sehr wichtiges Projekt! Letztlich dient eine gute Entwässerung, wie wir sie jetzt anstreben, jedem Grundstückseigentümer, nicht nur dem, in dessen Garten heuer das Wasser stand und nicht abfloss. Wir haben in Icking einen sehr undurchlässigen Boden, der Effekt ist, dass im Moment Nachverdichtung nur dort stattfinden kann, wo auch Grundstücke nach einer Teilung mindestens 900 Quadratmeter groß sind.

Was waren 2021 noch wichtige Themen?

Reithmann: Wir haben die Straßenbeleuchtung komplett auf LED umgestellt – und dafür immerhin 100 000 Euro in die Hand genommen. Ein großes, tolles Projekt für Icking. Und wir haben damit begonnen, an Knotenpunkten das Gehwegnetz zu flicken, etwa an der Ulrichstraße. Weitere Stellen sollen folgen.

Auf dem Gelände der ehemaligen Reithalle wollen Sie einen attraktiven Mix aus Handwerk und Wohnen verwirklichen, möglicherweise sehr modern geplant. Davon war heuer gar keine Rede.

Reithmann: Wir sind noch immer in Verhandlung mit dem Eigentümer, der natürlich mit ins Boot geholt werden muss. Solche Abstimmungen brauchen einfach Zeit, das kann man nicht forcieren.

Was, glauben Sie, sind Eigenschaften, die ein Rathauschef, eine Rathauschefin unbedingt haben sollte?

Reithmann: Ich glaube, man sollte immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger haben. Und dabei gibt es kein Thema, das nicht ein Anliegen sein könnte.

Was war 2021 ein besonders frustrierender Moment für Sie?

Reithmann: Alles, was das Thema Mobilfunk angeht, war bei mir schon mit Frustration belegt. So viel wir auch dazu informiert haben – bei den Gegnern hat das alles nichts bewirkt. Hoffentlich setzt sich die Lagerbildung, die da entstanden ist, nicht bei anderen Themen in Icking fort.

Und welcher Moment hat Sie 2021 besonders beglückt?

Reithmann: Glücklich war ich immer dann, wenn hier im Haus wieder in einem Punkt eine kleine Hürde genommen worden ist, wir einen Schritt weiter gekommen sind. Um dann den nächsten gehen zu können.

Welche größeren Projekte stehen in diesem Jahr an?

Reithmann: Die Planung einer neuen Turnhalle und dabei auch die Frage einer Erweiterung der Grundschule, der Bau des Notverbunds mit Schäftlarn und das Regenwasserprojekt.

Was wünschen Sie sich für Icking?

Reithmann: Eine Entlastung der Corona-Situation, ich wünsche mir, dass wir einander wieder unbefangen begegnen können.

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