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Kleine Bühne, große Musik (v. li.): Chris Gall, Mulo Francel, Sven Faller und Robert Kainar stellten ihr Album „Mocca Swing“ im Hollerhaus vor. 

„Mocca Swing“

Mulo Francel von Quadro Nuevo und drei Kollegen stellen neues Album vor

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Töne zum Dahinschmelzen: Im Hollerhaus stellten Mulo Francel und drei Kollegen ihr neues Album „Mocca Swing“ vor. Ein gelungenes Konzert.

Irschenhausen – Der Abschluss der Ausstellung „100 Fragmenti – 100 Jahre Hollerhaus“ der Berliner Künstlerin Klio Karadim am Samstagabend war ein musikalisches Feuerwerk im Hollerhaus. Mulo Francel von Quadro Nuevo und drei Musiker-Kollegen heizten dem Publikum mit ihrem neuen Album „Mocca Swing“ so ein, dass man um die wächsernen Enkaustik-Bilder fürchten musste – zum Dahinschmelzen.

„Die Technik hat nicht umsonst 5000 Jahre überdauert“, gab sich die Künstlerin gelassen. Bahn frei also für das herausragende Quartett, das in dieser Zusammensetzung noch nie vor Publikum gespielt hat. Auf der knallroten Bühne, kaum größer als eine Tischtennisplatte, wuchsen Mulo Francel (Tenor Saxophone, Klarinette), Chris Gall (Piano), Sven Faller (Bass) und Robert Kainar (Drums) in immer genialeren Jazz-Improvisationen zusammen.

Rilke inspiriert zu einem Titel

Mit „Café Europa“ stellten die Musiker sich und ihre Instrumente in beeindruckenden Soli vor. Mulo Francel lieferte im ersten Wortbeitrag einen wehmütigen Hauch von Rilke, der bekanntermaßen auch ein kleines Kapitel zur Hollerhausgeschichte beigetragen hat. Sein Gedicht „Herbsttag“ inspirierte den Welten-Musiker zu dem Titel „Südlichere Tage“.

Der Titel war quasi ein Bonus. Und leider ist auch der Titel „Yorke’s Guitar“ aus der Feder von Pianist Chris Gall nicht Teil der neuen CD. Aber Frontmann Mulo Francel lässt seinen Kollegen gerne auch Platz für kreative Eingebungen. So verschafft Drummer Robert Kainar spontan der uralten Lampe aus Perlmutt-Talern über der Bühne ihren allerersten und viel bejubelten Auftritt als Percussion-Instrument. So etwa bei „Laquer“, dem Stück von Bassist Sven Faller, mit dem er klangvoll die rührende Liebesgeschichte seiner Oma erzählt.

Das schmeckt nach Kaffee, das klingt nach Urwald

Nicht minder ausdrucksvoll der Albumtitel „Mocca Swing“, der sich tatsächlich um das Heißgetränk dreht wurde. „Pixinguinha“ klingt nach Urwald und ist einem brasilianischen Komponisten gewidmet, „Atahualpa“ dem letzten König der Inka. Bei „La vida del senor Lorenzo“ setzt Francel einem Papagei namens Lorenzo ein musikalisches Denkmal. Der leistete ihm einen Tag lang – unfreiwillig dank gestutzter Flügel – Gesellschaft, als Francel auf einer Südamerika-Tournee krank im Hotelinnenhof in Peru liegen musste. Beide wäre vermutlich lieber woanders gewesen. Das verbindet.

Immer wieder spendete das Publikum begeisterten Zwischenapplaus und wurde damit lebendiger Teil des großen Ganzen. Als Zugabe gab es den Jazzballaden-Klassiker „Misty“ von Erroll Garner und sorgte für ein weiteres Highlight. Bei so einem phänomenalen Konzert wünschte sich nicht nur Hausherrin Lia Schneider-Stöckl eine Fortsetzung.

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