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Gemeinderat hat entschieden 

Namensgeber war NSDAP-Mitglied: Wenzberg bleibt Wenzberg

Die Entscheidung ist gefallen: Der Wenzberg und weitere sechs Straßennamen mit Personen mit Bezug zur NS-Zeit behalten – teilweise mit Ergänzungen und kleinen Änderungen – ihre Namen. Das beschloss der Ickinger Gemeinderat am Montagabend.

Icking – Der Streit um den Wenzberg war wie berichtet vor einem Jahr entbrannt. Der Dorfener Dr. Christoph Kessler hatte in einem Offenen Brief an die Gemeinde gefordert, die Straße im Zentrum Ickings umzubenennen. Denn Paul Wenz (1875-1965) und seine Ehefrau Else Wenz-Vietor (1882-1973), nach denen der Weg benannt ist, sollen überzeugte Nationalsozialisten gewesen sein. Der Gemeinderat hatte daraufhin beschlossen, einen Arbeitskreis (AK) mit Fachleuten und Gemeinderäten zur Aufklärung zu bilden. Der AK unter der Leitung der Historiker Dr. Marita Krauss und Erich Kasberger tagte viermal nicht öffentlich. Das Ergebnis ihrer Untersuchungen stellten die Mitglieder am Montag zuerst der Presse und dann dem Gemeinderat vor.

Stellten das Ergebnis der Untersuchungen vor: (v. li.) Bürgermeisterin Margit Menrad, die Arbeitskreis-Mitglieder Dr. Peter Schweiger und Claudia Roederstein sowie die Historiker Erich Kasberger und Dr. Marita Krauss.

Die sieben AK-Beteiligten sind zu dem Schluss gekommen, dass das Ehepaar Wenz weder vor 1933 noch danach antisemitische oder rassistische Auffassungen vertrat. Dr. Marita Krauss macht das unter anderem daran fest, dass das Paar eng mit der jüdischen Ärztin, Frauenrechtlerin und Zionistin Rahel Straus befreundet war. Aus alten Akten und Spruchkammerurteilen gehe zudem hervor, dass Paul Wenz nur nominelles Mitglied und kein Aktivist der NSDAP gewesen sei.

„Als Kinder sagten wir: Gehen wir auf den Wenzberg zum Schlittenfahren“

AK-Mitglied Claudia Roederstein fand bei der Recherche in den Zeitungsarchiven von damals keine Hinweise darauf, dass Wenz als Ortspropagandaleiter Versammlungen einberufen hätte. „Nur einmal hielt er eine Rede zur Sonnwende.“ Else Wenz-Vietor sei zwar als Frauenschaftsleiterin in Erscheinung getreten, sei jedoch nicht durch Reden aufgefallen. Dasselbe treffe auf die Kinder zu, die in NS-Jugendorganisationen eingebunden gewesen seien. Offen bleibt laut Erich Kasberger, wie man den Bau des Verwaltungsgebäudes der Dynamit AG in Geretsried (heutiges Rathaus) durch den Architekten Wenz bewerten soll: „Dafür ist nach der generellen Verantwortung von Architekten, Künstlern und Experten für das NS-System zu fragen.“

Für die Beibehaltung des Namen Wenzberg spricht für den AK schließlich, dass die Anhöhe schon zu Lebzeiten der Familie von der Bevölkerung so genannt wurde. „Als Kinder sagten wir: Gehen wir auf den Wenzberg zum Schlittenfahren“, erinnert sich AK-Mitglied Dr. Peter Schweiger. Die Straße sei also 1956 nicht zu Ehren eines ehemaligen NSDAP-Mitglieds oder verdienten Architekten so benannt worden, sondern weil man damals eine Art Flurnamen gesucht habe.

Das Fazit des Arbeitskreises, dem sich der Gemeinderat mit Ausnahme von Verena Reithmann (Unabhängige Bürgerliste Icking) anschloss, lautete: Für eine Umbenennung des Wenzberg finden sich keine juristisch oder historisch haltbaren Argumente. Wie bei den übrigen sechs untersuchten Straßennamen soll eine kurze Erklärung zu den Personen am Straßenschild angebracht werden – und eine längere, die über einen QR-Code abrufbar sein soll. Wo Namen geändert werden sollen, will die Gemeinde zuvor die Anwohner anhören.

So verfährt die Gemeinde Icking mit den anderen Straßennamen

Den Rosenfeldweg will die Gemeinde Icking umbenennen in Else-Rosenfeld-Weg, damit deutlich wird, dass er der verfolgten jüdischen Sozialfürsorgerin und Historikerin Dr. Else Behrend-Rosenfeld (1891-1970) gewidmet ist. Vigdis Nipperdey hätte lieber den vollen Namen auf dem Schild gelesen. Den Haiderweg hätte der Arbeitskreis gerne nach dem gleichnamigen Maler (1846-1912) in Karl-Haider-Weg umgetauft, um Verwechslungen mit seinem Sohn Ernst vorzubeugen. Der Gemeinderat entschied mit 9:5 Stimmen, dass dies überflüssig sei. Der Gert-Fröbe-Weg wird beibehalten. Der Schauspieler Fröbe (1913-1988) war gemäß Spruchkammer-Urteil nur NS-„Mitläufer“. Die Mitgliedschaft in der Reichsfilmkammer habe ihm die Chance auf eine Karriere eröffnet. Nach 1945 habe Fröbe sich klar vom Nationalsozialismus distanziert. Den Geheimrat-Heindl-Weg will der Gemeinderat (12:2 Stimmen) in Robert-Heindl-Weg umbenennen. Heindl (1883-1958) hat als Kriminologe den Begriff „Berufsverbrecher“ geprägt und das Prinzip „Schutzhaft“ eingeführt. Er war Legationsrat, der Titel Geheimrat wurde ihm nie verliehen. Unverändert bleiben der Schleichersteig nach dem Maler und Kunstpädagogen Adolf Schleicher (1887-1982), der zwar NSDAP-Mitglied war, laut AK politisch aber nicht hervortrat, und der Johann-Pischeltsrieder-Weg nach dem Landwirt und Bürgermeister Johann Pischeltsrieder (1887-1958). Dieser hat den Recherchen zufolge Juden geschützt. Das damit verbundene Risiko habe er mit seiner formellen NSDAP-Zugehörigkeit zu mindern versucht. Der Gemeinderat folgte der Empfehlung des Arbeitskreises, in der Zukunft alle personenbezogenen Straßen in Icking mit erläuternden Zusatzschildern zu versehen. Dazu gehören unter anderem die Ludwig-Dürr-Straße, der Stifterweg und der Ichoring.

Tanja Lühr

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