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Symbolbild

71-Jährigem rutscht die Hand aus

Ohrfeigen in der Freinacht: Wolfratshauser Richter auf Wahrheitsfindung

  • vonPeter Herrmann
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Weil eine Gruppe von Jugendlichen in der Freinacht ihr Unwesen auf seinem Grundstück trieb, rutschte einem 71-Jährigen die Hand aus. Der Wolfratshauser Richter musste sich durch sich teilweise widersprechende Zeugenaussagen kämpfen.

Icking/Wolfratshausen Gleich zwei Verhandlungstage am Wolfratshauser Amtgericht beanspruchte der Prozess gegen einen 71-jährigen Ickinger. Dem Mann war am 30. April 2017 im Konflikt mit einer Gruppe von Jugendlichen gleich mehrmals die Hand ausgerutscht. Da sich die Vorfälle in der sogenannten Freinacht ereigneten und es viele, sich teilweise widersprechende Zeugenaussagen gab, war die Wahrheitsfindung für Richter Urs Wäckerlin besonders schwierig.

In der Nacht auf den 1. Mai sind Streiche an sich nichts Ungewöhnliches. Dem Bewohner eines Ickinger Hauses riss jedoch der Geduldsfaden, als bei ihm gegen 19 Uhr mehrmals geklingelt wurde und später auf seinem Grundstück einige Knallkörper explodierten. Er stellte den angeblichen Rädelsführer der vor seinem Haus wartenden Gruppe zur Rede. „Der sagte mir: Heute ist Freinacht, ich darf alles“, erinnerte sich der Angeklagte. Daraufhin verpasste er zunächst dem 15-Jährigen eine Watschn und schlug später noch einen anderen Jugendlichen, der schlichten wollte. Damit nicht genug: Um das Gerangel zu beenden, bediente sich die Frau des Rentners eines Gartenschlauchs und spritzte alle Beteiligten nass.

Einer der geohrfeigten Schüler rief daraufhin seinen Vater an, der kurze Zeit später herbeieilte und sich auf eine Rangelei mit dem 71-Jährigen einließ. Schließlich wurden die Polizei und ein Krankenwagen gerufen. Denn der Hausbesitzer hatte eine Risswunde am Ohr erlitten, die in der Kreisklinik Wolfratshausen genäht werden musste. Bei zwei Jugendlichen wurde dort eine leichte Gehirnerschütterung beziehungsweise eine Prellung festgestellt. „Da herrschte Land unter in Icking“, erinnerte sich ein Polizist der Zivilstreife an die Ereignisse.

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In der fast zwei Jahre später folgenden Verhandlung gab der wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Nötigung angeklagte Hausbesitzer zu, dass er die Jugendlichen geschlagen habe. Nicht nachgewiesen werden konnte ihm der Tritt gegen das Bein des Vaters eines Schülers. Der Verteidiger verwies vor dem Urteilsspruch auf die „massive Provokation der Jugendlichen“, die sogar in den Bereich des Hausfriedensbruches gehe. Er bat darum, es bei einer geringen Geldstrafe für seinen Mandanten zu belassen. Die Forderung des Staatsanwalts, der 70 Tagessätze à 120 Euro für angemessen hielt, nannte er überzogen. Richter Urs Wäckerlin folgte dem Antrag des Verteidigers und sprach moderate 30 Tagessätze à 80 Euro – insgesamt 2400 Euro – aus.  ph

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