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Der Ickinger Wenzberg ist nach dem Architekten und SA-Truppenführer Paul Wenz benannt.

Gemeindearchivar über SA-Truppenführer

Paul Wenz: ein Mitläufer oder doch mehr?

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Icking – Vor kurzem wurde bekannt, dass Paul Wenz, nach dem der Wenzberg benannt ist, SA-Truppenführer war. Gemeindearchivar Dr. Peter Schweiger sprach darüber mit Redakteur Volker Ufertinger.

Herr Dr. Schweiger, wie kommt es, dass so wenige Ickinger von den Verstrickungen von Paul Wenz wussten?

Unter den alteingesessnen Ickingern war das durchaus bekannt. Allerdings ist man mit dem Thema sehr zurückhaltend umgegangen. Neubürgern gegenüber hat man darüber eher geschwiegen.

Dass Paul Wenz sehr regimetreu war, geht aus den Spruchkammerakten zu seiner Entnazifizierung hervor. Kennen Sie diese Akten?

Dr. Peter Schweiger Gemeindearchivarin Icking. 

Nein, ich kenne sie bisher nicht. Sie liegen im Münchner Staatsarchiv, und es bleibt erst noch zu klären, ob sie für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Es gibt nach meinem Wissen eine Frist von 70 Jahren für solche Dinge, und diese Frist ist noch nicht abgelaufen. Paul Wenz ist erst 1965 gestorben.

Haben Sie in Ihrem Archiv Unterlagen?

Was ich gefunden habe, ist die Widerspruchsakte von Paul Wenz gegen die Spruchkammer. Die Widerspruchskammer war in Wolfratshausen ansässig und hat Paul Wenz lediglich als Mitläufer eingestuft. Allerdings sollte man da vorsichtig sein. Das Urteil der Widerspruchskammern vor Ort fiel oft recht milde aus.

Ist die Architektur von Paul Wenz Nazi-Architektur?

Nein, keineswegs. Das Haus der Kunst oder die Gebäude am Münchner Königsplatz, das ist protzige Nazi-Architektur. Die Wenz-Häuser in Icking sind da ganz anders.

Wenz war SA-Truppenführer in Icking. Was heißt das?

Das war wohl eher ein Titel. Dass damit im damals noch kleinen Icking konkrete Aufgaben verbunden waren, glaube ich nicht. In Uniform ist Wenz jedenfalls nicht herumgelaufen.

Aus Ihrer Sicht als Zweiter Bürgermeister: Ist eine Umbenennung nötig?

Das wird man sehen. Jedenfalls bedeutet eine Umbenennung viel Aufwand, auch für die Anlieger des Wenzberg. Man kann auch, etwa auf einer Infotafel, darstellen, wer Paul Wenz war. So wie in der Tölzer Hindenburg-Straße. Dort hat man den Straßennamen nicht getilgt, sondern Aufklärungsarbeit betrieben.

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